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Uns auf Google folgenEine Taubenbrutwand am Hauptbahnhof, Angehörige des Vereins Maintauben und Stadttaubenmanager Dominik Legrum. Eine Taubenbrutwand am Hauptbahnhof, Angehörige des Vereins Maintauben und Stadttaubenmanager Dominik Legrum. © Stabsstelle Sauberes Frankfurt

Die Stadt eröffnet einen Brutplatz am Hauptbahnhof – und hält Geld fürs Stadttaubenprojekt zurück. Aber erst mal wird gezählt.

Wie viele Tauben gibt es in Frankfurt? Am Samstag, 12. September, will es die Stadt herausfinden und hat die Bevölkerung zum Zählen aufgerufen. Die Anmeldefrist ist verstrichen, die Registrierten treffen sich dann vormittags an der Hauptwache und schwärmen aus zu den beliebtesten Stadttaubentreffpunkten.

Klar ist schon jetzt: Es fehlen Taubenhäuser, um dem Tierschutz Genüge zu tun, die Tiere zu füttern und die Population sinnvoll zu begrenzen, indem Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden.

Abhilfe sollen – als Pilotprojekt – sogenannte Brutwände schaffen, die die Stadt, die Deutsche Bahn und das Tierschutzprojekt Maintauben zurzeit am Hauptbahnhof in Betrieb nehmen. Von den in Parzellen eingeteilten Wand-Installationen versprechen sich die Partner einen erleichterten Eiertausch und die tierschutzgerechte Betreuung am zentralen Standort. Der Verein Maintauben habe an Brutplätzen rund um den Hauptbahnhof in den vergangenen fünf Jahren bereits etwa 10.000 Eier ausgetauscht. Mit großem Aufwand: Viele Nistplätze sind an schwer erreichbaren Stellen. Die neuen Brutwände bieten Platz für etwa 50 Taubenpaare. Wie sich der Standort entwickelt, beobachten der Verein und Stadttaubenmanager Dominik Legrum in den kommenden Monaten.

Ein Vielfaches an Tauben beherbergt der Verein Stadttaubenprojekt auf seinem Gnadenhof für gestrandete Vögel in Oberrad. Nach der Schließung fast aller Taubenschläge an städtischen Gebäuden in den vergangenen Jahren platzt der Hof aus allen Nähten. Der Verein möchte die Volieren ausbauen und braucht dafür Geld. Zuschüsse für die Renovierung nicht nur dort, sondern auch für die Tierheime Fechenheim, Nied und für die Wildtierfreunde Hanau hatte der Ortsbeirat 1 bereits 2025 beantragt. Die erwünschten insgesamt 200.000 Euro halbierte der Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordneten im März. Auf die anteiligen 25.000 Euro wartet das Stadttaubenprojekt bis heute. Woran das liegt, wollte der Stadtverordnete Johannes Volker Schmidt in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments erfahren. Zur Antwort erhielt er aus dem Ordnungsdezernat: Es solle „eine tragfähige Perspektive entwickelt werden, wie bestmöglich Kapazitäten zur Versorgung kranker und verletzter Stadttauben geschaffen werden können“. Die Bedarfe würden zurzeit geprüft; eine Auszahlung des Geldes sei erst danach möglich.

„Ich halte die Antwort, aber auch das Vorgehen insgesamt, ehrlich gesagt, für eine Dreistigkeit“, sagt Grünen-Parlamentarier Schmidt dazu: „Das Stadttaubenprojekt versorgt seit Jahrzehnten kranke und verletzte Tiere, übernimmt damit eine städtische Pflichtaufgabe, wobei nur etwa zehn Prozent der Kosten von der Stadt übernommen werden – und der Magistrat verweigert die Auszahlung eines Zuschusses, der von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen war.“ Ein Sprecher des Ordnungsamts bestätigte auf FR-Anfrage, noch im September seien Gespräche zwischen dem Ordnungsamt und der Stabsstelle Sauberes Frankfurt anberaumt. „Bis zum Abschluss der Gespräche/Prüfung erfolgt keine Auszahlung.“

Das Stadttaubenprojekt in Oberrad antwortet derweil auf Anfragen, es könne keine Tauben mehr aufnehmen. „Unsere Kapazitätsgrenze ist überschritten und wir müssen einen Aufnahmestopp ausrufen“, heißt es bei dem Verein von Gudrun Stürmer, Trägerin des Hessischen Tierschutzpreises und der Frankfurter Bürgermedaille. In Notfällen möge man sich ans Tierheim wenden, an den Verein Maintauben oder an Stadttaubenmanager Dominik Legrum.