• Das Nabu Bremen gestaltet am Vahrer Feldweg ein drei Hektar großes Naturzentrum mit vielfältigen Lebensräumen wie Streuobstwiesen, Sumpfbeeten und „Wilder Wald“, seit 2013 im naturnahen Konzept.
  • Umweltbildung ist ein Schwerpunkt: Kinder, Jugendliche und Erwachsene nehmen im Naturzentrum an Workshops, Ferienbetreuung und Aktionen wie Pflanzenfarbenherstellung oder Pilzbestimmung teil.
  • Einladung: „Zur nächsten Aktion wird für Sonnabend, 5. September, 10 bis 14 Uhr zu einem Brotback-Workshop im Naturzentrum, Vahrer Feldweg 185, eingeladen. Die Teilnahme kostet zehn Euro, Anmeldung: info@nabu-bremen.de.“

Mehr anzeigen
Weniger anzeigen

32 Grad zeigt das Thermometer, in der Bremer Innenstadt steht die Hitze zwischen den Gebäuden. Die Sonne knallt nicht nur vom Himmel, sondern vom Asphalt gleich wieder zurück. Ein paar Fahrradminuten später ist davon kaum noch etwas zu spüren. Am Vahrer Feldweg liegt das rund drei Hektar große Naturzentrum des Nabu Bremen. Vom Erdboden des ausgeschilderten Rundwegs steigt angenehme Kühle auf. Aus dem Gebüsch zwitschert, summt und brummt es.

Seit 2013 entwickelt der Nabu die ehemalige Ziergärtnerei Fördelmann Schritt für Schritt zu einem Naturrefugium. Wo das Gelände früher vor allem für die gärtnerische Nutzung angelegt war, entstehen heute vielfältige Lebensräume. Streuobstwiesen, Sumpfbeete und ein rund 10.000 Quadratmeter großer „Wilder Wald“ gehören inzwischen dazu. „Wir sind noch lange nicht fertig“, sagt Christoph Röttgers, Geschäftsführer des Nabu Bremen. Und genau das ist Teil des Konzepts: Die Weiterentwicklung des Geländes soll zeigen, wie naturnahe Gestaltung funktionieren kann – auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon.

Essbares auf sieben Ebenen

„Ganz diplomatisch gesagt ist der Rundgang mein liebster Aspekt des Geländes“, sagt Röttgers lachend. „Denn da kommt man überall vorbei.“ Einer der Höhepunkte auf der Strecke ist der Waldgarten. „Er ist mein absoluter Lieblingsort hier“, erklärt die ehrenamtlich engagierte Christiane Breder. Auf rund 3.000 Quadratmetern entsteht ein sogenannter „Food Forest“. Das Prinzip orientiert sich am Ökosystem Wald, nur wachsen hier essbare Pflanzen: Nüsse, Obst, Beeren, Kräuter und Gemüse sollen auf bis zu sieben Ebenen nebeneinander gedeihen. Dazwischen entstehen Strukturen und Lebensräume für Insekten und Wildtiere.

Ehrenamtliche Unterstützerinnen sind Lore Neldert (li.) und Christiane Breder, hier im Zentrum des Waldgartens.

Ehrenamtliche Unterstützerinnen sind Lore Neldert (li.) und Christiane Breder, hier im Zentrum des Waldgartens.

Foto:
PETRA STUBBE

Ein paar Meter weiter entsteht bis Mitte 2027 ein neuer Naturerfahrungsraum. Umweltbildung ist ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit des Nabu – insbesondere für Kinder und Jugendliche. Schon bei der Planung durften sie mitreden: Während einer Ferienbetreuung zeigten Kinder ihre Lieblingsorte auf dem Gelände und erzählten, was sie sich für die neue Fläche wünschen. Projektleiter Luca Kerk koordiniert das Vorhaben seit Herbst 2025. Pflanzen und Tiere beobachten, Biotope entdecken, experimentieren und selbst aktiv werden – der neue Bereich soll zu einem „lebendigen Klassenzimmer“ werden.

„Das Wissen in den Büschen“

Dabei gehört Naturbildung schon heute fest zum Alltag auf dem Gelände. Schulklassen und Kita-Gruppen kommen zu Aktionen, außerdem gibt es Ferienbetreuung und Workshops – auch für Erwachsene. Im September können Teilnehmende beispielsweise aus Pflanzen eigene Farben herstellen oder Äpfel von der Streuobstwiese zu Kompott verarbeiten. Im Oktober geht es bei einem Einsteigerkurs um das Bestimmen von Pilzen. „Hier steckt das Wissen in den Büschen“, sagt Kerk.

Luca Kerk ist Projektleiter für das Grüne Foyer des Geländes.

Luca Kerk ist Projektleiter für das Grüne Foyer des Geländes.

