Die Skulpturenhalle von Thomas Schütte neben der Raketenstation Hombroich besteht seit zehn Jahren. Zu diesem „Geburtstag“ schenkt sich Schütte die Wiederausstellung seiner Werkgruppe „Frauen“, die zuletzt 2013 im Folkwang Museum Essen zu sehen war. Eröffnet wird die Neusser Ausstellung am Sonntag, 6. September, (12 bis 17 Uhr). Parallel dazu wird die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ab dem 14. November im Düsseldorfer Ständehaus K21 eine große Einzelausstellung ausrichten. Vor zwei Jahren hatte bereits das MoMA in New York eine große Schütte-Retrospektive mit über 100 Werken ausgerichtet.
Keine Frage, der 71-jährige Thomas Schütte gehört heute zu den herausragenden Bildhauern seiner Generation. Kunsthistorisch wichtig: Nach der vorherrschenden Minimal und Concept Art hat er an der Menschenfigur festgehalten und Ende der 1990er-Jahre den weiblichen Akt wiederbelebt – obwohl die Gattung als umstritten und erledigt galt.
Der Ausstellungstitel „Frauen“ hilft nicht viel weiter. Denn Schütte macht keine inhaltlichen Aussagen, er zieht sich auf das Formale zurück: Ausgehend von kleinen Keramikmodellen hat er einige wenige ausgewählt, die er vergrößert und in verschiedenen Materialien wie Bronze, Stahl und Aluminium, teilweise mit Autolack überzogen, gießen lässt.
Nun zeigt er den Zyklus aus 18 Skulpturen erstmals wieder in der Skulpturenhalle. Dort wirkten sie dem Künstler zu aufgereiht. Er zog daraus die Konsequenz und zeigt jeweils nur ein Drittel der Skulpturen. Der Rest bleibt mit Tüchern verhüllt. Welche zu sehen sind, wechselt regelmäßig. Wer alle sehen will, muss also dreimal zu unterschiedlichen Zeiten die Ausstellung besuchen.
Für Thomas Schütte, der während seines Studiums bei Gerhard Richter und Fritz Schwegler an der Düsseldorfer Kunstakademie nie klassisches Aktzeichnen gemacht hat, sind die 18 Frauen-Gruppen ein zentraler Werkbereich. Er hat sich an Künstlern wie Matisse, Picasso und vor allem an Maillol orientiert. In Form und Material hat Schütte darauf eine zeitgenössische Antwort gegeben. Die Deformation mit verdrehten Körpern und fehlenden Köpfen bricht mit dem klassischen Ideal. Auch werden die liegenden Figuren nie auf einen Sockel gestellt, sondern auf Stahl-Tische. So wird die Figur nüchtern erfahrbar gemacht, aber nie erhöht oder gar erotisiert. Auch die Verdrehungen und unbequemen Körperhaltungen sind wohl nicht als Stellungnahme zur Unterdrückung von Frauen zu verstehen.
Info Die Ausstellung „Frauen – zehn Jahre Skulpturenhalle“ ist bis zum 11. April 2027 zu sehen. Eröffnung ist am 6. September von 12 bis 17 Uhr in der Halle Lindenweg/Berger Weg in Holzheim. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Eintritt: Fünf Euro.