Am Wall in Elberfeld hat das Von der Heydt-Museum am Mittwoch das Brennscheidt-Forum eröffnet. Es handelt sich um einen 120 Quadratmeter großen Multifunktionsraum in einem ehemaligen Ladenlokal, direkt vor der Bushaltestelle „Am Wall“.
Für Veranstaltungen und Formen der Kunstvermittlung sei bislang das Forum unterhalb des Museumsfoyers genutzt worden, erklärt Roland Mönig, Direktor des Von der Heydt-Museums. Dort sei zwar Platz für viele Menschen, aufgrund der Integration in die Ausstellungsräume sei jedoch das volle Sicherheitskonzept nötig, außerdem würden Veranstaltungen parallel zum Besuchsverkehr laufen. „Was uns seit Jahrzehnten gefehlt hat, ist ein Raum, der unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums existiert.“
Dies könne nun das Brennscheidt-Forum leisten. Angedacht sind Vorträge, Lesungen, kleine Konzerte, Tanz- oder auch Filmabende, Podiumsdiskussionen, Workshops und wissenschaftliche Tagungen. Der Name sei „eine Verbeugung vor dem wichtigsten Förderer, der dies möglich gemacht hat“, hebt Mönig hervor. Er erinnert an den Wuppertaler Unternehmer und Stiftungsgründer Heinz-Olof Brennscheidt.
Empore bleibt aus Gründen des Denkmalschutzes bestehen
Der Raum zeichnet sich durch ein minimalistisches Industriedesign aus: grauer Betonboden, weiße, zum Teil grob verspachtelte Wände, die Deckenverkleidung besteht aus Leichtbauplatten. Die Holzstühle im skandinavischen Design sind mit Sitzkissen ausgestattet. Wie Roland Mönig ankündigt, seien bei einer Vollauslastung 60 Sitzplätze oder 200 Stehplätze möglich. Im hinteren Teil gibt es eine Holzbar, eine kleine Garderobe sowie eine barrierefreie Toilette. Auf den ersten Blick irritierend ist die Empore, zu der eine Stahltreppe führt und die wie ein Zwischengeschoss wirkt. „Zwei seitliche Emporen wurden entfernt, um der Nutzung des Raumes gerecht werden zu können.“ Die hintere Empore jedoch sei aus Denkmalschutzgründen erhalten geblieben. „Wir wollten damit auch die Verwandlung des Ortes präsent halten.“ Nach den Vorstellungen des Museums könnte die Empore für Kunst oder Performances genutzt werden, die Treppe als szenische Rampe dienen, denn auch Theater ist hier vorstellbar.
Bis 2016 war am Wall mit der Hausnummer 13 „Foto Leimberg“ ansässig. Zuerst betrieben als Drogerie, konnte es sich zuletzt nur noch als Fotofachgeschäft über Wasser halten. „Es ist schon unglaublich, dass es zehn Jahre gedauert hat, bis diese Räume wieder nutzbar gemacht werden konnten“, sagt Joachim Schmidt-Hermesdorf, Vorstand der Brennscheidt-Stiftung. Grundsätzlich, so erklärte Roland Mönig bereits im Jahr 2021 gegenüber der WZ, müsse das Lokal „so in das komplizierte Raumprogramm des Hauses eingebunden werden, dass eine organische Lösung gefunden wird“. Zudem dürfte unter anderem der asbesthaltige Wandputz, der abgenommen wurde, eine Rolle gespielt haben. Später verzögerte sich die Übergabe durch das städtische Gebäudemanagement.
Die Stiftung hat die Räume, die „zum Ort der Begegnung“ werden sollen, wie Schmidt-Hermesdorf es formuliert, zunächst für zehn Jahre von der Stadt gemietet. Sie sieht das Forum, für dessen Sanierung sie rund 400 000 Euro zur Verfügung stellte, wie es zuletzt im Februar 2025 hieß, nicht nur wegen der Deckenhöhe bis zu 3,90 Meter als „offenen Raum“, da er sich auch zur Stadt hin öffne. Mitten in der Innenstadt, der Fußgängerzone und an einer der am stärksten frequentierten Bushaltestellen in Elberfeld. Durch die Doppelverglasung hört man die an- und abfahrenden Busse allerdings kaum, sodass Veranstaltungen nicht gestört werden. Die Planung lag in den Händen des Architekturbüros Sieber aus Düsseldorf. Geschäftsführer Joachim Sieber war unter anderem für den Umbau und die Sanierung des Düsseldorfer Kunstpalastes zuständig, der 2023 wiedereröffnet werden konnte.
Kommende Woche wird im Brennscheidt-Forum die erste Veranstaltung stattfinden. Das Von der Heydt Museum startet eine Reihe mit dem Titel „Museen im Dienste der Kunst“. Darin geht es laut Ankündigung um die Rolle von Museen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Auftakt ist am 9. September mit einem Gespräch zwischen Roland Mönig und Rainer Stamm, Direktor des Osthaus Museums Hagen. Weitere Termine folgen am 30. September (Zugänge zur Kunst), 14. Oktober (Objektbiografien ausstellen und vermitteln), 25. November (Von Schubladen, Wohnzimmern und Museen) und 9. Dezember (Wie sich das Museum ändert, wenn sich die Kunst ändert). Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Roland Mönig denkt derweil schon weiter: „Man könnte theoretisch eine Wand zum Erdgeschoss des Museums durchbrechen“, sagt er und zeigt einen Bauplan. Doch erst einmal muss sich das Forum selbst beweisen.