- Das etwa 40 Jahre alte Hochregallager von Kellogg’s auf der Überseeinsel wird derzeit abgerissen; der Abriss soll bis Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein.
- Die Immobilienentwickler planen mehrstöckige Wohnhäuser am Weserufer und verhandeln noch mit der Stadt über den genauen Bebauungsplan; das Gelände dahinter wurde für eine Schule angeboten.
- Für die 2024 gegründete Oberschule Überseestadt wird ein Standort gesucht; das ehemalige Kellogg’s-Gelände könnte inklusive Sporthalle und temporärer Containerklassenzimmer genutzt werden.
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Fast 40 Jahre lang war das Hochregallager des Cornflakes-Konzerns Kellogg’s eine weithin sichtbare Landmarke am Weserufer. Jetzt rücken die Abrissbagger der alten Lagerhalle zu Leibe. Bis Ende des Jahres soll sie dem Erdboden gleichgemacht werden und Platz für die Neubebauung der Überseeinsel schaffen. Wie genau die aussieht, ist allerdings noch unklar.
Der knallrote KMC 1000P nähert sich dem Abrissobjekt wie ein Tyrannosaurus seiner Beute. Am Ende seines langen Auslegers schwenkt der über 100 Tonnen schwere Bagger eine Hydraulikschere hin und her – ähnlich dem Kopf eines T-Rex, der sein Opfer neugierig aus allen Richtungen betrachtet, bevor die kräftigen Kiefer zupacken. Ein kurzes Knacken und Knirschen, dann fällt scheppernd ein weiterer Regalträger zu Boden.
Von einem Abrissbagger dieser Größe gibt es in Deutschland nur wenige Exemplare. „Den muss man wochenlang vorbestellen“, sagt Johannes Aderholz, Geschäftsführer des Bremer Immobilienentwicklers Denkmalstadt. Das Unternehmen plant den Umbau der Überseeinsel, auf der einst das Kellogg’s-Werk stand.
Keine neue Verwendung gefunden
Seit 1964 hatte der US-Konzern in Bremen seine Cornflakes für den deutschen und europäischen Markt produziert. Bis 2018 – dann war Schluss mit der Cerealien-Herstellung an der Weser.
Das Gelände samt seiner Gebäude übernahm der Bremer Windparkentwickler und Investor Klaus Meier. Für die markanten Getreidesilos fanden seine Architekten eine aufsehenerregende Zweitverwendung: Sie sind heute ein Hotel. Für das Hochregallager jedoch fiel den Planern keine praktikable Lösung ein.
„Wir haben auch jetzt noch einmal überlegt, ob es eine neue Verwendung geben könnte“, versichert Aderholz. Am Ende aber wurden alle Ideen verworfen: Das Lager kommt weg – wie bereits im Rahmenplan für das Kellogg’s-Gelände aus dem Jahr 2019 vorgesehen.
Ende der 1980er-Jahre gebaut
Genau genommen sind es sogar mehrere Gebäude, die jetzt abgerissen werden: Hinter dem alten Tor 4 des Kellogg’s-Werks bildeten sie das sogenannte Warenverteilzentrum, gebaut in den Jahren 1987 bis 1989. Es bestand aus einem Versand- und einem Palettiergebäude sowie dem alles überragenden Hochregallager. Das 135 Meter lange und fast 40 Meter hohe Gebäude verfügte im Inneren über eine vollautomatische Schienenbahn, die die Paletten ein- und auslagerte.
Das Warenverteilzentrum war der letzte Werksteil, den Kellogg’s nach dem Aus für die Frühstücksflocken-Produktion in Bremen noch nutzte. Bis Ende 2025 war das Lager in Betrieb.
Mittlerweile hat der Abrissbagger die Außenhaut aus Trapezblechen heruntergerissen und das Innere des Lagers freigelegt – weithin sichtbar stehen die blauen Regale im Wind, dazwischen gelbe Treppen und rote Leitungen. Strebe für Strebe nimmt der KMC 1000P sie auseinander. Was zu Boden stürzt, wird von anderen Baggern umgehend in Mulden verladen und abgefahren. Allein 3500 Tonnen Stahlschrott fallen beim Zerlegen des Palettenlagers an. Das Altmetall gilt als wertvoller Rohstoff: In Stahlwerken kann es eingeschmolzen und zu neuem Stahl verarbeitet werden.
Standort für eine neue Oberschule?
„Bis Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres wollen wir mit dem Abriss durch sein“, sagt Aderholz – zumindest bis zum Erdboden, den die Ingenieure „Geländeoberkante“ nennen. Was an Gründungspfählen für die wuchtigen Hallen noch in der Erde steckt, bleibt erst mal drin, bis der genaue Bebauungsplan feststeht.
Über den verhandeln die Immobilienentwickler noch mit der Stadt. Fest steht: Ans Weserufer kommen mehrstöckige Wohnhäuser mit exklusivem Blick aufs Wasser. Das Gelände dahinter hat Investor Klaus Meier der Stadt für den Bau einer Schule angeboten. Für die 2024 gegründete Oberschule Überseestadt wird nämlich nach wie vor ein Standort gesucht; zurzeit sind die Klassenzimmer provisorisch im Schulzentrum Grenzstraße mit untergebracht.
Sollte sich die Stadt für das ehemalige Kellogg’s-Gelände entscheiden, würde die Oberschule samt Sporthalle direkt hinter der bereits vorhandenen Grundschule Überseestadt an der Stephanikirchenweide errichtet werden. Sogar für eine provisorische Unterbringung der Schüler in Containerklassenzimmern während der Bauzeit wäre Platz auf dem Gelände vorhanden. Noch sind die Pläne nur vorläufig. Aber die Abrissbagger räumen den Weg schon einmal frei.