Wer in diesen Tagen bei Ingrid Filipczyk an der Lilienstraße in Kempen Flur und Arbeitszimmer betritt, sollte etwas Zeit mitbringen. Für ihre Galerieausstellung, die am Freitag, 4. September, um 19 Uhr mit einer Vernissage beginnt, hat die Kempener Künstlerin die Wände schon bestückt – mit einer Auswahl von Schwerpunktarbeiten, die „Wegmarken“ für sie sind. So lautet der Titel der Ausstellung; die „Wegmarken“ beschreiben Richtungswechsel, die sie in ihrem künstlerischen Schaffen erlebte.

Die Kempenerin studierte von 2002 bis 2007 Malerei, Grafik und interdisziplinäre Arbeit bei Stephan Paul Schneider sowie Fotografie bei Thomas Zika an der Freien Akademie der bildenden Künste in Essen. Von 2008 bis 2009 absolvierte sie ein Postgraduiertenstudium der Fotografie, Medien und interdisziplinären Arbeit bei Nicola Schrudde in Essen, von 2018 bis 2025 studierte sie Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Kunstinteressierte aus Kempen und Umgebung werden sich an viele Ausstellungen erinnern, die Filipczyk in der Kempener Altstadt zeigte, zunächst in der Produzentengalerie „Artedos“ an der Moosgasse 1c, dann in der Produzentengalerie und Ateliergalerie „dreivier“ an der Moosgasse 9. Auch weitere Künstler stellten dort aus. Anfang des Jahres war Schluss: Als das Haus modernisiert werden sollte, zog Filipczyk nach zehn Jahren einen Schlussstrich und beschloss, dorthin zurückzukehren, wo sie auch anfangs ausgestellt hatte: zu Hause an der Lilienstraße, wo immer ihr Hauptstandort war und sie im Atelier in Ruhe arbeiten konnte.

Zur Neuausrichtung mit Standortwechsel hat sie nun Arbeiten ausgewählt, die ihren künstlerischen Weg beschreiben sollen. Im Flur hängt im Treppenabgang beispielsweise eine Arbeit, die aus mehreren Modulen besteht. So, wie sie jetzt hänge, hänge sie nicht immer, „man kann damit spielen, und das tue ich auch“, sagt sie schmunzelnd. Eine Vierteldrehung in der Hängung schenkt auch bei anderen Werken im Arbeitszimmer immer wieder neue Ansichten. Die Arbeiten über dem Klavier kann man sogar ganz nach Belieben drehen, sie zum Beispiel auf die Spitze stellen. Groß sind Flur und Arbeitszimmer nicht, doch Filipczyks Ideen kennenlernen können Besucher durchaus: In Ordnern ist weit mehr zu sehen als an den Wänden.

Geöffnet ist die Ausstellung in der Produzentengalerie an der Lilienstraße 182 in Kempen nach der Vernissage am Freitag dann bis zum 26. September, freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr, sowie nach Vereinbarung. Mehr erfahren Interessierte unter www.ingrid-filipczyk.de. Am Wochenende, 5. und 6. September, öffnet Filipczyk im Rahmen der Tage der offenen Gartenpforte auch ihren Garten. An beiden Tagen können Besucher von 11 bis 17 Uhr durchs Gartentörchen kommen, „,meine kleine Parklandschaft“ mit Sträuchern, Stauden und Teich besichtigen und die Ausstellung sehen. Zum ersten Mal nehme sie an der offenen Gartenpforte teil, erzählt die Künstlerin, „als Anreiz für die Kempener, die mich aus der Altstadt kennen und sich fragen, wo ich jetzt bin“, fügt sie an. Sie könnten gern mal gucken kommen, sagt Filipczyk: „Ich mache weiter. Nur woanders.“