Mit seinen Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen erfreut sich der Lesesaal auf Ebene 10 der Universitätsbibliothek am Campus Grifflenberg einer großen Beliebtheit unter den Studierenden. Auch in anderen Bereichen der Uni-Bibliothek wurde die Zahl der Arbeitsplätze erhöht. Im Hochschulentwicklungsplan (HEP) 2026 bis 2035 verspricht das Rektorat darüber hinaus: „Wir erweitern die Lesesäle und bauen das Angebot an studentischen Arbeitsplätzen aus.“

Lesesaal II sollte auf der Dachfläche der Ebene BZ.09 entstehen

Doch schon vor der Veröffentlichung des HEP wurde mit einem Projekt zum Bau eines zweiten Lesesaals begonnen. Im Rektoratsbericht 2021 wird dazu angekündigt: „Geplanter Baubeginn ist im Jahr 2022.“ Im folgenden Rektoratsbericht heißt es: „Das Projekt für die Realisierung des Baus eines zweiten Lesesaals in der Bibliothek wurde begonnen, mit dem Bau konnte allerdings nicht mehr im Jahr 2022 gestartet werden.“ Im Jahresabschluss 2024 der Wuppertaler Universität steht hingegen: „Abgang einer Anlage im Bau aus Vorjahren in Höhe von TEUR 312. Der Bau zur Aufstockung der Bibliothek wurde nicht weiterverfolgt.“

Auf der freien Fläche links sollte der Lesesaal II gebaut werden – Foto/Screenshot: Google Earth Studio

„Bei dem Betrag von 312.000 Euro handelt es sich um die bis zum Zeitpunkt der Projektunterbrechung tatsächlich angefallenen Planungskosten. Diese umfassen die vollständige Durchführung der Leistungsphasen 1 bis 5 nach Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), einschließlich der erbrachten Entwurfs- und Genehmigungsplanungen durch das beauftragte Architekturbüro“, erläutert eine Uni-Sprecherin auf blickfeld-Nachfrage. Weitere Informationen, etwa den Ort des Lesesaals – die freie Dachfläche der Ebene BZ.09 – sowie eine Renderaufnahme des Entwurfs, sind auf der Webseite des Architekturbüros Schamp & Partner zu finden.

Kosten und Nutzen standen „in keinem angemessenen Verhältnis“

Zu den Gründen, warum das Projekt nicht realisiert wurde, erklärt eine Uni-Sprecherin: „Im Rahmen der weiteren Planungsvertiefung zeigten sich deutlich höhere Anforderungen an die Statik sowie an den Brandschutz für die geplante Stahlkonstruktion. Diese zusätzlichen Anforderungen hätten zu erheblichen Mehrkosten geführt.“ Internationale Krisen und daraus resultierende Lieferkettenstörungen hätten zudem die Baukosten um etwa 30 bis 40 Prozent erhöht. Auch sei es bei der Mehrheit der Bauunternehmen zu Engpässen bei wichtigen Baumaterialien gekommen. „Diese Marktlage führte zu tagesaktuellen, teilweise gar nicht mehr verbindlichen Preisangaben von Lieferanten und machte eine wirtschaftliche Realisierung der Maßnahme nicht mehr zielführend“, so die Uni-Pressestelle, die zusätzlich auf aktuelle Entwicklungen wie die sinkende Grundfinanzierung der Hochschulen durch das Land NRW hinweist. „Der geplante Raumgewinn von etwas über 400 m² Nutzfläche stand in keinem angemessenen Verhältnis zu den entstehenden Gesamtkosten.“

Unterstütze die CampusZeitung blickfeld

Schon ein kleiner Beitrag hilft uns, unseren Job noch besser zu machen! So kannst du uns unterstützen:

Abo per Steady, Einmalzahlung oder Anzeige

Damit wir unser Engagement ausbauen können, ist eure Unterstützung gefragt – für mehr Recherchen und Berichte.

Ihr könnt uns mit einem monatlichen oder einmaligen Beitrag unterstützen oder eine Anzeige schalten.

Abo per Steady | Einmalzahlung mit PayPal | Anzeige schalten

Zur CampusZeitung blickfeld:

Seit 2011 versorgen wir als unabhängiges Medium an der Bergischen Universität Wuppertal die Studierenden, Mitarbeiter/-innen und alle Interessierten aus dem Bergischen Städtedreieck und darüber hinaus mit Nachrichten vom Campus und aus dem Tal. Unsere Unabhängigkeit ist unsere stärkste Eigenschaft. Wir sind weder eine Zeitung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) noch eine Publikation unter der Schirmherrschaft der Universität. Damit sind wir keinen fremden Interessen verpflichtet, können frei Themen wählen und dabei auch unbequem werden. Mehr über uns …

Kommt der Lesesaal II in Zukunft doch noch?

Zugleich heben die Uni-Verantwortlichen hervor, dass das Projekt bei besseren Rahmenbedingungen, etwa durch Fördermittel, wieder aufgenommen werden könnte, da alle Planungsgrundlagen und der Bauantrag vollständig vorliegen – „ohne dass erneute Planungskosten in dieser Höhe anfallen“, so eine Uni-Sprecherin mit Blick auf die bislang ausgegebenen 312.000 Euro. Währenddessen möchte die Universitätsleitung die Sanierung und Modernisierung der bestehenden Bibliotheksflächen auf den Ebenen BZ.09 und BZ.10 vorantreiben. »mw«