Außerdem am Start: ein deutscher Pop-Dandy, ein Duo wie aus „Babylon Berlin“, junggebliebene Punkrocker aus Manchester, ein nordirischer Seelensänger und eine tolle Freiluftsause zum Minimaltarif. Unsere Konzertempfehlungen für die kommende Woche.

1 Kurt Vile & The Violators August 13, 2026, Paredes De Coura, Braga, Portugal: Kurt Vile, singer and guitarist of the American indie rock band Kurt Vile & The Violators, performs on the main stage during the Vodafone Paredes de Coura. Paredes De Coura Portugal PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAs197 20260813_aaa_s197_231 Copyright: xDiogoxBaptistax Auf der Bühne tiefenentspannt: Kurt Vile beim Konzert in Braga, Portugal.

© imago/ZUMA Press/IMAGO/Diogo Baptista

„Not to be confused with Kurt Weill“ steht über dem Wikipedia-Eintrag des 46-Jährigen aus Philadelphia, der in den letzten zwei Jahrzehnten auf denkbar unaufgeregteste Art und Weise zu einem der führenden Protagonisten des US-Indierock aufgestiegen ist.

Denn Kurt Vile – er heißt wirklich so – scheint es nie darauf angelegt zu haben, zum Posterboy einer Generation von Musikern zu werden, deren hervorstechende Eigenschaft ihre Ambitionslosigkeit zu sein scheint.

Scheint! Denn auch wenn Vile, ob solo oder mit seiner Band The Violators, sich jemals aus der Ruhe bringen lässt, liegt in seinem stoischen Schaffen doch eine ungeahnte Zielstrebigkeit.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Externen Inhalt anzeigen

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Eine schöne Pointe der Pophistorie war, dass Vile 2021 das vorletzte Album von Dinosaur Jr. produzieren durfte, der Band von J. Mascis, dem eine Pop-Generation älteren Urvater aller modernen Indierock-Schluffis.

Huxleys Neue Welt

Hasenheide 107, Neukölln, Do 3.9., 20 Uhr, 38 Euro

Weekender: Unsere Tipps für Ihr Wochenende

Zu viel Kultur, zu wenig Zeit? Unser „Weekender“-Newsletter sortiert Berlins Highlights für Ihr Wochenende – persönlich kuratiert, kostenlos im Postfach.

2 Drangsal Drangsal Kann auch niedlich: Max Gruber alias Drangsal.

© Jan Philipzen

Es ist wohl der längste Titel einer deutschen Platte seit Jens Friebes „Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache Dir ist nichts passiert“ (2007): „Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix emporgestiegen“ heißt das 2025 erschienene, vierte Album von Drangsal. Genauso pompös (im guten Sinne) klingt es auch.

Der windschnittig-pathetische Synthie-Postpunk der ersten Platten ist dem ambitionierten Eigenbau eines retrofuturistischen Artrock gewichen, zu dem Gruber mit wie gewohnt an Farin Urlaub erinnernder Stimme Bedeutungsschwangeres deklamiert.

In dieser Verfeinerungsstufe konnte das nur im Kollektiv entstehen. Dementsprechend ist Drangsal jetzt nicht mehr das Soloprojekt von Max Gruber, sondern eine richtige Band, zu der Lukas Korn und Marvin Holley gehören.

Dass Gruber ganz anders kann, zeigt er im Vorprogramm an der Seite von Stella Sommer: Die beiden sind Die Mausis, deren superniedliches Debütalbum „In einem blauen Mond“ (2024) zu den charmantesten Pop-Überraschungen der letzten Jahre zählt.

Heimathafen Neukölln

Karl-Marx-Str. 141, Sa 5.9., 20 Uhr, 39 Euro

3 The Dresden Dolls The Dresden Dolls Rücksturz in die Zwanziger: The Dresden Dolls.

© Pixie Vision Photography

Zu den universellen Sehnsuchtschiffren eines goldenen Gestern gehört die kurze Blütezeit der Weimarer Republik, deren Extravaganzen gerade im angelsächsischen Kulturraum auf Resonanz stoßen.

So haben sich Glamrocker wie Bryan Ferry oder Lou Reed vom Mythos der Goldenen Zwanziger und der zum Sündenbabel verklärten Metropole Berlin zu transgressivem Retro-Pop hinreißen lassen.

David Bowie und Iggy Pop sind dem Magnetismus Berlins sogar persönlich erlegen, wurden vor Ort aber eher von der Kaputtheit der Gegenwart als vom Abglanz der Vergangenheit zu bahnbrechenden Werken inspiriert.

Filme wie Bob Fosses „Cabaret“ (1972) oder 45 Jahre später die Fernsehserie „Babylon Berlin“ haben den Twenties-Kult ebenso befeuert wie die Popkultur-Phänomene Neoswing, Burlesque und Steampunk.

In das dekadente Endzeit-der-Weimarer-Republik-Szenario der international gefeierten TV-Serie „Babylon Berlin“ hätte ein Duo aus Boston gut gepasst, dessen Karriere bei Erscheinen der Serie 2017 schon wieder vorbei zu sein schien.

The Dresden Dolls sorgten in den frühen Nullerjahren mit einem Retropop-Entwurf für Furore, den sie, auch um ihn vom Gothic-Rock abzugrenzen, als „Brechtian Punk Cabaret“ bezeichneten.

