Vieles kann der französische Präsident Emmanuel Macron in den letzten Monaten seiner Amtszeit bis Mai 2027 nicht mehr durchsetzen – für größere Projekte fehlt ihm die Mehrheit. Die Bildungspolitik gehört zu den wenigen Bereichen, in denen der 48-Jährige, der mit einer früheren Lehrerin verheiratet ist, noch etwas bewegen will. Und so startete am Dienstag das neue Schuljahr landesweit mit einer Neuerung, die ihm wichtig war: In sämtlichen Klassen, auch der Oberstufe, gilt fortan ein Handyverbot. Bislang betraf dies nur die Vor- und Grundschulen und die Collèges, also die Mittelstufe, nun also auch die Lycées, die Gymnasien.
Ausnahmen gelten, wenn schulische Einrichtungen eine spezielle Befreiung beantragen, etwa für pädagogische Zwecke, bei Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung oder im Fall von berufsvorbereitenden Zweigen. Ob Handys gar nicht erst mitgebracht werden dürfen oder in den Taschen bleiben müssen, entscheiden die Schulen jeweils selbst. Dasselbe gilt für die Kontrollen und mögliche Bestrafungen bei Missachtung.
Macron wollte auch ein Socia-Media-Verbot
„Eine Schule ohne Telefon bringt Ruhe für das Lernen zurück“, betonte Macron bei seinem Besuch einer Schule in Südfrankreich. 2024 hatte er eine Expertenkommission zu den Auswirkungen der Bildschirmnutzung auf Kinder und Jugendliche eingesetzt. Diese empfahl weniger Handys, Tablets und Computer, vor allem bei jüngeren Kindern. Im Vordergrund stehe der notwendige Schutz der Heranwachsenden, hieß es seitens der Regierung. Zugleich gehe es darum, dass sie einen „vernünftigen Umgang“ mit Bildschirmen und digitale Kompetenzen erlernen. Letztere sind Teil des Lehrplans.
Das nun in Kraft tretende Verbot von Smartphones für alle Schüler war Teil eines umfassenderen Gesetzes, das außerdem allen unter 15-Jährigen in Frankreich den Zugang zu Sozialen Medien verbieten und die großen Plattformen zwingen sollte, eine Altersverifizierung durchzuführen. Doch der Verfassungsrat kippte dies mit der Begründung, es handle sich um einen „unverhältnismäßigen Eingriff in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit“. Macron beauftragte die Regierung mit einer überarbeiteten Fassung bis März 2026, damit das Gesetz noch in Kraft treten kann, solange er im Amt ist. Frankreich wäre damit das erste EU-Land mit einer Altersbeschränkung für die Nutzung sozialer Medien.
Das Handyverbot ist nicht unumstritten
Auch das Handyverbot ist nicht unumstritten. Für viele Schulen, die erst kurz vor den Sommerferien informiert wurden, komme es zu kurzfristig, kritisierte der Generalsekretär der Lehrergewerkschaft SE-UNSA, Jérôme Fournier: „Wir brauchen kein Gesetz, das das Leben einer schulischen Einrichtung verkompliziert.“ Auch an der Umsetzung könnte es hapern. Das ergaben die Pilotprojekte in manchen Lehranstalten, darunter das Gymnasium Jean Monnet in Straßburg. „Es war sehr kompliziert, diese Regel anzuwenden“, berichtete Coline De Dadelsen, die dort unterrichtet. Die Lehrer müssten ständig die Gendarmen spielen, ohne selbst immer überzeugt von der Maßnahme zu sein. „Manche Kollegen denken, es wäre besser, mit den Schülern über ihre Handynutzung zu diskutieren, anstatt einfach ein Verbot durchzudrücken.“ Um nicht in einen ständigen Konflikt mit den Jugendlichen zu treten, zögen viele es vor, diese miteinzubeziehen und gemeinsame Regeln aufzustellen.
Bildungsminister Édouard Geffray hatte eingeräumt, dass die Durchsetzung des Verbots anfangs schwierig sein könnte. „Aber es gibt kein ernsthaftes Argument dafür, dass ein Telefon im Unterricht unerlässlich ist.“