• In Bremen-Nord besteht laut Sportsenatorin Eva Högl (SPD) großer Sanierungsbedarf, besonders beim Freizeitbad Vegesack; ein moderner Ersatzneubau hat „absolute Priorität“.
  • Das Hansewasser-Bad wird zum 30. September geschlossen und an SV Werder Bremen verkauft. Kritik gab es wegen ungeklärter Folgefragen für Vereine und Verbände.
  • BBG plant breitere wirtschaftliche Ausrichtung, etwa durch Kursangebote und Wellnessbereiche. Öffentliche Bäder bleiben Zuschussgeschäft; Zukunft der Infrastruktur weiter diskutiert.

Mehr anzeigen
Weniger anzeigen

Die Zukunft der Bremer Schwimmbäder stand in der Sportdeputation am Mittwoch erneut zur Diskussion. Dabei ging es nicht nur um den geplanten Verkauf des Hansewasser-Bads, sondern grundsätzlich um die Frage, wie tragfähig die Bremer Schwimmbadinfrastruktur in den kommenden Jahren noch ist – vor allem in Bremen-Nord.

Besonders groß ist der Handlungsdruck nach Angaben von Sportsenatorin Eva Högl (SPD) beim Freizeitbad Vegesack. Dort bestehe der größte Sanierungs- und Erweiterungsbedarf – ein Ersatzneubau als modernes Freizeit- und Familienbad soll nun entstehen. Högl sprach dabei von „absoluter Priorität“. Grünen-Politikerin Maike Schäfer verlieh dem Nachdruck, indem sie erklärte: „Das Westbad ist für uns in Bremen-Nord keine Alternative.“

Viel zu tun im Norden

Neben dem Neubau in Vegesack nannte das Ressort weitere Baustellen im Norden: den Erhalt und Ausbau des Bades Blumenthal sowie das Badprojekt in der ehemaligen Fliegerhalle, für das laut Högl zeitnah Gespräche in Berlin über mögliche Bundesmittel geführt werden sollen. Bevorzugt werde dabei eine Lösung unter dem Dach der Bremer Bäder GmbH (BBG).

BBG-Geschäftsführer Daniel van Ballegoy warb in der Deputation dafür, den Bedarf nicht allein in Quadratmetern Wasserfläche zu messen. Entscheidend sei auch die Qualität der Angebote. Als Beispiel nannte er das Westbad, das mit unterschiedlichen Becken und Hubböden auf eine bessere Nutzung ausgelegt sei. Sein Ansatz: eher Qualität als bloße Quantität.

Beim Schulschwimmen sei Bremen grundsätzlich weiter gut aufgestellt. Van Ballegoy betonte, jede Schulklasse habe 45 Minuten Wasserzeit – unabhängig vom Anfahrtsweg. Im bundesweiten Vergleich sei man damit „vorne mit dabei“. Laut Senatsvorlage gibt es ein zu 100 Prozent flächendeckendes Angebot für Grundschulen, auch die Jahrgänge fünf und sechs würden weitgehend erreicht.

Werder kauft Hansewasser-Bad

Ein weiterer Punkt der Sitzung war das Hansewasser-Bad. Das bislang von Schulen und Vereinen genutzte Bad wird zum 30. September schließen. Hintergrund ist der geplante Verkauf an den SV Werder Bremen. Der Kaufpreis liegt nach Informationen unserer Deichstube bei 500.000 Euro brutto, netto bei gut 420.000 Euro. 378.000 Euro entfallen auf Gebäude und Grundstück, weitere 50.000 Euro auf ein zehnjähriges Nutzungsrecht außerhalb der Freibadsaison.

Kritisiert wurde in der Deputation, dass für Vereine und Verbände, die das Hansewasser-Bad bisher genutzt haben, noch nicht alle Folgefragen gelöst seien. Marco Lübke (CDU) sagte: „Es ist legitim, ein Bad zu schließen. Dann muss man für Ersatz sorgen.“ Das sei seiner Ansicht nach nicht geschehen. Eva Quante-Brandt, Präsidentin des Landessportbunds, forderte mehr Zeit für praktikable Alternativen. Laut BBG-Chef sind aber mit dem Landesschwimmverband Anschlussangebote abgesprochen worden: „Meines Erachtens haben wir Lösungen gefunden.“

Zugleich arbeitet die BBG daran, ihre Bäder wirtschaftlich breiter aufzustellen. Diskutiert wurden dabei mehr Kursangebote, Digitalisierung, eine bessere Auslastungssteuerung sowie ergänzende Angebote wie Gastronomie, Sauna und Wellness. Gerade in Vegesack sieht die BBG Entwicklungspotenzial. Van Ballegoy stellte dort einen größeren Bereich „in Richtung Sauna, Therme“ in Aussicht, der Leuchtturmcharakter für den Bremer Norden entwickeln könne und zusätzliche Einnahmen bringen soll. Zugleich machte die BBG deutlich, dass sich solche Konzepte nur rechnen, wenn sie eine gewisse Größe erreichen. Klar ist aber auch: Öffentliche Bäder bleiben ein Zuschussgeschäft – und die Debatte über ihre Zukunft dürfte Bremen weiter beschäftigen.

Zur Startseite