Mit ihrer minimalistischen Duobesetzung ähnelten Amanda Palmer (Gesang und Piano) und Brian Viglione (Schlagzeug) typologisch den White Stripes, hoben allerdings mit Schminke, Strapsen und Gestik den theatralischen Gesamtkunstcharakter hervor.

Das Debüt mit der frivolen Sexhymne „Coin-Operated Boy“ machte The Dresden Dolls 2003 zu Szenestars, was nicht zuletzt an Amanda Palmer lag, die die Rolle der Femme fatale zwischen Marlene Dietrich und PJ Harvey perfekt auszufüllen wusste.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Externen Inhalt anzeigen

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Schade, dass das zweite Album „Yes, Virginia …“ 2006 bereits das letzte werden sollte und die Dresden Dolls seither als On-Off-Versuchsanordnung funktionieren.

Das Weimar-Revival der Zehnerjahre haben sie somit verpasst. Aber dafür inszenieren sie nun ihr eigenes: 20 Jahre nach Erscheinen haben sie „Yes, Virginia …“ neu eingespielt und als „Yes, Virginia (Tailor’s Version)“ erneut veröffentlicht.

Das „Brechtian Punk Cabaret“ klingt knackiger und subtiler als je zuvor und erweist den mittlerweile ein Jahrhundert zurückliegenden „echten“ Twenties einen mitreißenden Respekt.

Huxleys Neue Welt

Hasenheide 107, Neukölln, Sa 5.9., 20 Uhr, ausverkauft, evtl. Restkarten

Queerspiegel: Der Newsletter für das queere Berlin

Die Queerspiegel-Redaktion informiert Euch über die wichtigsten LGBTI-Ereignisse, Menschen, Termine aus Politik, Kultur und Sport.

4 Buzzcocks Buzzcocks, Steve Diggle  Punk hält fit: Steve Diggle, 71, mit den Buzzcocks.

© IMAGO/Krisztian Elek

Die Buzzcocks waren in vielerlei Hinsicht der Gegenentwurf zu den Sex Pistols. Während die Pistols mit von Malcolm McLaren kuratiertem Mülltonnen-Look, rebellischer Attitüde zu Punk-Ikonen wurden, scherten sich die Buzzcocks einen Dreck ums Image.

Die Band aus Manchester setzte allein auf die Kraft von himmelstürmenden Powerpop-Songs wie „Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn’t’ve)“, mit dem sie 1978 ihren einzigen Top-20-Hit hatten.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Externen Inhalt anzeigen

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Seit dem Tod von Mastermind Pete Shelley 2018 ist Steve Diggle (Foto), der seit 1977 dabei ist, das dienstälteste Bandmitglied.

Lido

Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Sa 5.9., 20 Uhr, 50 Euro

5 Foy Vance Foy Vance Wolken ziehen vorüber: Foy Vance.

© Trinity/Promo

Das wolkenverhangene Klima seiner nordirischen Heimat scheint sich in den samtig-melodischen Folksongs von Foy Vance niederzuschlagen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Externen Inhalt anzeigen

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Doch auch die Musik des lichtdurchfluteten US-Südens hat der 51-Jährige quasi mit der Muttermilch aufgesogen, als die junge Familie mit seinem wanderpredigenden Vater dort umherzog.

Dessen plötzlicher Tod beschäftigt den spirituell angefassten Seelensänger bis heute. Auf dem jüngsten Album „The Wake“ beschwört Vance, dessen Karriere von Ed Sheeran gefördert wurde, in „Hi, I’m the Preacher’s Son“ auf sehr bewegende Weise die alten, nicht immer guten Zeiten.

Heimathafen Neukölln

Karl-Marx-Str. 141, So 6.9., 19 Uhr, 45 Euro

Mehr zu Konzerten und PopkulturThe Whitest Boy Alive in Potsdam Ein letzter Tanz mit den Nullerjahren Roland Kaiser singt in der Waldbühne Vielleicht kann die Liebe uns ja doch retten Kraftklub in der Berliner Wuhlheide Es ist alles schlimm, aber nie was verloren 6 Berliner Kurkonzert #2 Onom Agemo & the Disco Jumpers Hypnotische Klänge: Onom Agemo & the Disco Jumpers.

© Bandcamp/Promo

Nicht genug zu loben ist das zweite und für diesen Sommer letzte Sonntagnachmittagsprogramm der Berliner Kurkonzerte auf der Hofbühne direkt neben der (großen) Freilichtbühne Weißensee.

In lauschiger Atmosphäre singt der Popkoro Chor türkische Popmusik der Siebziger. Nach einem Intermezzo für jüngere Gäste ab 4 Jahren mit dem Tanztheater-Kollektiv Oopsala und seinem neuen Stück „Im Wal“ geht es weiter mit der Berliner Band Der Singende Tresen und ihrer Mischung aus Chanson, Punk und Jazz.

Euphorisierender Höhepunkt dürfte der Auftritt von Onom Agemo & The Disco Jumpers (Foto) werden, dem Bandprojekt des Saxofonisten Johannes Schleiermacher mit einem hypnotischen Amalgam aus Afrofunk, Jazz, Krautrock und Psychedelia.

Freilichtbühne Weißensee

Große Seestr. 10., So 6.9., 14 Uhr, Eintritt frei, Kurtaxe erbeten