Schon seit etwa 25 Jahren bereitet das Duisburger Unternehmen Ferro Duo Abfallprodukte aus der Stahl, Bau- und Chemieindustrie auf und bringt sie wieder in die Wertschöpfungskette. Wer sich mit dem Geschäftsmodell befasst, betritt eine Welt voller Abkürzungen. CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) ist so ein Beispiel. Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU ist Anfang des Jahres in die nächste – und entscheidende – Phase eingetreten. Hintergrund sind die Preise für Treibhausgasemissionen in der EU. Um eine Verlagerung der Produktion in Länder mit schwächeren Klimaregeln und den Import billigerer, aber klimaschädlicher Produkte zu verhindern, soll CBAM die Preisnachteile ausgleichen.
„Die Regulatorik ist aktuell unser größter Treiber“, sagt Alexander Kehrmann. Er ist Geschäftsführer, Gründer und Chief Technology Officer (CTO) von Ferro Duo. Den Grundstein für das Unternehmen haben bereits der Großvater und Vater gelegt. Heute stehen CO2-reduzierte Rohstoffe und moderne Produktionsverfahren im Mittelpunkt. Die wichtigste Abkürzung in diesem Zusammenhang lautet SCM. Sie steht für „Supplementary Cementitious Materials“, Zementzusatzstoffe, ergänzende zementartige Materialien oder Zementersatzstoffe. Durch sie lassen sich CO2-Emissionen reduzieren und Ressourcen schonen. „Baustoffe für die unterschiedlichen Betonanwendungen werden auf diese Weise nachhaltiger“, erklärt Kehrmann.
Spatenstich für SCM-Anlage
Ferro Duo hat auf diesem Feld vor kurzem einen gewaltigen Schritt getan: Mitte Juni erfolgte im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung der erste offizielle Spatenstich für eine SCMAnlage auf dem Betriebsgelände im Duisburger Hafen. Sie besteht aus einem Mahlwerk, das Kehrmann mit einer riesigen Kaffeemühle vergleicht, und einer Kalzinierungsanlage, in der Materialien durch starkes Erhitzen verändert werden. Aus Schlacke, die unter anderem von Thyssenkrupp kommt, entsteht dann im großen Stil ein zementähnliches Bindemittel für Beton. „Unser Produkt soll CO2-arm bzw. CO2-neutral sein“, betont der Geschäftsführer. Für ihn ist es „ein Leuchtturmprojekt für Kreislaufwirtschaft“. Diese Anlage werde nach dem Duisburger Vorbild als „Blueprint“ für weitere in Genehmigung befindliche Standorte in Deutschland und Europa dienen.
40 neue Arbeitsplätze geplant
Schon in einem Jahr soll die Produktion anlaufen. „Wir rechnen mit dem Startschuss im August 2027.“ 40 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Aktuell besteht das Team aus rund 60 Mitarbeitern. In das neue Werk investiert Ferro Duo rund 20 Millionen Euro.
Text: Daniel Boss
Foto: Ferro Duo