Prozessauftakt im Strafverfahren um einen Angriff auf eine Zugbegleiterin: Am Mittwoch räumte der Angeklagte am Landgericht Nürnberg-Fürth die Vorwürfe im Wesentlichen ein.

Bei Ticketkontrolle gegen Hand von Zugbegleiterin getreten

Die Staatsanwaltschaft wirft dem arbeitslosen Mann vor, am 23. Februar 2025 in einem Zug von Bayreuth nach Nürnberg bei einer Fahrkartenkontrolle die Beherrschung verloren zu haben. Demnach habe er sich geweigert, zum Deutschlandticket seinen Personalausweis vorzuzeigen. Stattdessen habe er im Sitzen gegen die Hand der Zugbegleiterin getreten, in der sie ein Smartphone hielt. Dieses habe sie durch den Angriff ins Gesicht bekommen und sei dadurch verletzt worden, so die Staatsanwaltschaft.

Bahn will für mehr Sicherheit der Beschäftigten sorgen

Vor Gericht ist nun am Mittwoch eine Videoaufnahme des Vorfalls abgespielt worden. Auch schilderte die Zugbegleiterin die Situation und beschrieb ihre Verletzungen im Gesicht. Gewalttätige Angriffe auf Bahn-Beschäftigte sind keine Seltenheit. Für ganz Bayern meldet die Bundespolizei allein im ersten Halbjahr 239 Fälle, das ist eine Steigerung um fünf Prozent. Die Bahn hat nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz einen Maßnahmenkatalog beschlossen, um die Sicherheit der Beschäftigten zu erhöhen.

Konkret bedeutet das: mehr Sicherheitspersonal an Bahnhöfen, die Schutzausrüstung wird nachgebessert, unter anderem durch Bodycams, außerdem sollen mehr Hilferufknöpfe installiert werden. Seit März dürfen Zugbegleiter selbst entscheiden, ob sie bei einer Kontrolle den Ausweis verlangen oder nicht. Hier setzt die Bahn auf die Sicherheit des Zugpersonals, um Eskalationen zu vermeiden.

Staatsanwaltschaft: Angeklagter für Allgemeinheit gefährlich

Der Angeklagte ist psychisch krank und derzeit in einem Bezirkskrankenhaus untergebracht. Er leidet unter anderem an paranoider Schizophrenie. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er für die Allgemeinheit gefährlich ist und will erreichen, dass er dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht wird. Für den Prozess sind zwei Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll am 15. September verkündet werden.

Forderungen der Gewerkschaft

Martin Burkert, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), sagte am Mittwochabend in der Frankenschau aktuell, dass Fälle wie dieser sehr einfach verhindert werden könnten. Nämlich indem auf das Deutschlandticket oder auch die Bahncards jeweils Lichtbilder der Besitzer aufgedruckt werden. So müssten die Zugbegleiter nicht nach Ausweisdokumenten fragen. Denn genau das führe immer häufiger zu Konflikten.

Bei einer Umfrage unter 4.000 Bahnmitarbeitenden mit Kundenkontakt, so Burkert weiter, hatten 82 Prozent angegeben bereits Übergriffe erlebt zu haben, bei 61 Prozent waren es körperliche Übergriffe. Ein Drittel dieser Mitarbeitenden überlege deshalb, den Job niederzulegen. Die Gewerkschaft fordert deswegen unter anderem eine sogenannte Doppelbesetzung, also zwei Zugbegleiter kontrollieren gemeinsam die Mitfahrenden, und eine Strafverschärfung. Aber Burkert betonte auch, dass es wohl niemals eine 100-prozentige Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen geben werde.

Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der Angeklagte als „Angeschuldigter“ bezeichnet. Dies war nicht korrekt. Wir haben den Fehler korrigiert.