Foto:
PETRA STUBBE

Auch direkt am Eingang verändert sich gerade etwas. Wo früher ein Gewächshaus stand, entsteht aktuell das sogenannte „Grüne Foyer“. Die rund 3.000 Quadratmeter große Fläche soll künftig einladender Eingangsbereich sein. Sitzgruppen sollen zum Verweilen einladen, gleichzeitig entsteht ein Naturgarten mit Lern- und Schaucharakter. Ökologisch und schön – das müsse kein Widerspruch sein, weiß Kerk. Im Herbst soll die Fläche bepflanzt werden, im November ist eine Teileröffnung geplant.

Geländekonzept entwickelt

Hinter den vielen Einzelprojekten steckt ein größerer Plan. Anfang 2024 gründete der Nabu die Geländekonzept-AG, in der Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam überlegen, wie sich die Fläche entwickeln soll. Rund ein Jahr dauerte die Arbeit am Gesamtkonzept. Um die Vision umzusetzen, braucht es allerdings mehr als Fördermittel und hauptamtliche Beschäftigte. Rund 80 bis 100 Menschen engagieren sich nach Angaben des Nabu regelmäßig ehrenamtlich in den breit gefächerten Arbeitsgruppen auf dem Gelände – von Biotop- über Vogel- bis hin zum Amphibienschutz.

Eine Schutzhütte im Waldgarten lädt zum Verweilen in der Natur ein.

Eine Schutzhütte im Waldgarten lädt zum Verweilen in der Natur ein.

Foto:
PETRA STUBBE

Breder kam über den Waldgarten zum Naturschutzbund, Lore Neldert wollte mehr über biologischen Gemüseanbau lernen. Beide Rentnerinnen sind geblieben und inzwischen fester Bestandteil der Geländekonzept-AG. „Jedes Mal, wenn ich nach Hause fahre, bin ich erfüllt“, sagt Breder. Wer mitmachen möchte, müsse dabei weder Expertin noch Gartenprofi sein. „Kommt einfach vorbei. Wir nehmen euch an die Hand.“

Die Arbeit geht den Ehrenamtlichen bei drei Hektar Gelände jedenfalls nicht aus. Dabei sind es neben mit Förderungen verbundenen Auflagen manchmal die ganz praktischen Dinge, die sie herausfordern. „Etwa die wuchernde Brombeere“, sagt Breder.

Natur ist ein Prozess

„Fertig wird das Gelände nie sein“, sagt Kerk. „Denn Natur ist ein Prozess.“ Statt auf Schafe und Esel, die bis 2023 auf dem Gelände lebten und mit einem hohen Personal- und Kostenaufwand verbunden waren, setzt der Nabu inzwischen stärker auf die unscheinbaren Arten, „die man nicht streicheln kann“, wie Röttgers sagt. Schon heute finden sich auf dem Gelände seltene Insekten wie die Große Holzbiene oder die Hornissenschwebfliege.

Auf der Streuobstwiese finden sich Bäume mit einheimischen Apfelsorten.

Auf der Streuobstwiese finden sich Bäume mit einheimischen Apfelsorten.

Foto:
PETRA STUBBE

Was hier im Großen funktioniert, lässt sich auch bereits im Kleinen umsetzen. „Den Asphalt der Domsheide kann niemand allein entsiegeln“, sagt Kerk. Einen Balkon oder Garten naturnäher zu gestalten, sei dagegen ein niedrigschwelliger Anfang. Er empfiehlt vor allem heimische Pflanzen: „Sie sind auf die hiesigen Ökosysteme spezialisiert.“ Breder hat es ausprobiert: „Die Schafgarbe blüht bei mir wunderschön.“

Für Röttgers ist das Naturzentrum mehr als ein Stück Natur mitten in der Stadt: „Unser Gelände ist hier in Bremen ein grüner Punkt, umgeben von roter Fläche.“ Solche Orte würden einen Unterschied machen – nicht nur für Tiere und Pflanzen, sondern auch für die Menschen, die hier gemeinsam etwas bewegen wollen. Und vielleicht beginnt genau dort die Hoffnung, dass aus vielen kleinen Veränderungen irgendwann eine grünere Stadt wird.

Info

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann das Nabu-Naturzentrum, Vahrer Feldweg, montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr ohne Anmeldung besuchen. Zur nächsten Aktion wird für Sonnabend, 5. September, 10 bis 14 Uhr zu einem Brotback-Workshop im Naturzentrum, Vahrer Feldweg 185, eingeladen. Die Teilnahme kostet zehn Euro, Anmeldung: info@nabu-bremen.de.


Hinweis:

Bei Google-Suchen erscheinen neben den regulären Ergebnissen auch aktuelle News-Boxen mit relevanten Meldungen. Wenn Sie den WESER-KURIER als bevorzugte Quelle markieren, werden unsere Inhalte dort künftig häufiger berücksichtigt.
Einfach den WESER-KURIER über diesen Link als Favorit hinzufügen und immer schnell über Bremen und die Region informiert bleiben
.

Zur Startseite