• Tenor Benjamin Bernheim zeigte beim Musikfest Bremen beeindruckende Spitzentöne, aber seine Stimme wurde als farbarm und wenig sinnlich beschrieben.
  • Teile des Repertoires, besonders französische Opern von Gounod, Bizet, Offenbach und Massenet, passten zu Bernheim, das italienische Fach und Chansons überzeugten weniger.
  • Die Süddeutsche Zeitung hatte Bernheim als „schönste Tenorstimme seit Luciano Pavarotti“ bezeichnet; der Vergleich wurde beim Liederabend jedoch als hinkend empfunden.

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Als „schönste Tenorstimme seit Luciano Pavarotti“ hat die „Süddeutsche Zeitung“ den Franzosen Benjamin Bernheim gepriesen, nach seinem Debüt beim Musikfest Bremen darf man indes feststellen: Der Vergleich hinkt gewaltig. Der 41-Jährige, in der Schweiz ausgebildete Pariser, der durch seine Auftritte bei den Olympischen Sommerspielen 2024 und der Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame bekannt geworden ist, führt nicht den italienischen Belcanto, sondern eine typisch französische Stimme ins Feld: lyrisch hell, leicht nasal und eng geführt, tragfähig und klar fokussiert, aber auch recht farbarm und unsinnlich.

Bernheims Stärken liegen in der kraftvollen Höhe: Trompetenhaft geschmetterte, lang gehaltene Spitzentöne erzielten denn auch beim Liederabend in der Glocke den gewünschten Effekt. Die dritte Zugabe – die Arie „Pourquoi me réveiller?“ aus Jules Massenets „Werther“ – zeigte, wo diese Stimme am besten wirkt: in der französischen Oper bei Gounod, Bizet, Offenbach und eben Massenet. Im italienischen Fach ist sie auch bei Giacomo Puccini gut aufgehoben, wie drei frühe Lieder belegten, in denen deutlich „Manon Lescaut“ und „La Bohème“ anklangen.

In den übrigen Liedgruppen des mit weit mehr als zwei Stunden recht langen, von ständigem Zwischenbeifall begleiteten Abends gelang dem sympathischen Sänger indes zu selten eine fesselnde Imagination der vielen Naturstimmungen und Gefühlsregungen, die er da besang. Große Gesten sollten das wohl ausgleichen. Drei atmosphärische Lieder Henri Duparcs zu Beginn, deren Wagner-Grundrauschen die patente Pianistin Edwige Herchenroder farbig auskostete, wirkten wie Einsingstücke.

Eine gewisse Eintönigkeit

Im sechsteiligen Zyklus „Nuits d’été“ (Sommernächte) von Hector Berlioz bewies Bernheim zwar, welch kluger Gestalter er ist, wie er Worte abschmecken und zarte Piano-Wirkungen erzielen kann. Dennoch stellte sich eine gewisse Eintönigkeit ein, vor allem bei den vier langen Liedern in der Mitte, die sich um Grab, Tod und Vergänglichkeit drehen. Irgendwann klang alles gleich.

Drei recht melancholische spanische Lieder von Mompou, Turina und Ginastera wurden in ihrer Eigenart ebenfalls wenig plastisch; am stärksten blieben die Flamenco-Rhythmen im Klavier haften. Und gänzlich schief ging der Ausflug ins leichte Fach. Drei französische Chansons – darunter Charles Trenets „Douce France“, das dem Abend den Titel gab – besaßen erstaunlich wenig Duftigkeit und Raffinesse, mit stählernem Auf-Linie-Singen ist Jacques Brel nicht gedient.

Das zog sich bis in die Zugaben. Nach einem passablen leisen Richard Strauss fehlte Franz Léhars Schnulze „Dein ist mein ganzes Herz“, in Rampentenor-Manier serviert, jegliches Verwöhnaroma. Man kann über Stimmen streiten, aber eindeutig ist: Hier war ein Sänger im falschen Repertoire unterwegs. Und weit weg von Pavarotti.

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