
AUDIO: Leipzigs Oberbürgermeister bestätigt Ansiedlungspläne von US-Rüstungsfirma (1 Min)
Covenant in Leipzig?
Stand: 03.09.2026 10:57 Uhr
Die US-Rüstungsfirma Covenant plant möglicherweise, im Norden von Leipzig bald Marschflugkörper für die Bundeswehr zu produzieren. Details sind kaum bekannt: Das Unternehmen erklärte, sich erst in zwei Wochen zu äußern. Leipzigs Oberbürgermeister Jung bestätigte Kontakte, aber keine offizielle Bewerbung. Das Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie warnte vor verfrühten Diskussionen über solche Projekte.

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Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hat das Interesse eines US-Rüstungskonzerns an einer Ansiedlung in der Stadt bestätigt. Der SPD-Politiker sagte am Mittwoch im Stadtrat aber, man habe keine offizielle Bewerbung, nur „mündliche Kontakte“. Das Unternehmen habe sich auch nur nach einer Halle für Montage-Arbeiten erkundigt. Von Arbeit mit Sprengstoff wisse man nichts.

Vor und während der Sitzung im Rathaus demonstrierten nach Angaben der „Leipziger Volkszeitung“ am Mittwoch rund 250 Menschen gegen das mögliche Rüstungsprojekt im Norden der Stadt.
Das Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie (MISI) hatte zuvor davor gewarnt, eine mögliche Ansiedlung nahe dem Flughafen Leipzig/Halle zu gefährden. MISI-Vorstandschef Markus Kurczyk sagte MDR AKTUELL, vorläufige Geheimhaltung sei bei solchen Projekten „völlig normal“. Nähe und Anbindung zum Flughafen wären nach Ansicht des Generalmajors a.D. der Bundeswehr aber vorteilhaft. Kein anderes Industriegebiet lasse sich besser schützen.
Entweder haben wir jetzt den Knall verstanden und nehmen die Zeitenwende ernst oder wir fangen noch mal ganz von vorn an.
MISI-Vorstand Markus Kurczyk
Zu möglichem Widerstand sagte Kurczyk, es sei schwer vermittelbar, „dass wir auf der einen Seite dringend amerikanische Marschflugkörper haben wollen“, aber keine Produktion hier: „Entweder haben wir jetzt den Knall verstanden und nehmen die Zeitenwende ernst oder wir fangen noch mal ganz von vorn an.“ Kurczyk sagte auch, es sei zu früh für solche Debatten: „Wenn denn das Unternehmen abschließend sich entscheidet für einen Standort, dann kann man immer noch diskutieren“. Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das Kurczyk zufolge noch „nicht angemessen“.
Er gehe auch nicht davon aus, ergänzte der MISI-Chef, dass man im Stadtgebiet „über Explosivmittel und Zünder und Raketen nachdenkt“. Im Fall einer Ansiedlung ginge es hier nach seinen Worten wahrscheinlich nur um den Flugkörper.
Noch kaum Details bisher offiziell bekannt
Dass das Rüstungsunternehmen Covenant in oder in der Nähe von Leipzig eine Produktionsstätte für Marschflugkörper bauen könnte, hatten auch Recherchen von MDR AKTUELL diese Woche gezeigt. Über die mögliche Ansiedelung hatte Ende der vergangenen Woche zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Covenant ist ein in Israel und den USA aktives Unternehmen mit einem Ableger auch in Frankfurt/Main. Seit Mai 2026 ist dieser im Lobbyregister des Bundestags eingetragen. Einer der registrierten Interessenvertreter ist Carl Tobias Reichert – bis Mai 2026 ein Mitarbeiter des Grünen-Bundestagsabgeordneten Sebastian Schäfer, Obmann im Haushaltsausschuss und im Vertrauensgremium zur Genehmigung geheimer Wirtschaftspläne der Nachrichtendienste des Bundes.
Mehrere Stellen, die mit dem Vorhaben in Verbindung stehen könnten, wollten sich bislang nicht näher äußern, auch nicht das Bundesverteidigungsministerium.
Stichwort: Covenant Industries
Das Unternehmen Covenant wurde 2024 gegründet. Es hat die „Anthem Cruise Missile“ entwickelt, die kostengünstiger sein soll als vergleichbare Marschflugkörper. US-Medien zufolge wurde sie am 6. August in Marokko getestet. Dabei sollen auch deutsche Beobachter gewesen sein. Hinter Covenant steht der US-Investor Michael Kaufman, der zuvor für die Investment-Firma Thiel Capital tätig war. Covenant hat Gesellschaften und Aktivitäten auch in Israel, wo Medienberichten zufolge auch überwiegend die Entwicklungsarbeit stattfindet.
Nach dem unbestätigten Bericht der Nachrichtenagentur Reuters soll es um eine Jahresproduktion von bis zu 1.000 Stück und Auslieferungen schon ab 2027 gehen. Die Komponenten sollen überwiegend aus Deutschland und Europa kommen. Auch hieß es in dem Bericht, das Bundesverteidigungsministerium suche derzeit nach günstigen Marschflugkörpern in großer Stückzahl, auch weil die USA ihre ohnehin teureren „Tomahawk“-Marschflugkörper künftig nicht mehr liefern wollten.
Video:
Kommt das US-Rüstungsunternehmen Covenant nach Leipzig? (1 Min)
Noch im Jahr 2024 hatten die USA angekündigt, ab 2026 wieder konventionell bestückte Mittelstreckenwaffen, etwa „Tomahawk“ in Deutschland zu stationieren, wogegen hierzulande auch demonstriert wurde. Im Mai 2026 bestätigte dann Bundeskanzler Friedrich Merz aber Medienberichte, wonach die Stationierung nicht erfolgen werde – wegen begrenzter Bestände in den USA. Deshalb könnte nun die Bundesregierung nach Ersatz suchen, um eine Fähigkeitslücke zu schießen.

