Borussia Mönchengladbach durfte am Deadline-Day des sommerlichen Transferfensters lange auf eine Millionen-Einnahme hoffen. Der Ex-Gladbacher Manu Koné war im Fokus des FC Chelsea als Ersatz für Enzo Fernandez, der Chelsea Richtung Manchester City verlässt. Chelsea hatte wegen Koné Kontakt zur AS Rom aufgenommen, wo der Franzose jetzt spielt.
Konés Marktwert wird aktuell auf 50 Millionen Euro taxiert, eine Ablösesumme von 60 Millionen Euro stand im Raum. Borussia, die ihn 2024 für 18 Millionen Euro zur AS Rom transferierte, hat nach Informationen unserer Redaktion eine Weiterverkaufsbeteiligung, die um die zehn Prozent des Gewinns der Römer bei einem Verkauf liegen dürfte. Das wären in der genannten Zahlenkonstellation rund vier Millionen Euro gewesen.
Allerdings stimmten Roma-Bosse dem Wechsel nicht zu. Chelsea schwenkte am späten Dienstagabend um: Monacos Lamine Camara sollte der Fernandez-Nachfolger werden. Doch auch der Deal platzte noch. Für Borussia war indes nur der Nicht-Wechsel Konés relevant.
Ob Borussia noch Spieler abgeben wird, ist weiter offen. Was Joe Scally und Tomas Cvancara unterscheidet: Der US-Amerikaner hat in dieser Saison bereits einen Pflichtspieleinsatz hinter sich. Die Verletzung von Daiki Hashioka sorgte dafür, dass er bei Borussias 0:3 bei RB Leipzig zum Einsatz kam. Das ist bei Cvancara nicht mehr denkbar. Der tschechische Stürmer wird, egal was in diesem Transferfenster passiert, nicht mehr für Gladbach spielen.
Was möglichst auch nach dem 1. September passieren soll: Sportchef Rouven Schröder will beide Spieler noch abgeben und damit zwei teure Posten von der Gehaltsliste streichen. Bei Scally, dessen Vertrag 2027 endet, wird es allein um einen Verkauf gehen. Ob der Marktwert von sieben Millionen Euro der Maßstab für die Ablösesumme sein wird, ist fraglich. Gladbach würde ihn wohl deutlich unter dieser Summe abgeben.
Bei Cvancara würde maximal die Hälfte des Scally-Marktwertes aufgerufen werden können, und ganz realistisch wird es beim Stürmer wohl nur um ein Leihgeschäft gehen. Dafür hat Schröder in dieser Personalie keinen Druck, anders als vermutlich bei Scally.
Der würde künftig gern in der Premier League spielen, das hat er wissen lassen, die Anfrage, die zuletzt von Olympique Marseille kam, war nicht seine Kragenweite. Die Gerüchte um den AFC Bournemouth und den FC Fulham haben sich bisher nicht erhärtet. Alternativen lägen bei ihm wohl nur in den Top-Fünf-Ligen – und die schlossen alle am Dienstag das Transferfenster.
Die Frage bei Scally: Wo sieht er sich selbst?
Die Frage bei ihm ist auch: In welcher Schublade sieht er sich selbst? Möglich, dass seine Selbsteinschätzung mit der der entsprechenden Klubs nicht übereinkommt.
Da Scally nun aber weiß, dass er aktuell erst mal gar nicht so schlechte Einsatzchancen hätte, da Hashioka und auch Yukhym Konoplia verletzt sind, ist der Druck auf ihn, den Verein zu wechseln vielleicht etwas geringer. Dass er aber abgegeben werden soll, das hat sich durch die Personallage hinten rechts nicht geändert. Am Dienstag war er in Gladbach indes beim Training dabei, da war klar: Er bleibt.
Bei Cvancara, der beim Training fehlte, spielt Schröder auf Zeit, er verspürt keinen Deadline-Day-Druck. „Für unsere Abgänge sind noch andere Transferfenster auf. Dienstagabend um 20 Uhr ist also nicht Schluss. Wir haben noch Fenster, die teilweise bis zum 15. September geöffnet sind“, sagte Schröder zuletzt in Leipzig.
Die Gerüchte um das Interesse des dänischen Meisters Aarhus GF haben sich bis dato nicht konkretisiert, aber immerhin gehalten, der Kicker bestätigt Informationen unserer Redaktion. Ob Aarhus sich aber Cvancara und seine Gehaltsvorstellungen trotz der Conference-League-Teilnahme leisten kann oder will, wird in Dänemark zumindest infrage gestellt, das gilt auch für eine Leihe. Und ob es für Borussia interessant wäre, wenn sie bei einer solchen Leihe Teile des Gehalts weiter übernehmen müsste, sei ebenfalls dahingestellt. Gleichwohl bleibt Aarhus eine Option.
Das Ende einer Transferperiode kann aber immer noch mal Fahrt reinbringen in eine zuvor vielleicht erkaltete Geschichte, in Dänemark ist das Fenster jedenfalls bis zum 2. September offen. So ist es auch in den Niederlanden, Nordirland, Wales und Norwegen. Bis zum 3. September können Spieler zum Beispiel nach Österreich, Schottland, Belgien oder Ungarn wechseln.
Unter anderem die Türkei (4. September), Portugal (5. September), Saudi-Arabien (6. September), Kroatien (7. September), die Schweiz und Tschechien (8. September), Polen (9. September) oder Griechenland (15. September) lassen noch länger Wechsel in ihre Ligen zu.
Schröder hält es für eher unwahrscheinlich, dass Cvancara noch einmal in die Türkei wechselt. „Er hat da keine gute Erfahrung gemacht“, erinnerte er zuletzt an die vorzeitig beendete Episode bei Antalyaspor. Märkte, die für ihn interessant sein könnten, sind aber durchaus dabei.
Im Winter, als Cvancara aus Antalya zurückkam, kümmerte sich Schröder selbst intensiv um den Kontakt nach Schottland. Auch jetzt wird der Manager sein Netzwerk aktivieren, um mindestens den Tschechen zu einem anderen Klub zu transferieren.