
AUDIO: MDR AKTUELL – MISI-Vorstand Markus Kurczyk warnt vor Gefährdung von möglicher Ansiedlung (6 Min)
Covenant in Leipzig?
Stand: 03.09.2026 00:37 Uhr
Die US-Rüstungsfirma Covenant plant möglicherweise, im Norden von Leipzig bald Marschflugkörper für die Bundeswehr zu produzieren. Details sind kaum bekannt: Das Unternehmen erklärte, sich erst in zwei Wochen zu äußern. Leipzigs Oberbürgermeister Jung sagte im Stadtrat, dass keine offizielle Bewerbung vorliege. Das Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie warnte vor verfrühten Diskussionen darüber.

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Das Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie (MISI) warnt, die mögliche Ansiedlung eines US-Rüstungsherstellers nahe dem Flughafen Leipzig/Halle zu gefährden. Der MISI-Vorstandsvorsitzende Markus Kurczyk sagte MDR AKTUELL, vorläufige Geheimhaltung sei bei solchen Projekten normal. Nähe und Anbindung zum Flughafen wären nach Ansicht des Generalmajors a.D. der Bundeswehr aber vorteilhaft. Kein anderes Industriegebiet lasse sich besser schützen.
Entweder haben wir jetzt den Knall verstanden und nehmen die Zeitenwende ernst oder wir fangen noch mal ganz von vorn an.
MISI-Vorstand Markus Kurczyk
Zu möglichem Widerstand sagte Kurczyk, es sei schwer vermittelbar, „dass wir auf der einen Seite dringend amerikanische Marschflugkörper haben wollen“, aber keine Produktion hier: „Entweder haben wir jetzt den Knall verstanden und nehmen die Zeitenwende ernst oder wir fangen noch mal ganz von vorn an.“ Kurczyk sagte auch, es sei zu früh für solche Debatten: „Wenn denn das Unternehmen abschließend sich entscheidet für einen Standort, dann kann man immer noch diskutieren“. Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das Kurczyk zufolge noch „nicht angemessen“.
Er gehe auch nicht davon aus, ergänzte der MISI-Chef, dass man im Stadtgebiet „über Explosivmittel und Zünder und Raketen nachdenkt“. Im Fall einer Ansiedlung ginge es hier nach seinen Worten wahrscheinlich nur um den Flugkörper.
Nur wenige Details sind bisher bekannt
Dass das Rüstungsunternehmen Covenant in oder in der Nähe von Leipzig eine Produktionsstätte für Marschflugkörper bauen könnte, hatten auch Recherchen von MDR AKTUELL diese Woche gezeigt. Über die mögliche Ansiedelung hatte Ende der vergangenen Woche zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Covenant ist ein US-amerikanisches Rüstungs-Startup mit einem Ableger in Frankfurt am Main. Seit Mai dieses Jahres ist das Unternehmen im Lobbyregister des Deutschen Bundestags eingetragen.
Auch Oberbürgermeister hält sich bedeckt
Mehrere Stellen, die mit dem Vorhaben in Verbindung stehen könnten, äußerten sich bislang nicht näher oder verwiesen auf einen späteren Zeitpunkt. Dazu gehören das Bundesverteidigungsministerium und bislang auch die Stadt Leipzig.
Allerdings sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung am Mittwoch im Stadtrat, es gebe derzeit keine offizielle Bewerbung für die Ansiedlung eines Rüstungsbetriebs. Ein Unternehmen habe sich lediglich nach einer Halle für Montagen erkundigt. Von Arbeiten mit Sprengstoff wisse die Stadt nichts, sagte der SPD-Politiker.

Stichwort: Covenant Industries
Das Unternehmen Covenant wurde 2024 gegründet. Es hat die „Anthem Cruise Missile“ entwickelt, die kostengünstiger sein soll als vergleichbare Marschflugkörper. US-Medien zufolge wurde sie am 6. August in Marokko getestet. Dabei sollen auch deutsche Beobachter gewesen sein. Hinter Covenant steht der US-Investor Michael Kaufman, der zuvor für die Investment-Firma Thiel Capital tätig war. Covenant hat Gesellschaften und Aktivitäten auch in Israel, wo Medienberichten zufolge auch überwiegend die Entwicklungsarbeit stattfindet.
Nach dem unbestätigten Bericht der Nachrichtenagentur Reuters soll es um eine Jahresproduktion von bis zu 1.000 Stück und Auslieferungen schon ab 2027 gehen. Die Komponenten sollen überwiegend aus Deutschland und Europa kommen. Auch hieß es in dem Bericht, das Bundesverteidigungsministerium suche derzeit nach günstigen Marschflugkörpern in großer Stückzahl, auch weil die USA ihre ohnehin teureren „Tomahawk“-Marschflugkörper künftig nicht mehr liefern wollten.
Video:
Kommt das US-Rüstungsunternehmen Covenant nach Leipzig? (1 Min)
Noch im Jahr 2024 hatten die USA angekündigt, ab 2026 wieder konventionell bestückte Mittelstreckenwaffen, etwa „Tomahawk“ in Deutschland zu stationieren, wogegen hierzulande auch demonstriert wurde. Im Mai 2026 bestätigte dann Bundeskanzler Friedrich Merz aber Medienberichte, wonach die Stationierung nicht erfolgen werde – wegen begrenzter Bestände in den USA. Deshalb könnte nun die Bundesregierung nach Ersatz suchen, um eine Fähigkeitslücke zu schießen.

Taurus-Marschflugkörper bei einer Rüstungsmesse
Der bislang einzige weiter reichende Marschflugkörper der Luftwaffe, der Taurus KEPD 350, erreicht rund 500 Kilometer. Das in seinen technischen Details noch kaum bekannte Covenant-Produkt soll eine Reichweite von mehr als 1.500 Kilometern haben. Medienberichten zufolge könnte das Stück wenige hunderttausend Euro kosten, mögliche Abnahmen auch durch die Bundeswehr so jedoch Hunderte von Millionen, vermutlich aber eher Milliarden wert sein.
Die „Tomahawk“-Marschflugkörper von US-Hersteller Raytheon kosten zwischen 500.000 bis eine Million US-Dollar pro Stück, neuere Versionen aber eine bis mehr als zwei Millionen US-Dollar, also rund 860.000 bis mehr als 1,7 Millionen Euro.
Covenant unglücklich über Leak von Informationen
Covenant selbst veröffentlichte noch keine Informationen dazu. Auf Anfrage von MDR AKTUELL verwies das Unternehmen an eine Agentur, die in Deutschland die Pressearbeit übernommen habe. Daraufhin erklärte ein Mitarbeiter der Agentur dann MDR AKTUELL, Covenant sei unglücklich, dass Informationen über das Vorhaben schon öffentlich geworden seien. Auch seien nicht alle bisher gemachten Angaben korrekt. Man wolle sich erst in zwei Wochen zu Details äußern.
Standort vermutlich nahe dem Flughafen
Offen bleibt so neben einem Zeitplan für eine möglichen Ansiedlung, auch der womöglich ins Auge gefasste Standort. Vermutet wurde jedoch, dass dieser in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle liegen soll.
Auch die Staatskanzlei und das sächsische Wirtschaftsministerium wollten sich auf Anfrage von MDR AKTUELL nicht äußern, ebenso nicht die Wirtschaftsförderung. In einem gemeinsamen Statement hieß es nur: Grundsätzlich sehe man Ansiedlungen von Rüstungsbetrieben positiv, weil sie die Industrie nach voran bringen könnten und zugleich die deutsche Verteidigungsfähigkeit stärken.
Reuters, MDR AKTUELL (ksc)

