„Bach und Händel. Eine fast geglückte Begegnung“ – so heißt das Motto der diesjährigen Barmer Bach-Tage. Die beiden großen Komponisten des 18. Jahrhunderts, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel – beide im Jahr 1685 geboren -sind einander nie persönlich begegnet. Man weiß, dass sie sich gegenseitig sehr geschätzt haben, zu einem Treffen kam es aber nicht. Dieses „Treffen“ arrangierte jetzt Matthias Lotzmann in einem Konzert in der Neuapostolischen Kirche in Elberfeld. Im ruhigen Ambiente des Kirchenraums bekamen etwa 90 Besucher eine Fülle von Informationen über den Lebensweg der beiden Musiker und vor allem über ihre Musik. „Historisch ist die Begegnung nicht gelungen, hier kommen die beiden ins Gespräch“, erklärte Lotzmann, der künstlerische Leiter der BB-T, und stellte Kompositionen von Bach und Händel einander gegenüber – jeweils in derselben Tonart und der gleichen musikalischen Form.

Die „Hauptdarstellerin“: das Cembalo aus Walnussholz

Diese Kammermusik klang, wie sie vor 300 Jahren geklungen haben wird, denn Matthias Lotzmann spielte auf einem zweimanualigen Cembalo aus der Werkstatt von Volker Platte in Remscheid-Lennep. Es ist ein exakter Nachbau eines Cembalos, das der Instrumentenbauer Michael Mietke (1671-1729) für den preußischen Hof herstellte. Das Original befindet sich heute im Schloss Charlottenburg in Berlin. Lotzmann stellte den Besuchern „die Hauptdarstellerin des Abends“ vor: Das Cembalo aus Walnussholz, das komplett in Handarbeit gefertigt wurde, hat 180 Saiten. Sein klarer, warmer und filigraner Klang ist typisch für deutsche Cembali.

Die ersten beiden Werke erklangen in der selten verwendeten Tonart fis-Moll. Die der Musik eine eher nach innen gewandte, leicht geheimnisvolle Färbung gibt. Für den zweiten Vergleich stellte Lotzmann zwei Fugen in der Tonart G-Dur einander gegenüber: Händel hatte seine fröhlich fließende Fuge auf Reisen in einer Postkutsche geschrieben. Trotz hörbarer Unterschiede war auch Bachs Fuge – aus dem zweiten Band des „Wohltemperierten Klaviers“ – von spielerisch-tänzerischer Leichtigkeit geprägt. Beide Beispiele, wie auch die folgenden, wurden zum großen Hörgenuss.

Zwischen den Werken erfuhren die Besucher, wie sehr sich Lebenswege und Berufsbilder von Bach und Händel unterscheiden: Händel, Sohn aus reichem Hause, Genie von Geburt an, komponierte ein breites Genre, war ein erfolgreicher Musikunternehmer und „Entertainer“. Bach, mit zehn Jahren Vollwaise, war stets bildungshungrig, arbeitete in wechselnden Angestelltenverhältnissen, komponierte vor allem „zu Ehren Gottes“. „Ich musste immer fleißig sein“, zitierte Matthias Lotzmann J.S. Bach.

Interessiert und konzentriert lauschte das Publikum den Hörbeispielen, entdeckte Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Der Vergleich zweier Werke in c-Moll war verblüffend: Händels Thema der Fuge (HWV 610) klingt, als habe er Bachs Thema von Präludium und Fuge (BWV 871) spiegelverkehrt notiert. Bachs sehr gesangliches Präludium und Fuge in g-Moll (BWV 885) steht Händels Komposition in barocker Leichtigkeit in nichts nach – übertrifft sie sogar noch mit einem bezaubernden Schluss.

Die letzten Werke des Abends widmete Lotzmann nur Bach. Die „Chromatische Fantasie und Fuge“ (BWV 903) erklang mit silbrig perlenden Läufen, stellte Fragen, ließ Trauer, Schmerz und Leid spüren – für die damalige Zeit fast revolutionär, denn Musik sollte nur dem Vergnügen dienen. Als Abschluss nach so viel Musik- und Wissensvermittlung spielte der Cembalist die „Aria“ aus den Goldbergvariationen – J.S. Bach zum puren Genuss.