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Berlin – Es sind nur wenige Minuten, dann läuft um 15.35 Uhr das Erpresser-Ultimatum gegen das Land Berlin ab. Wenn bis dahin nicht 30 Bitcoins im Wert von 2 Millionen Euro auf ein anonymes Konto überwiesen worden sind, will die Hacker-Gruppe Rhysida sensible Daten aus der Verwaltung im Umfang von 5,7 Terabyte im Darknet veröffentlichen.

Laut Senatsverwaltung wurden zwischen dem 7. und 12. August Daten von Bürgern, Unternehmen und Sicherheitsbehörden gestohlen. Sie stammen aus dem Netz der Senatsverwaltung Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie Stadtentwicklung. Bislang ist der Senat auf diesen Erpressungsversuch nicht eingegangen.

Russland soll hinter dem Hacker-Angriff stehen

BILD konnte im Darknet, in dem die Hackergruppe eine Versteigerung durchführen will, Einsicht nehmen. Darin veröffentlichte sie wie in einem Katalog, was in den Datensätzen enthalten sein soll. Diese Informationen sollen höchst brisant sein. So behauptet Rhysida, im Besitz von 1,44 Millionen Dateien zu sein. Darunter 46.522 Verträge, 5941 Passwörter, 16.389 E-Mail-Adressen und 5000 Personalakten.

Rhysida behauptet im Besitz dieser sensiblen Daten zu sein. Jeder kann auf der Darknet-Seite mitbieten

Rhysida behauptet, im Besitz dieser sensiblen Daten zu sein. Jeder kann auf der Darknet-Seite mitbieten

Foto: Privat

Besonders gefährlich: Eine Krisenanalyse über die kritische Infrastruktur, Unterlagen des Verfassungsschutzes, Pass- und Ausweisdaten, interne Ermittlungen des Landeskriminalamtes und des Staatsschutzes sollen auch dabei sein.

Wer sind die Erpresser?

Laut Experten handelt es sich bei Rhysida um eine Gruppe, die Verbindungen nach Russland haben soll. Auf der Seite im Darknet kann man sehen, was passiert, wenn nicht gezahlt wird. Zynisch kommentieren die Hacker: „Viel Spaß damit, Datenjäger.“ Sie wollen die gehackten Daten aus Berlin für jedermann zum Herunterladen veröffentlichen. Dass sie es ernst meinen, zeigt ein Angriff auf die Stuttgarter Verwaltung. Im letzten Mai entwendeten die Kriminellen 383.710 Daten und veröffentlichten sie, nachdem das Lösegeld offenbar nicht bezahlt wurde.

So werden die Daten aus Stuttgart im Darknet umsonst zum Runterladen angeboten, da das Lösegeld nicht bezahlt wurde. Stuttgart sollte 5 Bitcoins bezahlen, das waren damals 333.000 Euro. Die Landeshauptstadt hat das nie dementiert oder bestätigt

So werden die Daten aus Stuttgart im Darknet umsonst zum Runterladen angeboten, da das Lösegeld nicht bezahlt wurde. Stuttgart sollte 5 Bitcoins bezahlen, das waren damals 333.000 Euro. Die Landeshauptstadt hat das nie dementiert oder bestätigt

Foto: Privat

Vier Auktionen laufen derzeit online, 263 Firmen und Verwaltungen wurden gehackt. Senatssprecherin Christine Richter sagt, die Behörden werden auf die Entwicklungen reagieren. Ein Sprecher der Senatskanzlei zu BILD: „Es liegen derzeit keine Erkenntnisse vor, dass das Landesnetz noch infiltriert ist. Die forensischen Untersuchungen dauern aber an. Gegenstand der Untersuchungen ist auch, ob möglicherweise weitere Daten abgeflossen sind.“

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU)

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU)

Foto: Fabian Sommer/dpa

Zuvor hatte es der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) abgelehnt, Lösegeld zu zahlen, und gesagt, Berlin lasse sich nicht erpressen.

Hacker-Gruppe erpresst weltweit

Ein Rhysida ist ein giftiger Tausendfüßler aus Südamerika. Die Hackergruppe wählte diesen Namen offenbar bewusst als Metapher für ihre Schadenssoftware – die wie ein giftiger Hundertfüßer unbemerkt durch die IT-Infrastrukturen läuft und die Systeme infiziert.

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Die Gruppe hat es nicht nur auf große Städte und Verwaltungen abgesehen, sondern nimmt auch kleinere Unternehmen, vor allem in den USA, ins Visier. So erpresste sie laut Darknet auch amerikanische Handwerkerbetriebe, Kleinstadtverwaltungen und Medizinunternehmen. Teilweise wurde laut Gruppe Lösegeld gezahlt. Unter dem Namen der erpressten Firma prangt dann in fetter roter Schrift: „Sold“ („Verkauft“).