
Bundestrainer Jürgen Klopp schaut sich auf einer Rundtour nicht nur Spiele an, sondern besucht die Bundesligisten auch beim Training. Im Kader kündigen sich erste Überraschungen an.
Stuttgart ist eine logische Station bei der Rundreise von Jürgen Klopp. Zum einen ist das Ländle die Heimat des neuen Bundestrainers, auch wenn sein Wohnsitz inzwischen Wiesbaden ist. Zum anderen hat der VfB Stuttgart eine ganz Reihe von Kandidaten in seinem Kader, die beim Neuaufbau der Nationalmannschaft eine Rolle spielen könnten. Deshalb soll nicht nur der Besuch des Bundesliga-Heimspiels der Schwaben gegen den 1. FC Köln (Freitag 20.30 Uhr, Live-Ticker und Audiostream auf sportschau.de) auf dem Programm stehen, sondern schon unter der Woche schaute Klopp in Stuttgart beim Training vorbei. Zur Freude von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.
„Es war das erste Mal, dass ich ihn kennenlernen durfte. Wir haben uns sehr gefreut über das Treffen“, erzählte der Stuttgarter Coach. Klopp hatte bereits das Eröffnungsspiel beim FC Bayern (1:5) gesehen und anschließend den Münchnern mit Trainer Vincent Kompany einen Besuch abgestattet. Der 59-Jährige macht das, was seine Vorgänger Julian Nagelsmann, Hansi Flick und vor allem Joachim Löw nicht immer sehr intensiv pflegten: sich vor Ort austauschen, Präsenz in den Stadien zeigen.
Eine Stunde Austausch mit Sebastian Hoeneß
Müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit für einen Bundestrainer sein. Klopp war lange weg aus dem Alltagsgeschäft Bundesliga, auch das erklärt seine intensive Inspektionstour. Seine offene Art stößt auf viel Zustimmung, manche Zukunftsperspektive wird dieser Tage schon mit Trainern und Spielern besprochen, wie Hoeneß verriet.
Beim VfB sind ja nicht nur Angelo Stiller, Jamie Leweling, Deniz Undav und Maximilian Mittelstädt interessant, sondern auch Neuzugang Dzenan Pejcinovic, der als laufstarker Mittelstürmer vielleicht eher ins Konzept passt als Klubkollege Undav.
Kurz darauf wiederholte Klopp die Prozedur auch bei Eintracht Frankfurt als Zaungast bei einem Training im Schatten der Arena. Erkennbar auf allen Bildern die gute Laune, die der ehemalige Bundesligatrainer des FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund mitgebracht hatte. Da gab es einen Bizeps-Vergleich mit Can Uzun, einen Plausch mit Weltmeister Mario Götze und auch eine längere Unterhaltung mit Younes Ebnoutalib.
Younes Ebnoutalib könnte auch für Marokko spielen
Der Dreierpack des Draufgängers beim 1. FC Union Berlin (3:3) ist natürlich bis zum Bundestrainer vorgedrungen. Ob es im Gespräch um höhere Aufgaben ging? Eile wäre geboten, der 22-Jährige ist zwar ein waschechter Frankfurter Bub, dürfte auch für Marokkos Nationalelf auflaufen, spielte dort einst in der U15-Auswahl. Auch der multikulturelle Background vieler Kandidaten kann bei der Nominierung eine Rolle spielen.
Klopp wird seinen ersten Kader am 17. September benennen. Vier Tage nach der Nominierung versammelt Klopp sein Aufgebot im DFB-Stammquartier in Herzogenaurach. Am 24. September steht in der Nations-League-Gruppenphase in Amsterdam gegen die Niederlande das mit Spannung erwartete Debüt an. Das erste Heimspiel folgt dann nur drei Tage später in Augsburg gegen Griechenland.
FC Augsburg hat viele Kandidaten
Insofern war es naheliegend, dass der Bundestrainer am Samstag nach seiner Verabschiedung von Red Bull in München direkt zum Bundesligaspiel FC Augsburg gegen Schalke 04 (3:0) am Sonntag (30.08.2026) weiterfuhr. Dort sprach Klopp wiederum mit FCA-Geschäftsführer Michael Ströll. Worum es ging?
„Es war ein reiner Spielbesuch, um sich Spieler anzusehen, aber sicher auch, um ein Gefühl fürs Stadion zu bekommen, weil das erste Heimländerspiel unter seiner Regie in Augsburg stattfinden wird“, verriet Ströll. „Jürgen Klopp war mit Liverpool bereits zu einem Europapokalspiel hier, jetzt kommt er in seiner neuen Funktion als Bundestrainer. Das ist eine schöne Klammer.“ Der 42-Jährige ist auch überzeugt, „dass wir einige Spieler haben, die kurz- oder mittelfristig eine Rolle in der deutschen Nationalmannschaft spielen können“.
Anton Kade ist gewiss ein Kandidat
Der früher auch für den DFB tätige FCA-Trainer Manuel Baum vertraut in seiner Stammelf etlichen deutschen Akteuren. So überzeugt Torwart Finn Dahmen bereits über einen längeren Zeitraum, der 28-Jährige stand bereits unter Julian Nagelsmann im DFB-Kader. Und dann ist da noch Wirbelwind Anton Kade, der vor Klopps Augen gegen Schalke überragte. Der 22-Jährige bringt viel mit, was zum „Heavy-Metal“-Stil des neue Bundestrainers passt: Tempo, Technik, Leidenschaft – und viel Potenzial. Klopps Prämisse: „Wer bei uns mitspielen will, da muss Gegenpressing mit dabei sein.“
Ströll würde sich hüten, dem Bundestrainer Ratschläge zu geben, sagt aber konkret über Dahmen und Kade: „Wir haben mit den beiden sicher zwei spannende, potenzielle deutsche Nationalspieler. Auch Noahkai Banks und Mert Kömür sind sehr interessant. Und mit Hennes Behrens haben wir ebenfalls ein junges Talent für die linke Seite.“ Der gebürtige Frankfurter spielt mit dem FC Augsburg am Sonntag in seiner Heimat gegen die Eintracht. Vielleicht gehört der 22-Jährige ja auch zu ominösen 57 Spielern, die auf einer ersten Sichtungsliste stehen.