Taurus-Marschflugkörper bei einer Rüstungsmesse
Der bislang einzige weiter reichende Marschflugkörper der Luftwaffe, der Taurus KEPD 350, kommt auf rund 500 Kilometer. Die in den Details noch kaum bekannten Covenant-Produkte sollen Reichweiten von mehr als 1.500 Kilometern haben. Medienberichten zufolge könnten sie wenige hunderttausend Euro pro Stück kosten, Großabnehmer wie die Bundeswehr so jedoch Hunderte von Millionen Euro zahlen.
Die „Tomahawk“-Marschflugkörper von US-Hersteller Raytheon kosten zwischen 500.000 bis eine Million US-Dollar pro Stück, neuere Versionen aber eine bis mehr als zwei Millionen US-Dollar, also gut 860.000 bis mehr als 1,7 Millionen Euro.
Covenant unglücklich über Leak von Informationen
Covenant selbst veröffentlichte noch keine Informationen dazu. Auf Anfrage von MDR AKTUELL verwies das Unternehmen an eine Agentur, die in Deutschland die Pressearbeit übernommen habe. Daraufhin erklärte ein Mitarbeiter der Agentur dann MDR AKTUELL, Covenant sei unglücklich, dass Informationen über das Vorhaben schon öffentlich geworden seien. Auch seien nicht alle bisher gemachten Angaben korrekt. Man wolle sich erst in zwei Wochen zu Details äußern.
Standort vermutlich nahe dem Flughafen
Offen bleibt so neben einem Zeitplan für eine möglichen Ansiedlung, auch der womöglich ins Auge gefasste Standort. Vermutet wurde jedoch, dass dieser in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle liegen soll.
Auch die Staatskanzlei und das sächsische Wirtschaftsministerium wollten sich auf Anfrage von MDR AKTUELL nicht äußern, ebenso nicht die Wirtschaftsförderung. In einem gemeinsamen Statement hieß es nur: Grundsätzlich sehe man Ansiedlungen von Rüstungsbetrieben positiv, weil sie die Industrie nach vorn bringen könnten und zugleich die deutsche Verteidigungsfähigkeit stärkten.
Reuters, MDR AKTUELL (ksc)

