Ole Book ist bei Borussia Dortmund noch kein halbes Jahr als Sportdirektor tätig. Beim ersten von ihm verantworteten Transferfenster des BVB beeindruckte der 40-Jährige aber gleich mehrfach.
Als am Dienstagabend das Transferfenster in Deutschland schloss, war für Ole Book der offiziell 163. Tag als Sportdirektor von Borussia Dortmund beendet. Am 23. März hatte der BVB den Nachfolger von Sebastian Kehl offiziell verpflichtet. Zwei Tage später saß er, laut eigener Aussage „nach drei Stunden und 15 Minuten im Amt“ auf dem Podium auf seiner Antrittspressekonferenz, flankiert von den beiden Geschäftsführern Lars Ricken und Carsten Cramer.
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Book sagte damals folgenden Satz: „Fleiß ist die Basis des Scoutings, Scouting ist die Basis der Kaderplanung, die Kaderplanung ist die Basis des Erfolgs des BVB. Deshalb sollten wir erst einmal mit Fleiß anfangen.“ Nun hat der 40-Jährige seine erste Transferperiode bei den Westfalen hinter sich gebracht – und mit seiner Herangehensweise sowie den getätigten Neueinkäufen mächtig Eindruck hinterlassen.
Zählt man den bereits vor zwei Jahren verpflichteten Justin Lerma dazu, der erst jetzt zum Team stieß, gab es insgesamt 17 Transferbewegungen bei der Borussia. Für knapp 110 Millionen Euro wurden sieben neue Spieler verpflichtet. Dem gegenüber stehen zehn Abgänge, die rund 40 Millionen Euro einbrachten. Dazu hat man massig an Gehalt gespart, laut Sport Bild rund 20 Millionen Euro.
Getty ImagesOle Book beeindruckte in seinem ersten Transferfenster beim BVB
In jeglicher Hinsicht also eine Menge Holz und viel Arbeit für Book, dem zusammen mit seinem Team um Referent David Blacha sowie den Scouts und Analysten ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt werden kann. Zumindest für den Moment und auf dem Papier.
Book beeindruckte dabei gleich mehrfach. Zwar ist die Geräuschkulisse um den BVB in Sachen Transfergerüchten seit Jahren beinahe unerträglich hoch, doch bei den tatsächlich getätigten Einkäufen sickerte in fast allen Fällen kaum etwas allzu frühzeitig durch. Das war in der Vergangenheit nur selten der Fall. „Ich freue mich, dass wir beim BVB die Reihen geschlossen halten, sodass nichts mehr nach außen dringt“, sagte Book im Juli bei Sky und wunderte sich über eine beachtliche „Fülle an Falschinfos“.
Das Auftreten des ehemaligen Elversbergers kommt zudem angenehm unaufgeregt daher. Book verzieht in seinen Interviews kaum eine Miene, bleibt stets gelassen, lässt sich nicht in die Irre locken und moderiert alle Themen souverän ab. Dennoch findet er auch deutliche Worte, wie etwa nach dem gescheiterten Deal mit Kölns Said El Mala.
BVB: Die Zugänge in der Saison 2026/27
Name
abgebender Verein
Alter
Ablösesumme
Konstantinos Karetsas
KRC Genk
18
30 Millionen Euro
Giannis Konstantelias
PAOK Saloniki
23
26 Millionen Euro
Joey Veerman
PSV Eindhoven
27
22 Millionen Euro
Joane Gadou
FC Red Bull Salzburg
19
19,5 Millionen Euro
Kaua Prates
Cruzeiro Belo Horizonte
18
7 Millionen Euro
Justin Lerma
Independiente
18
4 Millionen Euro
Ethan Nwaneri
FC Arsenal
19
Leihe
Getty ImagesOle Book zeigte sich beim BVB auf alle Transferszenarien vorbereitet
„Ich bin überhaupt nicht glücklich mit dem Begriff ‚Plan B'“, sagte er damals. „Wir haben immer verschiedene Spielerprofile und Qualitäten, die wir in unserer Mannschaft sehen möchten und die auf unterschiedliche Weise zusammenpassen. Wir arbeiten Tag und Nacht daran. Ich würde die anderen Optionen auch nicht ‚Plan B‘, ‚Plan C‘, ‚Plan D‘ oder Ähnliches nennen. Vielmehr haben wir einige Spieler im Blick, die unsere Mannschaft verstärken könnten.“
Genau dies ist der augenscheinlichste Unterschied zu Kehl. Book, der bei den Spielen wie sein Vorgänger auf der Bank Platzt nimmt, zeigte sich auf alle Szenarien sehr gut vorbereitet. Kaum war die Sache mit El Mala vom Tisch, präsentierte der BVB nur Tage später mit Giannis Konstantelias und Joey Veerman zwei Spieler, die mehr als nur Alternativen darstellen. Den ersten Eindrücken nach zu urteilen, gelang mit dem vielfach begehrten Konstantinos Karetsas ein echter Coup, auch der bereits im Mai geholte Innenverteidiger Joane Gadou ließ bereits großes Potenzial aufblitzen. Selbst nach Konstantelias‘ Verletzung hatte Book unter Zeitdruck und in Not im 19-jährigen Marcel Regula (Zaglebie Lubin) einen Backup in der Hinterhand, falls es mit der Leihe von Ethan Nwaneri nicht geklappt hätte.
