Auf einer bislang ungenutzten Freifläche des Unternehmens Saint-Gobain Performance Plastics Pampus im Schiefbahner Industriegebiet Am Nordkanal entsteht derzeit Willichs größte Freiflächen-Photovoltaik-Anlage: Rund 10.000 Quadratmeter an Solarmodulen sollen voraussichtlich ab Oktober Strom produzieren – und der fließt dann direkt über eine neu verlegte Mittelspannungsleitung in das rund 300 Meter entfernte Werk des Unternehmens. Mit im Boot sind die Stadtwerke Willich, die rund 1,2 Millionen Euro in die Anlage investieren.

Die Stadtwerke und Saint-Gobain Pampus haben miteinander vereinbart, dass die Stadtwerke vom Unternehmen die ungenutzte Freifläche pachten, dort eine Solaranlage errichten und den Strom in den kommenden 20 Jahren zu einem fest vereinbarten Preis direkt an das Werk liefern, teilen die Stadtwerke mit. „Wir benötigen in unserem Willicher Werk jährlich fast sechs Millionen Kilowattstunden an Strom, da bringt uns ein fester Preis in diesen volatilen Zeiten Planungssicherheit. Außerdem entfallen für den in der PV-Anlage produzierten Strom die Netzentgelte, wir sparen Umlagen und Abgaben. Vor allem aber leisten wir einen Beitrag zu den kommunalen Klimazielen durch vollständig aus Sonnenenergie erzeugten Strom“, so Oliver Otto, Projektleiter bei Saint Gobain Pampus. Die Anlage soll jährlich rund 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren – mehr als ein Fünftel der Energie, die das Werk benötigt.

Für die Stadtwerke ist es das erste Projekt dieser Art, an der Umsetzung habe man rund drei Jahre lang gearbeitet. Die Kombination aus gesicherten Einnahmen und reduzierten Kosten mache das Modell für den kommunalen Energieversorger wirtschaftlich reizvoll, so Stadtwerke-Projektleiter Mario Sagner. Kosten spare man unter anderem für Handel und Vermarktung.

Die Anlage sei auf maximalen Eigenverbrauch ausgerichtet: Auch zu Spitzenzeiten produzierter Strom, etwa mittags bei strahlendem Sonnenschein, könne von Saint-Gobain Pampus nahezu vollständig verbraucht werden — nur wenig Strom fließe zu niedrigeren Konditionen ins Netz. „Damit der Strom möglichst gleichmäßig produziert wird, haben wir die Module nach Ost-West ausgerichtet“, sagt Projektleiter Mario Sagner. „So lassen sich auf der Fläche auch mehr Module unterbringen.“ 1935 Stück werden es insgesamt sein.

Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Tafil Pufja, sieht das Modell als ein wichtiges Geschäftsfeld: „Lokale Betriebe wissen es sehr zu schätzen, wenn Solarstrom in der Region erzeugt wird. Und auch bei Neuansiedlungen ist das ein bedeutsamer Standortfaktor.“ Insofern habe man durch die Kooperation mit Saint-Gobain Pampus wichtige Erfahrungen gesammelt, die sich multiplizieren ließen. Derzeit prüften die Stadtwerke zwei weitere Freiflächen, die ebenfalls als „Onsite Power Purchase Agreement“, wie das vertragliche Konstrukt heißt, möglich wären: eine in Anrath, die zweite in Alt-Willich.

Dabei sei das Geschäftsfeld durchaus anspruchsvoll, so die Stadtwerke. Denn solche Projekte seien kapitalintensiv und binden das Geld über lange Laufzeiten. Unternehmen, die sich für einen Vertrag über die Vor-Ort-Stromabnahme interessieren, sollten drei Faktoren in den Blick nehmen, so die Stadtwerke: die Gesamtmenge der jährlich verbrauchten Kilowattstunden Strom, die Eigenverbrauchsquote und eine geeignete Fläche. „Das kann eine Freifläche mit Bebauungsplan sein oder eine Dachfläche. In jedem Fall schauen wir uns immer alle drei Faktoren an und entscheiden, ob ihre Kombination passt“, so Sagner.