„Wer braucht noch etwas Süßes?“ Ein Vater schaut in eine ganze Reihe aufgeregter Kinder, die gleichzeitig Popcorn, Nachos und Gummibärchen bestellen möchten. Es ist eine halbe Stunde vor Beginn der Premiere in Derching, vor dem Zelt des Circus‘ Barnum riecht es nach frischem Popcorn, die Reihen füllen sich langsam. Draußen stehen Autos mit Kennzeichen aus Augsburg, Friedberg und Aichach. Manche Familien sind zu Fuß aus Derching gekommen. „Ich komme ein andermal nochmal mit meiner Enkelin. Sie liebt Zirkus“, erzählt eine Besucherin, die mit ihrem Mann hier ist. LOhnt sich die Aifführung?

Für zweieinhalb Stunden wird der Platz an der Iglauer Straße zu einem Ort, an dem erstaunlich viele Welten zusammenkommen. Kleine Kinder mit leuchtenden Augen sitzen neben Großeltern, Jugendliche neben jungen Familien. Der Zirkus ist an diesem Abend ein Ort, an dem sich Generationen selbstverständlich unter einer großen Kuppel treffen. Dass Barnum als klassischer Familienzirkus funktioniert, zeigt sich nicht nur in der Manege. Hinter den Kulissen übernimmt fast jeder mehrere Aufgaben. Der Direktor begrüßt Gäste, Artisten helfen beim Aufbau, Clowns sind Musiker und Entertainer zugleich. Diese Vielseitigkeit prägt auch das Programm.

Circus Barnum in Derching: Artisten erhalten viel Applaus

Der Abend beginnt ungewöhnlich. Ein Künstler steht am Schlagzeug, wirft Bälle in die Luft und lässt damit anstelle der Drumsticks das berühmte Gitarrenriff von „Smoke on the Water“ entstehen. Den Rhythmus erzeugen allein die präzisen Treffer der Jonglierbälle. Das Publikum ist sofort dabei. Immer wieder übernimmt das italienische Clown-Trio der Saly-Family die Regie. Mal jonglieren sie, mal musizieren sie, mal müssen Zuschauerinnen und Zuschauer auf Kommando Glocken läuten. Die Nummern leben weniger von lauten Pointen als von Timing und Charme. Und das zieht bei Groß und Klein.

Dazwischen setzt Barnum auf eine klug abgestimmte Dramaturgie. Nach Tierbildern mit Pferden, Ponys, Kamelen und Wasserbüffeln folgt in der Pause die Einladung zur Tierschau. Viele Kinder ziehen mit ihren Popcorn-Eimern gleich weiter zu den Gehegen.

Nach der Vorstellung können Kinder auf Kamelen reiten

Ein erstes großes Raunen geht durch die Manege, als Juniorchef Juliano Kaiser acht Stühle zu einem schwindelerregenden Turm stapelt. Mit jedem Handstand wächst die Spannung sichtbar. Etwas später schwebt Melani Donnert an langen Seidentüchern scheinbar schwerelos unter der Kuppel. Es ist einer jener seltenen Momente, in denen es für einen Augenblick komplett still wird. Lang anhaltenden Applaus erhalten schließlich die kubanischen Artisten der Gruppe Los Nablos. Ihre Darbietung am russischen Barren verbindet spektakuläre Sprünge mit einer spielerischen Leichtigkeit.

Zum Schluss tritt Clown Gyula Saly noch einmal allein ins Licht und spielt „My Way“ auf der Trompete. Und plötzlich passt dieses eigentlich kitschige Lied ziemlich gut hierher. Vor dem Zelt wartet noch eine letzte Attraktion: Kinder können auf einem der Kamele eine Runde über den Platz reiten. Ein Angebot, das gut ankommt. Als die Besucherinnen und Besucher das Gelände verlassen, hört man aus Augsburg das Plärrer-Feuerwerk herüberschallen. Die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist groß. An diesem Abend aber genügt in Derching eine Manege – und die Kunst, Menschen staunen zu lassen.

Tickets und Termine für Circus Barnum

Circus Barnum gastiert bis einschließlich Sonntag, 6. September, auf dem Platz an der Iglauer Straße in Derching. Vorstellungen sind mittwochs und donnerstags um 17 Uhr, freitags um 19.30 Uhr, samstags um 16 und um 19.30 Uhr. Sonntags findet eine Vorstellung um 11 Uhr statt. Tickets sind an der Kasse oder unter www.circus-barnum.de erhältlich.