Markenhochhaus des Volkswagenwerks Wolfsburg.

Stand: 04.09.2026 10:32 Uhr

Der VW-Aufsichtsrat hat sich am Donnerstag überraschend auf einen Sparplan geeinigt: Insgesamt 100.000 Stellen sollen weltweit wegfallen. Wie es mit den Werken Emden und Hannover weitergeht, soll bis Ende Juni 2027 soll feststehen.

In den kommenden Jahren werden Volkswagen zufolge konzernweit weitere 50.000 Stellen gestrichen – darunter auch Management-Posten. Das sei notwendig, um die Ziele des Transformationsprogramms zu erreichen, teilte der Autobauer aus Wolfsburg mit. Eine genaue Aufteilung auf Marken, Länder und Standorte nannte der Konzern zunächst nicht. Bereits nach der Tarifrunde im Jahr 2024 hatten sich Vorstand und Betriebsrat auf den Abbau von 50.000 Jobs geeinigt. Die Volkswagen Group beschäftigt im gesamten Konzern – also über Deutschland hinaus – nach eigenen Angaben rund 663.000 Mitarbeitende. Vorstand, Arbeitnehmerseite und das Land Niedersachsen wollen nun gemeinsam nach Lösungen suchen.

Das Markenhochhaus am VW-Stammwerk in Wolfsburg spiegelt sich in einer Pfütze.

Konzern-Umbau

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VW-Werke in Hannover und Emden ohne Folgebelegung

Für die VW-Werke in Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm fehle eine Folgebelegung. „Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“, hieß es. Der Zukunftsplan schaffe die Voraussetzungen, um den Volkswagen-Konzern und seine Marken leistungsfähiger und zukunftsorientierter aufzustellen. Die Umsetzung des Zukunftsplans sei nach Auffassung des Vorstands und des Aufsichtsrates zwingend erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns zu erhalten und für die Zukunft nachhaltig zu sichern. Der Sanierungsplan ist das nach VW-Angaben „strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group“.

Video:
„Jobs werden weiter bei VW abgebaut“, Bertil Starke, NDR, über den VW-Sparplan (3 Min)

Fokus auf beliebte Fahrzeugmodelle

Der Plan legt außerdem fest, die VW-Modellpalette um rund 50 Prozent sowie die Angebotskomplexität um rund 75 Prozent zu kürzen. Der Fokus soll auf attraktivste Fahrzeuge gelegt werden. Angestrebt werden zudem „schlankere Führungsstrukturen“ und „kürzere Entscheidungswege“. Außerdem teilte der Konzern am Donnerstagabend einen vom Aufsichtsrat beschlossenen Personalwechsel mit: Erika Rasch wechsele zu Oktober in den Konzernvorstand und übernehme den Bereich Personal. Als Personalvorständin folge sie auf Thomas Schäfer. Rasch kommt von der Robert Bosch Gruppe, dort verantwortete sie den Angaben zufolge zuletzt weltweit den Bereich Human Resources.

Treffen vorverlegt – keine weitere Aufsichtsratsitzung heute

Die einstimmige Einigung im VW-Aufsichtsrat kam am Donnerstagabend überraschend. Ursprünglich wollte das Kontrollgremium des Autobauers erst heute in Wolfsburg zusammenkommen und über das Sparpaket des Konzernvorstands in einer nicht-öffentlichen Sitzung beraten. Dieser Termin sei kurzfristig vorverlegt worden, hieß es laut Nachrichtenagentur dpa aus Konzernkreisen. Der Aufsichtsrat von Volkswagen wird heute nicht erneut zusammenkommen.

Die Gewerkschaft IG Metall und der Konzernbetriebsrat betonten am Donnerstagabend, mit der Einigung sei eine Eskalation verhindert worden. Der Vorstand müsse jetzt seine Hausaufgaben machen. „Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen war nicht zielführend“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist laut Benner und Cavallo vom Tisch. Der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen sei damit erfolgreich abgewehrt. „Kein Werk wurde aufgegeben, und entgegen mehrerer Medienberichte ist keine Werksschließung besiegelt“, betonten Benner und Cavallo. „Vielmehr müssen jetzt für alle Standorte konkrete Lösungen erarbeitet werden – dabei sehen wir weiterhin ausdrücklich den Vorstand in der Pflicht.“

Ministerpräsident Lies: Für alle Standorte Perspektive entwickeln

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zeigte sich nach der Einigung zufrieden. Man werde für alle Standorte langfristige Perspektiven entwickeln, erklärte er am Donnerstagabend. Angesichts des internationalen Wettbewerbs in der Automobilbranche sei es wichtig, dass jetzt ein gemeinsamer „Weg für die notwendige Transformation“ gegangen werde. Von dem Beschluss gingen „wichtige Signale“ aus: „Wir investieren kräftig in Zukunftsfähigkeit und wir verbessern die Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Lies.

Automobilexperte Bratzel: Sparplan allein wird VW nicht retten

Die angekündigten Sparmaßnahmen reichen nach Einschätzung des Autoexperten Stefan Bratzel nicht aus, um VW aus der Krise zu holen. „Einsparungen allein werden Volkswagen nicht retten“, sagte Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Zwar müsse VW „seine Kosten drastisch senken und das auch zügig“. Vier Werksschließungen seien übertrieben, so Bratzel, zwei sollten ausreichen, sagte er der Zeitung. Ob es dazu tatsächlich kommt, ist nach der Einigung aber völlig offen. Neben den Einsparungen solle VW mehr in neue Wachstumsfelder wie autonomes Fahren oder Robotik investieren, so der Experte. Das Unternehmen müsse nun mutiger werden und stärker ins Risiko gehen. „Nicht alles wird funktionieren“, sagte Bratzel der Zeitung weiter. Aber ohne einen „riesigen Mindset-Change“ werde VW kaum wieder wettbewerbsfähig werden.

Ferdinand Dudenhöffer im Interview.

Der umstrittene Sanierungsplan sieht den Abbau weiterer 50.000 Stellen vor. Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer mit Details.

Automobilexperte Dudenhöffer: Einigung ist „Zukunftsplan light“

Die Entscheidung über die vier von einer Schließung bedrohten Werke sei lediglich aufgeschoben, sagte der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer dem NDR Niedersachsen. Die Entscheidung über die Zukunft falle eben erst 2027. Dudenhöffer sprach von einem Waffenstillstand zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. Die am Donnerstag getroffene Einigung nannte er einen „Zukunftsplan light“. Beim nun vereinbarten Stellenabbau hält Experte Dudenhöffer betriebsbedingte Kündigungen für ausgeschlossen.

Einigung auf Sparplan nach Widerstand

Die Spar- und Zukunftspläne des Vorstandes waren bereits vor zwei Monaten im Aufsichtsrat behandelt worden. Damals scheiterten sie am Widerstand der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen. Im Nachgang war eine drohende Eskalation zwischen Vorstand, dem Land Niedersachsen als maßgeblichen Anteilseigner und der Arbeitnehmerseite befürchtet worden.

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Das VW-Logo neben Fahnenmasten am Eingang zum VW-Werk.

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Blick auf die Beschilderung zum VW-Werk in Emden.

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