Festnahme in Spanien

Frankfurter Justiz wartet auf „meistgesuchten“ Drogendealer

Aktualisiert am 02.09.2026 – 18:47 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Verdächtige wird abgeführt: Er soll alle zwei Wochen seine Telefonnummer und alle drei Monate seine Identität gewechselt haben.Vergrößern des Bildes

Der Verdächtige wird von der spanischen Polizei abgeführt: Die Ermittler sind ihm durch geknackte Kryptochats auf die Spur gekommen. (Quelle: Policía Nacional)

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Ein gesuchter Drogenschmuggler sitzt in Haft. Nun zeigen Recherchen, wie die Fahnder dem 38-Jährigen nach jahrelanger Flucht auf die Spur kamen.

Es klang spektakulär, was Spaniens Behörden am Dienstag (1. September) verkündeten: Deutschlands meistgesuchter Drogenschmuggler sei gefasst, von einem Top-Drogenboss war in verschiedenen Medien und auch bei t-online die Rede. Nun bringt eine t-online-Recherche Details in dem Fall ans Licht. Der 38-Jährige war in Frankfurt aus gleich zwei Gründen gesucht worden, sagte Oberstaatsanwalt Benjamin Krause von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) auf t-online-Anfrage.

Einerseits sollte der Deutsch-Afghane längst im Gefängnis sitzen. Er hatte sich 2023 nach einer Verurteilung wegen Drogenhandels abgesetzt. Er war vom Landgericht Frankfurt zu sieben Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden, aber verschwunden, als er Ende 2023 seine Haft antreten sollte. Andererseits gibt es neue Vorwürfe aus entschlüsselten Chat-Nachrichten.

So soll er von Juni bis August 2020 als Teil einer Bande mindestens 800 Kilogramm Cannabis aus Spanien nach Deutschland geschmuggelt und damit gehandelt haben. Der früher im Rhein-Main-Gebiet lebende Mann soll der Verantwortliche in Spanien gewesen sein. Deshalb folgten im Oktober 2024 ein Untersuchungshaftbefehl und ein europäischer Haftbefehl. „Danach wurde nach dem Flüchtigen intensiv und mit hohem Aufwand international gefahndet“, so Krause zu t-online.

Ermittler nehmen Mann nach Beschattung fest

Der Mann soll zwar in großem Stil Drogenschmuggel organisiert haben. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass er der Kopf der Drogenbande sei, sagte Krause. Die Ermittlungen hatten die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das BKA geführt.

Spanische Ermittler machten schließlich seinen Bruder ausfindig und beschatteten ihn mehrere Tage lang an verschiedenen Orten. In Málaga beobachteten sie, wie der Gesuchte als Beifahrer im Auto seines Bruders saß – daraufhin griffen die Beamten zu.

Verschlüsselte Chats geknackt

Der 38-Jährige soll über sogenannte Krypto-Handys den Drogenankauf und den Transport organisiert haben. Nach Angaben der spanischen Behörden unterhielt die Organisation in Spanien ein Lager. Von dort sollen die Drogen per Lastwagen über Frankreich nach Deutschland gebracht worden sein.

imago images 0369730403Vergrößern des BildesKryptohandy von Encrochat (Symbolbild): Ermittlungsaktionen gegen die verschlüsselten Kommunikationsdienste führten zu zahlreichen Festnahmen. (Quelle: IMAGO/Jaap Arriens/imago)

Dass er jetzt festgenommen wurde, geht auf die Ergebnisse umfangreicher digitaler Ermittlungen zurück: Der Festgenommene nutzte den Kryptohandy-Dienst SkyECC, der 2021 von europäischen Ermittlern unterwandert und abgehört worden war. Aus den Daten ergab sich nach Angaben der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft der dringende Verdacht, dass der Mann den Ankauf der Drogen und deren Transport nach Deutschland organisiert hatte.

Behörden beschlagnahmen fünf Millionen Euro

Es war der zweite Kryptomessenger, der ihm mutmaßlich zum Verhängnis wurde. Auf SkyECC war er im Juni 2020 umgestiegen, nachdem der Dienst Encrochat den Betrieb eingestellt hatte. Damals hatte international Schlagzeilen gemacht, dass es französischen Ermittlern gelungen war, Encrochat zu infiltrieren und die Nachrichten dort unverschlüsselt aufzuzeichnen. Über Europol wurden die Daten geteilt.