Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, Finanzbürgermeister Torsten Bonew und Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning präsentieren den aktuellen Haushalt.

AUDIO: Leipziger Haushaltsentwürfe für 2027 und 2028 jeweils nicht ausgeglichen (3 Min)

Kritik am Bund

von MDR SACHSEN

Stand: 02.09.2026 17:30 Uhr

Die Stadt Leipzig hat bei der Vorstellung des neuen Doppelhaushalts 2027/2028 ein düsteres Szenario gezeichnet. Durch die enorm gestiegenen Sozialausgaben würden die Städte „erdrosselt“ werden, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Sozialausgaben stiegen um 320 Millionen Euro

sozialausgaben seien der größte Ausgabenblock und in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Von 452 Millionen im Jahr 2020 auf 772 Millionen Euro im Jahr 2025, schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Jung dazu: „Unter den bestehenden Rahmenbedingungen werden wir unseren Haushalt nicht ausgleichen können, sondern machen neue Schulden. Wie alle deutschen Städte erdrosseln uns die Sozialausgaben, die der Bund uns aufbürdet, aber nicht bezahlt.“

Leipzig mahnt grundlegende Reformen im Bund an: Ohne die sei „eine strukturelle Gesundung der Kommunalfinanzen in Deutschland kaum realistisch“, schreibt die Kommune. Allerdings hat sie auch ein Minus von 190 Millionen Euro bei den Gewerbesteuer-Einnahmen zu verzeichnen.

Das Rathaus der Stadt Leipzig

Leipzig muss im kommenden Haushalt weitere Schulden aufnehmen.

Tiefrotes Minus von 332 Millionen Euro

Die Stadt erwartet jährliche Einnahmen von rund 2,9 Milliarden Euro. Die Ausgaben beziffert sie mit etwas über drei Milliarden Euro. Daraus ergebe sich ein Defiziit von 148,3 Millionen für das Jahr 2027. Noch mehr, insgesamt 183,7 Millionen Euro Minus, erwartet sie für das darauf folgende Jahr.

In diesem Jahr war es nach Angaben von Finanz-Bürgermeister Torsten Bonew (CDU) noch ein Plus von 40 Millionen Euro auf dem Konto der Stadt. In den kommenden beiden Jahren spare die Stadtverwaltung 202,4 Millionen Euro. Dennoch: Die Verschuldung steige auf nunmehr 2,7 Milliiarden Euro im Jahr 2028.

Burkhard Jung

Investitionen in Bildung und Infrastruktur

Trotz der „schwierigsten Rahmenbedinungen“ werde die Stadt weiterhin in Bildung und Infrastruktur investieren. Insgesamt sind für Investitionen jährlich mehr als 330 Millionen Euro vorgesehen.

Parallel zum neuen Doppelhaushalt erstellt die Rathaus-Spitze ein Haushaltsstrukturkonzept: Darin seien unter anderem weniger Ausgaben in der Flüchtlingsbetreuung vorgesehen. Die Digitalisierung biete mit der Einführung einer bundesweiten ID für digitale Verwaltungsaufgaben Einspar-Chancen. Eine neue Grundsteuer C und die geplante Anhebung der Elternbeiträge bei der Kinderbetreuung würden den Haushalt um sieben bzw. neun Millionen Euro entlasten.

Torsten Bonew, Erster Bürgermeister von Leipzig, steht in der RedBull Arena in Leipzig.

Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew zu den Krediten: „Haben die laufende Fahrt abgebremst.“

Finanzbürgermeister: Schwieriger Spagat

Finanzbürgermeister Bonew sagte: „Mit diesem Haushalt ist uns der schwierige Spagat gelungen: Einerseits die rasant anwachsende Verschuldung zu begrenzen und dennoch die Zukunft unserer Stadt im Blick behalten.“ Es sei „kein Sparhaushalt, sondern ein Konsolidierungshaushalt“. Man habe „keinen Rasenmäher“ angewendet. „Schmerzhafte Einsparungen“ gebe es dennoch. So fallen bei der Stadtverwaltung innerhalb der nächsten drei Jahre 443 Stellen weg.

Ausgenommen von den Einsparungen seien Maßnahmen bis 2031 von gesamtstädtischer Bedeutung: Dazu zählten der Umbau des Wilhelm-Leuschner-Platzes mit dem Einheitsdenkmal, das Naturkundemuseum, die Wärmeversorgung und die Olympiabewerbung als Teil von Berlin.

Blick auf den Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platz

Beim Wilhelm-Leuschner-Platz, auf dem ein Einheitsdenkmal entstehen soll, wird nicht gespart. Insgesamt vier Projekte wurden als „gesamtstädtisch bedeutend“ eingestuft.

Haushalt möglichst noch 2026

Die Verwaltung hofft, den Haushalt noch in diesem Jahr beschließen zu können, damit das Thema vor der Wahl zum Oberbürgermeister oder zur Oberbürgermeisterin durch ist und es im Wahlkampf keine Rolle spielt. Der Wahltermin ist der 21. Februar 2027.

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MDR (cke/sys)