Als Heinz Kuypers’ Frau Karin 1999 einen schweren Schlaganfall erlitt, veränderte sich das Leben des Ehepaares grundlegend. Heute ist Kuypers 78 Jahre alt und kümmert sich noch immer Tag und Nacht um seine Frau. Weil es im Kreis Heinsberg keine passende Selbsthilfegruppe gab, gründete er 2002 selbst eine. Für sein langjähriges Engagement ist er nun für den Motivationspreis 2026 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert.

Juni 1999 ist für Heinz Kuypers bis heute ein einschneidendes Datum. Der damals 51-Jährige war bei der Arbeit, als seine Schwiegertochter anrief: Seine Frau Karin hatte einen schweren Schlaganfall erlitten. Nach der ersten Behandlung im Krankenhaus wurde sie per Hubschrauber nach Aachen gebracht. Vier Stunden vergingen, bis die richtige Behandlung erfolgte. „Damals war der Schlaganfall noch kein Notfall“, erinnert sich Kuypers. Für seine Frau hatte das schwere Folgen. „Die ersten zwei Jahre konnte sich meine Frau durch die Halbseitenlähmung nicht alleine bewegen und kaum sprechen“, erinnert sich der heute 78-Jährige. Die Lähmung einer Körperhälfte ist geblieben, das Sprechen fällt ihr bis heute schwer.

Für Kuypers wurde die Situation zu einer enormen Belastung. Zwei Jahre lang konnte er seinen Beruf als Justizwachtmeister am Amtsgericht noch ausüben. Gleichzeitig kümmerte er sich um Haushalt und Pflege. Schließlich geriet er selbst an seine psychischen und körperlichen Grenzen, war in Behandlung und stand kurz vor einem Burnout. Er musste vorzeitig in Pension gehen. Weil das gemeinsame Haus noch nicht abbezahlt war und er bei der Pension finanzielle Einbußen hinnehmen musste, kamen weitere Sorgen hinzu. „Hauptsache war, dass ich meine Frau unterstützen konnte“, sagt Kuypers. Als er schließlich rund um die Uhr zu Hause war, wurde vieles leichter – für beide.

Gleichzeitig erlebte er, wie isoliert sich pflegende Angehörige fühlen können. Eine Selbsthilfegruppe hätte dem Ehepaar damals Halt geben können. Doch die nächsten Angebote gab es in Mönchengladbach und Aachen – für die beiden zu weit entfernt. Über seine Frau lernte Kuypers Evelyn Pfister kennen. Pfisters Schwägerin hatte einen Schlaganfall erlitten. Schnell stellten die beiden fest, dass sie vor ähnlichen Problemen standen. Im März 2002 gründeten sie deshalb eine eigene Selbsthilfegruppe im Kreis Heinsberg. „Seither hat sich die Gruppe wunderbar entwickelt“, sagt Kuypers. Wichtig sei ihm, dass sich alle wohlfühlten. Die Mitglieder nähmen Anteil daran, wenn es jemandem besser gehe – aber auch, wenn es einmal nicht so gut laufe.

Heute trifft sich die Gruppe an jedem dritten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr im Pfarrheim St. Johannes der Täufer in Hückelhoven-Ratheim. In den ersten Jahren kamen regelmäßig Fachleute zu unterschiedlichen Themen hinzu. Heute steht vor allem das Miteinander im Mittelpunkt. Sommerfeste, Bingo-Nachmittage und Weihnachtsfeiern gehören zum Jahresprogramm. „Die Gruppe hält zusammen und gibt auch mir und meiner Frau unheimlich viel Halt“, betont Kuypers.

Auch die Lebensqualität des Ehepaares hat sich nach und nach verbessert. Karins Gleichgewicht hat sich gebessert, kleinere Einkäufe erledigt sie gemeinsam mit ihrem Mann. Für längere Strecken benötigt sie weiterhin einen Rollstuhl. Einmal im Jahr fahren die beiden mit ihrem Wohnwagen nach Valencia in Spanien. „Wenn wir zurückkommen, ist meine Frau gefühlt zehn Jahre jünger“, so Kuypers.

Seit rund zehn Jahren führt er die Gruppe allein. Mitgründerin Pfister musste sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen. Im kommenden Jahr steht nun ein besonderes Jubiläum an: Die Selbsthilfegruppe wird 25 Jahre alt. Für Kuypers ist das zugleich ein Anlass, langsam an die Zukunft zu denken. Er möchte die Organisation perspektivisch in jüngere Hände übergeben. Einen konkreten Nachfolgeplan gibt es bislang allerdings noch nicht. „Auf die kommenden Treffen freue ich mich jedes Mal aufs Neue“, sagt er.

Für seinen langjährigen Einsatz ist Kuypers für den Motivationspreis 2026 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert. Die Gütersloher Stiftung vergibt die Auszeichnung alle zwei Jahre an Menschen, die sich als Betroffene, Ehrenamtliche oder Fachleute in herausragender Weise für das Thema Schlaganfall engagieren. Die Nominierten sind Vorbilder und motivieren Betroffene, nach einem Schlaganfall ihren Weg zurück ins Leben zu finden. Die Preisverleihung soll im Dezember stattfinden.