Rund ein Dutzend Menschen sitzen auf Plastikstühlen an Tischen nebeneinander und sind in Gespräche vertieft. Um sie herum sind bunte Pflanzkästen aufgebaut, mehrere Hängesessel schwingen unter den Ästen eines Baumes. Leise Musik schallt aus einer Box. Die Menschen feiern an diesem Freitag das zehnjährige Bestehen der „Alten Tanke“ an der Kreuzung Kaiserstraße/Sittardstraße in Gladbach.

Idee aus der Nachbarschaft

Das Projekt war aus der Nachbarschaft heraus entstanden, um das Gelände in einen öffentlichen Treffpunkt zu verwandeln. „Entstanden ist das Projekt 2016 aus einem Frühjahrsputz der Nachbarschaft heraus“, sagt Mark Nierwetberg. Der Anwohner war seit der ersten Stunde des Projekts mit dabei, bei der Stadt ist er in der Stabsstelle Strategische Entwicklung tätig. „Dabei haben wir Spritzen gefunden, zudem gab es immer wieder Einbrüche und Diebstahl. Das wollten wir ändern“, sagt Nierwetberg.

So wurde die Alte Tanke geschaffen, benannt nach der BP-Tankstelle, die sich in den 50er-Jahren dort befand. Einen Teil der Kosten – 12.500 Euro – habe die Stadt übernommen. „Den Rest haben wir durch Muskelkraft geschafft“, sagt Stefan Sturm vom Quartiersmanagement Gladbach & Westend, der ebenfalls von Anfang an mit angepackt hat.

An einer bunt bemalten Wand hängen Bilder aus den vergangenen zehn Jahren der „Alten Tanke“. Diverse Veranstaltungen wie Trödelmärkte, eine mobile Fahrradreparaturwerkstatt oder Nachbarschaftsbrunches hat es über die Jahre gegeben.

Schönstes Schlagloch Deutschlands

Für große Aufmerksamkeit hatte 2018 ein Kunstprojekt gesorgt: ein Kostenpflichtiger Inhalt raffiniert als Teich gestaltetes Schlagloch. „Das war das berühmteste Schlagloch Deutschlands“, erinnert sich Guido Nierwetberg, der selbst erst seit drei Jahren Anwohner der Alten Tanke ist. „Projekt Sommerloch“ nannte die Künstlerin Maren Dörwaldt das Schlagloch, auf glitzernden Sand drapierte sie Pflänzchen, Muscheln, Steine und einen Plastik-Fisch und die Ränder malte sie grün und blau an. „Das lief in den Nachrichten rauf und runter“, sagt der Anwohner.

„Das Besondere an der Alten Tanke ist, dass sie komplett von Nachbarn für Nachbarn gestaltet ist“, sagt Marius Müller, der als Stadtteilkoordinator für die Stadtverwaltung Mönchengladbach arbeitet. „Es ist eine Art unkommerzieller Gegenpol zu den Cafés in der Gegend.“

Guido Nierwetberg ergänzt: „Man muss nicht immer die Stadt rufen, sondern auch mal selbst anpacken.“ Und Stefan Sturm freut sich darüber, dass die Aktion „Leute zusammenbringt“. So soll es weitergehen.