Es klingt unglaublich, aber wahr: Nina Brattig aus Solingen hat sieben eigene Kinder, aber damit nicht genug. Zusammen mit ihrem Mann Torben hat sie in den letzten Jahren insgesamt rund 60 Pflegekinder großgezogen. „Ich wollte immer viele Kinder, mein Mann behauptet immer noch, das hätte ich ihm erst nach der Hochzeit gesagt. Ich hab mit 15 schon gesagt, entweder ich kriege viele Kinder oder ich gehe ins SOS Kinderdorf“. Brattig selbst ist mit zwei Geschwistern groß geworden. Viel zu wenig, wie die 60-Jährige auch heute noch sagt. Schon als Jugendliche hat sie deshalb Praktika in Kindergärten absolviert oder Babysitting-Jobs übernommen.

Sieben Kinder in zehn Jahren

Mit 26 Jahren bringt Nina Brattig das erste leibliche Kind auf die Welt, zehn Jahre später sind es dann sieben. Für viele Familien wäre das eine große Herausforderung, nicht aber für die Brattigs und da sind sie sich einig. Tochter Larissa, die heute inzwischen 31 Jahre alt ist, erinnert sich gern an ihre Kindheit. Besonders an die gemeinsamen Urlaube: „Wir hatten halt nen VW-Bus, da passen ja schon neun Leute rein, da kümmert sich jeder um jeden. Und wenn man ankommt, dann geht Mama mit mindestens einem Helfer einkaufen – auf jeden Fall mit zwei Einkaufswagen.“

Großfamilie über Generationen?

Tochter Larissa ist das zweite der sieben Brattig-Kinder und hat inzwischen auch zwei eigene. Das Großfamilie-Modell ihrer Eltern kann sie sich persönlich aber nicht vorstellen:

„Wir waren ne Zeitlang alle auf derselben Schule, man dreht sich um, einer ist immer da.“
Larissa Brattig

Nach dem siebten Kind war für Mutter Nina aber noch lange nicht Schluss. Denn das Leben, das sie ihren eigenen Kindern ermöglichte, dass wollte sie auch anderen Kindern schenken. Kindern, die es bei ihren leiblichen Eltern nicht so gut haben. Schon nach der Geburt ihres ersten Sohnes, meldete sie sich zusammen mit ihrem Mann für die Bereitschaftspflege, also für die kurzfristige Aufnahme von vernachlässigten Kindern. „Wir hatten einmal zwei Kinder, die haben so unfassbar gestunken, die haben wir 14 Tage täglich gebadet und frisch angezogen und die haben danach immer noch gestunken – nach Urin, Müll, Schimmel, etc.“, so Nina Brattig weiter.

Zu wenig Bereitschaftspflege

Eigentlich sollen Kinder bei einer Bereitschaftspflegefamilie maximal ein halbes Jahr bleiben. Weil es davon aber viel zu wenige gibt, werden auch schnell mal zwei bis drei Jahre daraus. Nina Brattig hat versucht, das Beste für jedes Kind zu tun und einen Alltag herzustellen – mit viel Liebe und Verlässlichkeit: „Natürlich geht einem das nah, diese vielen Kinder mit den blauen Flecken, das kriegen sie nicht ganz weggeschoben. Das ist ja immer präsent.“

Inzwischen haben Nina und Torben Brattig sieben Enkel. Ihre Türen stehen für Pflegekinder aber noch immer offen. Aktuell leben drei Mädchen bei ihnen. Ihre Mütter haben in den Schwangerschaft getrunken. Die kleinste der drei Mädchen kommt jetzt in die Schule, eine Förderschule.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
  • Interview mit der Familie Brattig

Sendung: WDR.de, Missbraucht und verwahrlost – dagegen hilft ganz viel Familie, 02.09.2026, 17:05 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 02.09.2026, 19:30 Uhr