Die Punkte führen wiederum zu einer darüber hängenden Plastiktüte mit Punkten, die mutmaßlich vom früheren Kölner Supermarkt Unkelbach stammt. Die Tüte diente einem von der Künstlerin gestalteten Plattencover inklusive LP und Textheft als Schutzhülle. „Die ungewöhnliche Platte mit dem Kunstwerk als Hülle habe ich vor vielen Jahren in einem Heft des Kölner Musikmagazins Spex entdeckt und habe sie mir sofort mit einer Postkarte bestellt. Ich war damals ziemlich aufgeregt, ein solches Kunstwerk wiederum mit der Post zugestellt zu bekommen. Dabei hatte die LP mit dem Artwork von Cosima von Bonin eine ziemlich hohe Auflage, wie ich später erfahren habe“, berichtet Baldischwyler, der auch die Textseite aus der Spex zum Teil seiner raumgreifenden Installation gemacht hat, die speziell auf den Ausstellungsraum der Artothek abgestimmt ist.
Von der Existenz von Artotheken, die Kunst an ihre Kundinnen und Kunden verleihen, hat der Künstler wiederum über sein Interesse für Sigmar Polke erfahren, der wie er die Hinterglasmalerei als Teil seines künstlerischen Ausdrucks verstand. Zunächst entdeckt Baldischwyler die Kunstleihe in Bremen und später dann das ganze Netzwerk der Artotheken. So wird er in der Kölner Artothek bei der Aufnahme von Cosima von Bonin fündig.
Ihren Ursprung hatten die Artotheken im „Graphic Boom“ der 1960er und 1970er Jahre in den USA. Damals vervielfachten sich Editionen, Druckwerkstätten und neue Vertriebswege für die Kunst. Editionen waren dabei auch ein ökonomischer Faktor für Künstler und Kunstsammler. Kunst wurde erschwinglicher, konnte breiter zirkulieren und so neue Käuferinnen und Käufer erreichen. In diesem Umfeld entstanden in dieser Zeit in der Bundesrepublik die ersten Artotheken, die dafür sorgten, dass Kunstwerke zirkulieren konnten, ohne dass ihre Besitzer wechselten.
Mit dem Titel seiner Ausstellung greift Baldischwyler eben die Grundlagen auf. Im Wort „Coloan“ steckt sowohl „Cologne“ als auch der englische Begriff „loan“, der so viel wie Kredit, Darlehen oder auch Leihgabe bedeutet. Von dieser Basis aus überlegt sich der Künstler auch, was „Besitz“ und „Leihen“ heute im digitalen Zeitalter überhaupt noch bedeuten, wenn Kulturgüter wie Musik auf digitalen Plattformen geteilt und vertrieben werden und so „nur“ noch als Datei zirkulieren.
Der Blick des in Lage/Lippe geborenen Künstlers fällt auch ganz bewusst auf Köln. „Köln war damals für mich mit Blick aus Bielefeld die Kultur- und Kunststadt“, sagt der 1974 geborene Baldischwyler, der später in Hamburg studiert hat. So finden sich aus dem Bestand der Artothek auch Werke von Bernhard Schultze und seiner Frau Ursula Schultze-Bluhm. Dazu gesellen sich Arbeiten und Fotografien von Otto Piene und dem von ihm entworfenen Brunnen im Mediapark.
„Es stellt sich auch die Frage, wie ich meine Assoziationskette mit den Werken aus der Kunstleihe Bremen sowie aus der Artothek Köln und meinen eigenen Arbeiten und Werke aus meinem Besitz mit dem Besucher teilen kann. Ich denke, man sollte da dem Betrachter auch die Freiheit lassen, eigene Verbindungen zwischen den Exponaten zu finden.“