Wer schon mal bei einem Büdchen war, weiß, dass die Auswahl ganz schön groß sein kann. Getränke, Zeitschriften, Zigaretten oder Süßes – all das kann dort auf schnellem Weg gekauft werden. Um die Kultur und Gemeinschaft zu feiern, die rund um die Büdchen entsteht, wird am kommenden Wochenende wieder der Düsseldorfer Büdchentag veranstaltet. Auf eine ganz andere Art und Weise haben sich Birgit Mathias und Eva-Maria Seeberger mit Büdchen beschäftigt. Bei den beiden Freundinnen geht das weit über einen Tag hinaus, denn sie haben klassische Kioske in Miniaturform gebaut, im Maßstab 1:12. Damit alle Größen realitätsgetreu passen, muss also ganz schön viel gerechnet werden.
Wie alles, was die beiden Miniaturisten bauen, sind die Büdchen mit viel Liebe zum Detail entstanden. Es liegen kleine Zeitungen aus, Getränkedosen gängiger Marken stehen im Fenster, ein Rheinbahnticket kann erworben werden und eine große Auswahl an Süßigkeiten ist verfügbar. Das alles aber eben in kleiner Größe. So, wie Birgit Mathias das Gebäude konstruiert hat, kann man sogar die Verkaufsfenster öffnen. „Wenn man bei null anfängt, also den Rohbau baut und die vielen Details im Inneren macht, ist man mindestens vier Tage beschäftigt“, ergänzt Eva-Maria Seeberger. Die Miniaturisten wissen, dass man so ein Projekt nicht schnell abschließen kann, sondern immer mehr Ideen hinzukommen.
Ein weiteres Projekt präsentiert Mathias stolz auf einer Fensterbank ihres Hauses. Es ist ein Wochenmarkt mit Brötchen und Baguettes, einem Bücherwagen, Obst und Gemüse, einem Käsestand, einer Bank und einem Blumenstand. Dieser Markt sei mit der Zeit immer weiter gewachsen, ähnlich steht er auch in Seebergers Zuhause. Bei der Umsetzung sind sie völlig frei, auch wenn das Projekt ähnlich ist. Das Oberthema ist dann der Wochenmarkt, wie sie das umsetzen, entscheiden sie jeweils selbst. Im Winter wird die Deko getauscht: „Dann stellen wir den Weihnachtsmarkt raus“, erzählen die Freundinnen.
Was 1997 als Hobby begann, ist mittlerweile, seit die beiden in Rente sind, viel mehr als das. Sie treffen sich zum Basteln, tauschen sich aus, entwickeln zusammen Ideen und führen Workshops und sogar ganze Miniatur-Wochenenden durch. Heute beschreiben sie sich als beste Freundinnen und verbringen viel Zeit miteinander, machen gemeinsam Urlaub und feiern Familienanlässe zusammen. Kennengelernt haben sie sich allerdings ursprünglich nicht beim Erstellen von Miniaturen, sondern beim Bauen von Puppenhäusern. Seeberger lud damals andere Düsseldorferinnen ein, die wie sie Spaß daran hatten. Eine von ihnen war Mathias und darüber lernten sie sich kennen und freundeten sich an. Bei einem Ausflug nach England lernten sie das Konzept der Bastelgruppen für Miniaturen kennen und beschlossen, ebenfalls eine solche Gruppe ins Leben zu rufen.
Bastelgruppe verbindet Miniaturisten seit Jahren
So gründeten die Freundinnen 2009 eine Bastelgruppe für Miniaturisten, die sich seitdem jeden zweiten Monat trifft – und im Juli zum 100. Mal stattfand. Insgesamt elf Menschen mit dem gleichen Hobby treffen sich dort regelmäßig, tauschen sich aus und geben sich gegenseitig Tipps. Das Hobby habe außerdem geholfen, neue handwerkliche Fertigkeiten zu erlernen, die im Kleinen und im Großen genutzt werden können. Derzeit arbeiten die beiden parallel an einem 50er-Jahre-Haus, das sie unterschiedlich einrichten und mit ihren eigenen Erinnerungen füllen. „Das Wichtigste ist, eine Geschichte mit der Miniatur-Szene zu erzählen und das authentisch zu zeigen“, sagt Mathias.
Bevor sie in Rente gingen, arbeiteten Birgit Mathias als Juristin und Eva-Maria Seeberger als Logistikleiterin. So sei damals deutlich weniger Zeit für das Hobby gewesen, seit ihrer Rente basteln, malen und bauen die Freundinnen deutlich mehr. Unter anderem haben sie ein Miniaturisten-Wochenende ins Leben gerufen, an dem verschiedene Workshops veranstaltet werden. Zu dem Wochenende im Oktober kommen in diesem Jahr auch Miniatur-Fans aus Dänemark, der Schweiz und den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands.
Aber zurück zu den Büdchen. Erst vor wenigen Wochen haben sie ihre Anleitung an eine Freundin gegeben, die nun auch einen Kiosk in Miniaturform zu Hause stehen hat. Nicht alle Varianten sind gleich, manche wurden auch mit einem Kühlschrank oder als Strandkiosk erweitert. Wer an diesem Wochenende lieber normalgroße statt besonders kleine Büdchen sehen möchte, hat dazu stadtweit die Möglichkeit. Zum zehnten Geburtstag des Büdchentages, der 2016 seine Premiere feierte, ist einiges geplant. In diesem Jahr wird unter dem Motto „All City“ gefeiert, rund 70 Büdchen im Stadtgebiet sind dabei und haben sich besondere Aktionen für den 5. September überlegt. In diesem Jahr werden wieder zahlreiche Büdchenbetreiber, DJ-Kollektive, Bands, Künstler, Institutionen und lokale Initiativen dabei sein. Und wer die Büdchen in sein eigenes Zuhause bringen möchte, kann sich sicherlich einige Tipps bei Birgit Mathias und Eva-Maria Seeberger abholen.