
AUDIO: Kinder sagen vor Gericht im Fall Fabian aus (2 Min)
Stand: 03.09.2026 14:34 Uhr
Drei Kinder haben am 27. Prozesstag des Mordprozesses zum Fall Fabian im Mittelpunkt gestanden. Sie wollen im Oktober 2025 in Güstrow wichtige Beobachtungen gemacht haben.
Verteidiger Andreas Ohm hatte sich vor diesem Prozesstag gewundert: Warum wollte die 3. Strafkammer des Landgerichts Rostock diese drei Kinder erst als Zeugen hören, nachdem Ohm sie dazu aufgefordert hatte? Schließlich sei allen, die am Prozess zum Mord an dem kleinen Fabian aus Güstrow beteiligt sind, bekannt gewesen, dass die Aussagen der Kinder die angeklagte Gina H. entlasten könnten – zumindest aus Sicht der Veteidigung. Eine Antwort auf seine Frage zum späten Zeitpunkt der Zeugenvernehmung bekam Ohm nicht. Aber mit den Antworten der Kinder war er sehr zufrieden.
In der Nähe der Schule gesehen
Zwei Schulkameraden berichteten dem Gericht am Donnerstag, sie hätten Fabian am 10. Oktober 2025, dem Tag seines Verschwindens, am frühen Nachmittag in Güstrow vor einer Bäckerei in der Nähe seiner Schule gesehen. Fabian sei auf seinem Fahrrad unterwegs gewesen. Wenig später will der eine Junge Fabian ein zweites Mal gesehen haben, diesmal bei einer Kirche. Er war sich allerdings nicht hundertprozentig sicher, dass er die beiden Beobachtungen am Freitag und nicht schon am Donnerstag gemacht hat. Die Aussage der Jungen, Fabian am Freitagnachmittag gesehen zu haben, passen nicht zur Anklage der Staatsanwaltschaft. Demnach war Fabian am Freitagnachmittag wahrscheinlich schon tot.
Aussagen im Widerspruch zur Anklage
Auch die Aussage eines Mädchens aus Fabians Nachbarschaft stand in Widerspruch zu den zeitlichen Abläufen, wie die Staatsanwaltschaft sie rekonstruiert hat. Die junge Zeugin berichtete, sie habe Fabian an jenem Freitag irgendwann zwischen 14 und 15 Uhr in der Nähe seines Zuhauses gesehen. Zwei schwarz gekleidete Männer mit schwarzen Haaren seien hinter ihm gegangen. Fabian sei immer schneller gegangen, die Männer dann auch. Sie hat nicht gesehen, ob die Männer Fabian angesprochen oder angefasst haben. Bei der Polizei hatte das Mädchen im vergangenen Herbst nur von einem Mann berichtet, der Fabian auch angefasst habe. Damals vermutete das Mädchen außerdem, es sei ein Ausländer gewesen.

Im Podcast geht es um die Aussage einer Gefängnis-Psychologin, die erklärt, wie sich Gina H. in der Haftanstalt verhält.
Gegensätzliche Bewertungen
Die Angaben des Mädchens wollten weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung so recht ernstnehmen. Bei der Bewertung der Aussage der Schulkameraden lagen sie weit auseinander. Ohm fand sie „sehr überzeugend“, denn anscheinend entlasten sie die Angeklagte. Der Staatsanwalt hingegen meinte, es spreche einiges dafür, dass die Jungs sich im Tag geirrt haben und Fabian vermutlich bereits am Donnerstag gesehen hätten.
Vernehmung per Video
Die Kinder wurden nicht im Gerichtssaal vernommen, sondern aus einem anderen Raum per Video zugeschaltet. Die Fragen des Gerichts, der Staatsanwälte, der Nebenklägerin und der Verteidiger stellte ihnen allein der Vorsitzende Richter. Auf diese Weise hat die 3. Strafkammer schon zwei Freunde Fabians als Zeugen vernommen.
Gina H. ergänzt ihre Aussage
Am kommenden Donnerstag will Gina H. auf Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft zu ihrer vierstündigen Aussage beantworten, die sie im August verlesen hatte. Vorab ergänzte sie am Donnerstag einige Details. So versuchte sie ihre Behauptung zu untermauern, sie sei kurz vor 11 Uhr am Tag von Fabians Verschwinden auf dem Weg zu einer Bank in Güstrow gewesen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, genau zur diesem Zeitpunkt Fabian aus der Wohnung seiner Mutter gelockt und mitgenommen zu haben.
Angeklagte will von sich ablenken
Gina H. hatte in ihrer langen Aussage den Verdacht geäußert, die Ermittler hätten sich bei der Fahndung vorschnell auf sie konzentriert. Möglicherweise wollte sie diesen Vorwurf nun dadurch erneuern, indem sie einen Bruder ihres Ex-Freundes, also von Fabians Vater, erwähnte. Dieser habe ein gutes Verhältnis zu Fabian und zu ihrem eigenen Sohn gehabt. Außerdem sei er manchmal mit seinem Trecker die 15 Kilometer nach Güstrow gefahren, obwohl er vermutlich keinen Führerschein habe. Welche Schlüsse das Gericht oder die Staatsanwaltschaft aus ihrer Mitteilung ziehen sollen, sagte Gina H. nicht.
Fabian wurde erstochen
Der achtjährige Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor seinem Verschwinden hatte er sich von Gina H. getrennt. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, das Kind am 10. Oktober vergangenen Jahres aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl rund 15 Kilometer südlich von Güstrow erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden.
Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Mit einem Urteil wird spätestens im Oktober gerechnet.

Im Mordprozess zum Tod des achtjährigen Fabian will die Angeklagte nun doch Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft beantworten.
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