
Wie schon zum Auftakt der US Open muss sich Alexander Zverev auch in der zweiten Runde durch fünf Sätze quälen. Sein Gegner aus Frankreich leistete erbitterten Widerstand.
Alexander Zverevs Traum vom zweiten Grand-Slam-Titel lebt. Der 29-Jährige hat auch in der zweiten Runde der US Open gegen Quentin Halys aus Frankreich mehr Mühe als erwartet und gibt erneut zwei Sätze ab. Dank einer starken kämpferischen Leistung zog Zverev am Freitagmorgen nach einem 6:4, 4:6, 7:6, 6:7, 6:3 letztlich aber verdient in die dritte Runde ein. Dort trifft er auf den Chilenen Alejandro Tabilo.
Zverev: „Die Performance war ziemlich schei…“
„Die Performance war ziemlich scheiße, um ehrlich zu sein, aber ich habe gewonnen, das ist das Wichtigste“, sagte Zverev: „Dafür gehe ich ins Gym, dafür trainiere ich, um in diesen schwierigen Momenten trotzdem zu gewinnen – dann, wenn du nicht dein bestes Tennis spielst.“ Er hoffe „aber schon, dass irgendwann anfange, besser zu spielen“.
Nach dem Fünf-Satz-Krimi in der ersten Runde gegen den Italiener Lorenzo Sonego wirkte Zverev dieses Mal zu Beginn deutlich konzentrierter. Der gebürtige Hamburger, der beim Warmspielen Probleme mit dem Handgelenk hatte, zeigte zwar kein Zaubertennis. Zverev konnte sich aber vor allem auf seinen Aufschlag verlassen, im gesamten ersten Durchgang gab er bei eigenem Service nur sechs Punkte ab.
Sein Gegenüber Halys hatte hingegen deutlich mehr Probleme mit dem Aufschlag und wehrte im Laufe des Satzes zunächst vier Breakbälle ab. Den fünften nutzte Zverev dann aber zum optimalen Zeitpunkt, ging mit 5:4 in Führung und brachte den Satz im Anschluss souverän ins Ziel.
Halys kommt aus dem Nichts zurück
Am Spielverlauf änderte sich auch im zweiten Durchgang zunächst nicht viel. Spektakuläres Tennis gab es selten zu sehen, dafür viele kurze Rallyes, immer wieder kleinere Fehler und oft das bessere Ende für Zverev. Halys, der oft zwischen Ass und Doppelfehler schwankte, musste insgesamt weniger Breakbälle abwehren und wirkte etwas stabiler. Trotzdem machte sich das Gefühl breit, dass Zverev das Ding schon schaukeln würde.
Was dann passierte? Der Deutsche vergab – erneut beim Stand von 4:4 – die Chance zum Break und zur Vorentscheidung in diesem Satz und gab dann völlig unerwartet seinen Aufschlag ab. Halys nutzte den ersten Breakball zum Satzgewinn, plötzlich war das Match offen.
Verrückter dritter Satz
Und es wurde zunächst noch schlimmer: Obwohl Zverev mit einem Break in den dritten Satz startete, verlor er in der Folge völlig den Faden. Während bei seinem Gegner plötzlich viel zusammenlief und vor allem die Vorhand immer besser wurde, haderte Zverev zunehmend mit sich und seinem Spiel. Er schimpfte in Richtung Box, schüttelte immer wieder sein offenbar schmerzendes Handgelenk und fand überhaupt nicht mehr ins Spiel. Folge: Zverev lag zwischen mit 1:4 zurück.
Erst nach dem Wechsel seiner durch die hohe Luftfeuchtigkeit komplett durchgeschwitzten Schuhe wurde Zverev wieder stärker und glich sogar aus. Beim Stand von 4:4 ließ er dann drei Breakbälle liegen und musste schließlich in den Tiebreak. Dort spielte Zverev dann seine Qualität und Nervenstärke aus holte sich den Satz doch noch.
Es wird zum Nervenspiel
Im vierten Satz beruhigte sich das Geschehen wieder etwas, beide Spieler brachten ihre Aufschläge zunächst souverän durch. Beim Stand von 2:3 vergab Zverev eine Break-Chance, beim Stand von 3:4 gleich zwei. Halys fand jeweils die richtige Antwort, die Entscheidung musste erneut im Tiebreak fallen. Und dort zeigte sich tatsächlich der Franzose nervenstärker und rettete sich in den fünften Satz.
In diesem machte es Zverev besser und nutzte den zweiten Breakball zur 3:2-Führung und bog damit vermeintlich auf die Siegerstraße ein. Halys gab sich zwar auch in der Folge nicht auf und leistete weiter erbitterten Widerstand. Zverev ließ sich aber nicht mehr vom Erfolg abbringen. Nach 4:40 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball und machte den Einzug in die nächste Runde perfekt. Wie viel Kraft Zverev nach zwei Partien und schon zehn Sätzen hat, wird sich aber zeigen müssen.