
Klimaschutzmanager Philipp Swiderski zeigt eine Thermografieaufnahme der Christuskirche in Gladbeck. Foto: Michael Bokelmann
Klimaschutz: Kirchenkreis will Sommerwärme speichern
Der Evangelische Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten will die Treibhausgas-Emissionen seiner Gebäude deutlich senken. Das jetzt vorliegende Klimaschutzkonzept umfasst rund 90 Gebäude und etwa 100 Nutzungseinheiten.
Gladbeck – 03.09.2026 – In den kommenden drei Jahren sollen Maßnahmen im Umfang von rund 3,6 Millionen Euro umgesetzt werden. Sind alle vorgesehenen Projekte realisiert, könnten die jährlichen Treibhausgasemissionen von derzeit 1.953 Tonnen CO₂ um etwa ein Drittel sinken.
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Jahreszeitenspeicher soll Sommerwärme für den Winter sichern
Zu den ungewöhnlichsten Vorschlägen des Klimaschutzkonzepts gehört ein sogenannter Jahreszeitenspeicher. Dabei soll überschüssige Energie aus Photovoltaik oder Solarthermie im Sommer Wärme erzeugen, die über Monate gespeichert werden kann.
Als mögliche Speichermedien kommen beispielsweise Erdreich, Salz oder Sand infrage. Im Winter könnte eine Wärmepumpe auf die gespeicherte Energie zugreifen und dadurch effizienter arbeiten.
Als möglicher Standort ist die Martin-Luther-Kirche in Dorsten-Holsterhausen im Gespräch. Eine Entscheidung für das Projekt gibt es allerdings noch nicht.
„Wir prüfen nun, ob wir dieses System im Kirchenkreis als Pilotprojekt umsetzen können“, sagt Klimaschutzmanager Philipp Swiderski. „Kirche kann damit auch Vorhaben anstoßen, die echten Leuchtturmcharakter besitzen.“
Rund 3,6 Millionen Euro für Klimaschutzmaßnahmen
Der Jahreszeitenspeicher ist Teil eines umfangreichen Maßnahmenpakets. Für die ersten drei Jahre sind Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 3,6 Millionen Euro vorgesehen. Etwa 600.000 bis 700.000 Euro lassen sich über Förderprogramme finanzieren.
Das Ziel ist ambitioniert: Werden sämtliche geplanten Maßnahmen umgesetzt, sollen die derzeitigen Treibhausgasemissionen der Gebäude um rund ein Drittel sinken.
Kirchenkreis untersucht Gebäude und Energieverbrauch
Zwei Jahre lang hat Swiderski den Gebäudebestand des Kirchenkreises untersucht. Dazu gehören Kirchen, Gemeinde- und Verwaltungsgebäude, Kitas, Pfarrhäuser und Wohnobjekte.
Erfasst hat Swiderski unter anderem Baujahr, Flächen, Energieverbrauch, Heizsysteme und die jeweiligen Nutzungsperspektiven. Auch die Arbeitswege von mehr als 1.000 Beschäftigten flossen in die Bilanz ein.
„Wir wollten nicht einzelne Maßnahmen nebeneinanderstellen, sondern einen umfassenden Fahrplan entwickeln“, erklärt der Klimaschutzmanager.
Photovoltaik, Dämmung und neue Heizungen
Das Konzept beschreibt konkrete Sanierungsmöglichkeiten für die einzelnen Gebäude. Vorgesehen sind unter anderem Photovoltaikanlagen, neue Fenster sowie Fassaden- und Dachdämmungen.
Auch Dachbegrünungen gehören zum Maßnahmenpaket. Bei den Heizungen soll der Wechsel von Gas, Öl oder Elektroheizungen auf Wärmepumpen geprüft beziehungsweise umgesetzt werden.
Daneben sieht das Konzept Maßnahmen für eine klimafreundlichere Mobilität vor. Geplant sind unter anderem Fahrradabstellanlagen, Ladepunkte und Jobticket-Angebote. Auch Klima- und Umweltbildung ist Bestandteil des Programms.
Auch bei privaten und öffentlichen Gebäuden in Gladbeck spielen energetische Sanierungen und Wärmepumpen zunehmend eine Rolle. Die NGZ berichtete beispielsweise über Wärmepumpen im Gladbecker Quartier Rosenhügel und über Thermografie und Wärmebrücken an Gebäuden in Gladbeck.
Erste Projekte sind bereits gestartet
Einige Maßnahmen laufen bereits. Das Gemeindehaus in Bottrop-Eigen erhält derzeit eine Fassadendämmung.
Die Martin-Luther-Kirche in Dorsten-Holsterhausen bekommt neue Fenster. Im Martinszentrum in Bottrop und am Verwaltungsgebäude an der Gladbecker Mittelstraße sollen in Kürze die Dächer begrünt werden.
Allein durch eine Dachbegrünung können nach Angaben des Kirchenkreises bis zu 5 Prozent Heizenergie eingespart werden.
Klimaschutzkonzept liegt in zwei Fassungen vor
Das neue Klimaschutzkonzept gibt es in zwei Fassungen. Die ausführliche technische Dokumentation umfasst 192 Seiten.
Daneben gibt es eine kompakte Broschüre mit 24 Seiten. Sie soll breit ausgelegt und verteilt werden und insbesondere Gemeindemitgliedern sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen verständlichen Überblick über Ziele, Maßnahmen und geplante Investitionen geben.
Beide Fassungen können Sie beim Evangelischen Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten bestellen.