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Hamburg – Dass Migranten aus Platzmangel in Hotels beherbergt werden müssen, war vor allem auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise keine Seltenheit. Jetzt geht die Stadt Hamburg trotz rückläufiger Asylbewerberzahlen einen noch umstritteneren Weg: Für 340 Ukrainer hat sie ausgerechnet ein nagelneues Designer-Hotel angemietet, das erst im Mai eröffnet wurde.

Seit Dienstag können Gäste das Hotel „The Niu Quay“ in Hamburg-Harburg nicht mehr buchen. Das Gebäude ist vom 1. September bis 31. Dezember ausschließlich für Flüchtlinge reserviert. Die meisten Bewohner dürften sogar erst im Sommer wieder ausziehen, da die Belegung bis Juni 2027 nur schrittweise zurückgefahren werden soll.

Das Hotel bietet 146 Zimmer und 20 Apartments, in die statt Gäste nun Flüchtlinge einziehen

Das Hotel bietet 146 Zimmer und 20 Apartments, in die statt Gäste nun Flüchtlinge einziehen

Foto: NOVUM Hospitality

Das Hotel galt als wichtiger Baustein für die touristische Entwicklung des Harburger Binnenhafens. Rund um den Standort wurden rund 60 Millionen Euro investiert. Besonders deutlich wird Investor Ingo Mönke. Er hatte das Grundstück einst für den Hotelbau verkauft. „Das Konzept aus Hotel und Gastronomie griff ineinander. Und jetzt zerstört es einer – und der Steuerzahler zahlt das“, schimpft er gegenüber WELT (gehört wie BILD zu Axel-Springer).

Konkrete Kosten verrät die Stadt nicht

Ärger machen auch die Kosten. Laut Sozialbehörde lag der Durchschnittspreis für Hotelunterbringungen im Bereich Migration 2025 bei 82 Euro pro Person und Tag inklusive Verpflegung. Momentan kostet ein Standardzimmer mit Doppelbett im „Niu Quay“-Hotel jedoch 124 Euro. Viele Lokalpolitiker gehen deshalb davon aus, dass die Unterbringung im neuen Hotel deutlich teurer ist als bisher. Konkrete Zahlen verrät die Stadt nicht.

Der Frühstücksraum des „Niu Quay“-Hotels

Der Frühstücksraum des „Niu Quay“-Hotels

Foto: NOVUM Hospitality

FDP-Fraktionschef Dirk Kannengießer kritisiert einen Widerspruch in der Hamburger Flüchtlingspolitik: Einerseits kündige der Senat an, die teure Hotelunterbringung reduzieren zu wollen, andererseits werde nun ein neu eröffnetes Hotel praktisch vollständig belegt. Laut CDU-Fraktionschef Rainer Bliefernicht fühlen sich viele Harburger vor den Kopf gestoßen.

11.000 Flüchtlinge in Hotels oder Pensionen

Die Sozialbehörde argumentiert mit Platzmangel. Die öffentlich-rechtliche Unterbringung sei derzeit mit 103 Prozent ausgelastet. Gleichzeitig werden bis 2027 mehrere große Standorte mit insgesamt über 1600 Plätzen geschlossen. Deshalb brauche Hamburg kurzfristig Ersatz.

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Hintergrund: Bundesweit lebten laut BILD-Umfrage bei den Metropolen im Jahr 2025 mindestens 11.000 Flüchtlinge in Hotels oder Pensionen. Ende Juni 2025 waren es allein in Hamburg 5303 – verteilt auf 55 Standorte. Kosten im vergangenen Jahr: 164 Millionen Euro.

Darunter war auch das Vier-Sterne-Haus „Hotel International Hamburg“, in dem knapp 500 Flüchtlinge wohnten, die meisten davon Ukrainer. Auch Berlin, Köln, Düsseldorf, München und Frankfurt geben Millionen aus. Andere Städte wie Dortmund, Potsdam, Bremen, Chemnitz, Dresden oder Rostock verzichten auf Hotels.