Schleswig-Holstein

Bella S. aus Preetz wurde ertrunken im Pool im Garten ihres Elternhauses gefunden. Das autistische Mädchen wurde nur drei Jahre alt.
Polizei

Im Fall von Bella S. aus Preetz soll die Polizei nicht mehr davon ausgehen, dass die Dreijährige am Tag der Suche bereits ertrunken im Pool lag. Was ist passiert?

Bei der Suche nach der verschwundenen Bella S. aus Preetz wurde der Polizei vorgeworfen, die Leiche gleich zweimal im Pool der Familie übersehen zu haben.

Mittlerweile sind die Ermittler überzeugt: Die Dreijährige lag noch nicht ertrunken im Pool, als dort nach ihr gesucht wurde.

Die Kinderpuppe war am Grund nicht zu sehen

Im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags hatte die Leitende Kriminaldirektorin Sarah Lampe vom Führungsstab der Polizeidirektion Kiel den Ablauf der Suchaktion am Mittwoch, 5. August, dem Tag des Verschwindens, detailliert geschildert.

Der Pool im Garten hinter dem Haus ist in eine Terrasse eingelassen. Durchmesser vier Meter, Wassertiefe 80 Zentimeter. Er war zunächst von Beamten einer „Sichtkontrolle“ unterzogen worden. Lampe sagte dazu: „An der Wasseroberfläche gab es keine Bewegung, der Boden konnte wegen der starken Verschmutzung durch Algenwachstum nicht gesehen werden.“

Mit einer Puppe in Kindergröße stellten Beamte eine Woche später die Situation nach – zur gleichen Uhrzeit, bei ähnlichen Wetterverhältnissen. Nach Informationen unserer Redaktion soll die Puppe am Grund tatsächlich nicht zu sehen gewesen sein.

„Unwahrscheinlich“, dass Bella im Pool lag

Anders stellte sich die Situation jedoch am Abend dar. „Der Pool wurde mit dem 1,40 bis 1,50 Meter langen Kescher systematisch vom Rand beginnend bis in die Mitte und dann von links nach rechts abgesucht“, hatte Lampe den Abgeordneten erklärt. Und: Der Grund sei nun deutlich wahrnehmbar gewesen.

Zwei gelb-rot karierte Rettungsdienstfahrzeuge stehen auf einer Straße zwischen Wohnhäusern.

Donnerstag, 6. August: Der Rettungsdienst und ein Leichenwagen stehen vor dem Wohnhaus der Eltern.
Marcus Golejewski

Außerdem sei ein Feuerwehrmann in Wathosen den Pool „in kleiner werdenden Kreisen bis zur Mitte“ abgegangen. Und danach im Zickzack. Ohne auf das Kind zu stoßen.

Aus Ermittlerkreisen ist zu hören: „Wir halten es für unwahrscheinlich, dass das Mädchen zu diesem Zeitpunkt bereits im Pool gelegen hat.“

Welche Theorien die Kripo jetzt verfolgt

Die Fakten: Die Suche wurde gegen 2.50 Uhr in der Nacht abgebrochen, gegen 9.30 Uhr am Morgen entdeckten Polizisten Bellas Leiche treibend auf der Wasseroberfläche.

Nun verfolgt die Kripo zwei mögliche Theorien: Die kleine Bella könnte sich irgendwo in Haus und Garten versteckt haben und ist nach dem Ende der Suchaktion in den Pool gefallen.

Oder: Bella S. ist in der Nacht in den Pool gelegt worden.

Blumen, Plüschtiere und Grablichter bilden eine Gedenkstelle vor einer Backsteinwand.

Stille Anteilnahme in Preetz: Vor dem Haus der Familie legten Trauernde Stofftiere und Blumen ab, stellten Kerzen auf.
Carsten Neff

Die Fakten: Beamte waren um 12.45 Uhr auf dem Preetzer Markt auf die Mutter getroffen, die aufgelöst erklärt habe, ihre Tochter sei verschwunden. Sie könne bis zu drei Stunden laufen, sei aber räumlich und zeitlich nicht orientiert. Entsprechend groß wurde der Suchradius gewählt.

Festgestellt wurde dann aber, dass Mantrailer-Hunde der Polizeidirektion Eutin in drei Suchläufen keine Spur des Mädchens von der Haustür aus aufnehmen konnten.

Lampe betonte im Ausschuss: „Im weiteren Verlauf des Einsatzes wurden die Angaben, dass das Kind mobil sei, von anderen Angehörigen relativiert.“ Demnach sei das Mädchen schnell erschöpft, verstecke sich bei Lärm.

In der Nacht wurden Sandberge im Garten abgetragen

Auch diese Information fand Eingang in die Vorgehensweise: Um 14 Uhr wurden die Wohnung der Eltern im Erdgeschoss des Zweifamilienhauses und auch der Garten durchsucht.

In der Nacht wurde dann parallel zur Kontrolle des Pools noch einmal im Garten nach Bella gesucht – mit einer Wärmebildkamera. Mehrere Sandberge dort, die frisch aufgehäuft wirkten, wurden abgetragen. Auch die obere Wohnung der Nachbarn wurde auf freiwilliger Basis kontrolliert.

Garten ist umgeben von Mauern und Hecken

Nun steht für die Ermittler die Frage im Raum, wie wahrscheinlich es ist, dass sich die kleine Bella trotzdem im Haus oder Garten versteckt gehalten haben könnte.

Wichtig zu wissen: Der Garten ist umgeben von Mauern und dichten Hecken, kann von Nachbargrundstücken aus nicht betreten werden. Wenn es kein Versteck gegeben hat, müsste das seh- und höreingeschränkte Mädchen, das als schwerbehindert galt, mitten in der Nacht durch die Haustür an der Straße und dann durchs Treppenhaus in den Garten gelaufen und in den Pool gefallen sein.

Wurde Bella in der Nacht in den Pool gelegt?

Auszuschließen ist das nicht, doch die Kripo soll die Theorie favorisieren, eine noch unbekannte Person könnte Bella in den Pool gelegt haben, entweder bereits ertrunken oder noch lebend.

Die Fakten: Nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion ist Bella ertrunken. Nach Informationen unserer Redaktion soll nur minimal Wasser in der Lunge gewesen sein. Laut Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise auf ein vorangegangenes Gewaltverbrechen.

Ermittlungsverfahren ermöglicht Auswertung von Chats

Die Kieler Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen die Eltern eingeleitet. Wegen möglicher Verstöße gegen die Aufsichtspflicht wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen ermittelt. Das ermöglicht es der Kripo, Chatnachrichten und Standortdaten der Handys der Eltern auszuwerten.

Als wichtiger Schlüssel zur Klärung des Falls gilt der Todeszeitpunkt. Derzeit geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Bella S. beim Auffinden bereits mehrere Stunden tot gewesen ist. Eine genauere Schätzung ist in Auftrag gegeben worden.

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Starb Bella weit vor Mitternacht, wie zunächst von der Polizei mitgeteilt und später korrigiert, lag zu diesem Zeitpunkt aber nicht im Pool, muss sie woanders ertrunken sein. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)