Auch bedingt durch die Weltmeisterschaft startete der Transfermarkt diesen Sommer ziemlich zäh. Es bewahrheitete sich ein weiteres Mal, dass er erst richtig loslegt, wenn in England Geld locker gemacht hat. Dann treten allerorts Dominoeffekte ein und es gehen wie zuletzt gesehen noch zahlreiche Transfers in den finalen Tagen über die Bühne.
IMAGOWelche Baustelle im Kader des BVB konnte Ole Book nicht schließen?
Book hat sich von dieser speziellen Dynamik weder beeindrucken lassen, noch ließ er sich in Verhandlungen treiben. Vielmehr handelte er stets konsequent: Bei El Mala und dem anvisierten Deal mit Barcelonas Rechtsverteidiger Hector Fort stieg der BVB jeweils aus, weil man die geforderten Konditionen schlicht nicht mitgehen wollte.
Die nach der Leihe von Yan Couto offene Lücke hinten rechts ist die einzige Baustelle, die die Dortmunder nicht schließen konnten. Julian Ryerson und Daniel Svensson sind zwar sehr verlässlich und selten verletzt, doch im Fall der Fälle müsste man auf dieser Position arg improvisieren.
Davon ab hat Book aber einen Kader nach einem stringenten Plan gebaut – hier kommt das von ihm oft zitierte Stichwort „Passung“ ins Spiel -, der einen guten Mix aus Erfahrung und Talent darstellt. Ein Kader, der kleiner geworden ist, weniger an Gehalt verschlingt und dennoch stärker geworden sein müsste. Und dies, ohne einen Spieler aus den europäischen Top-5-Ligen fest zu verpflichten. Dortmund hat jetzt wieder einige junge und hungrige Profis im Team, die großes Potenzial haben und Werte schaffen können, „sodass wir auch in Zukunft dauerhaft gut dastehen“, wie Book sagte.
IMAGOTransferfenster des BVB löst bei Dortmunds Fans lang vermisste Euphorie aus
Mit dieser neuen, alten Transferstrategie löste der BVB bei Fans und Umfeld eine lang vermisste und sehr herbeigesehnte Euphorie aus. Der Glaube, dass mit Book am Transfer-Steuer endlich wieder etwas zusammenwachsen könnte, er ist zurück bei Schwarz-Gelb. Auch beim neutralen Beobachter sorgen die Neuen durchaus für viel Fantasie.
Zu denen gehört Book nach lediglich fünf Monaten Amtszeit gewissermaßen auch noch selbst. Naturgemäß konnte er innerhalb einer Transferperiode nicht alle Probleme beseitigen, die sich im Kader angehäuft haben. Macht Book aber mit seiner plausiblen Geschäftigkeit auf diese Weise weiter, dürfte die Mannschaft der Dortmunder in einem Jahr kaum mehr etwas mit jener aus dem Sommer 2025 zu tun haben.
„Es war nicht das Ziel, bei Borussia Dortmund zu arbeiten, sondern erfolgreich bei Borussia Dortmund zu arbeiten“, hatte Book im März bei seiner Vorstellung auf eine Frage zu seiner nur für den BVB gültigen Ausstiegsklausel gesagt. Damit steht und fällt bei allem berechtigten Lob für sein erstes Transferfenster die endgültige Bewertung von Books Arbeit. Denn der finale Teil seiner Antwort ist der entscheidende: „Dieses Ziel ist noch nicht erreicht.“
BVB: Die Abgänge in der Saison 2026/27
Name
Alter
aufnehmender Verein
Ablösesumme
Karim Adeyemi
24
FC Barcelona
22 Millionen Euro
Cole Campbell
20
SV Elversberg
6 Millionen Euro
Julien Duranville
20
Olympique Lyon
5 Millionen Euro
Yan Couto
24
Como 1907
Leihgebühr 3 Millionen Euro
Kjell Wätjen
20
FC Midtjylland
2,5 Millionen Euro
Julian Brandt
30
Ajax Amsterdam
ablösefrei
Salih Özcan
28
Besiktas
ablösefrei
Diant Ramaj
24
FC Kopenhagen
Leihe
Almugera Kabar
20
NEC Nijmegen
Leihe
Niklas Süle
30
–
Karriereende