WanissTaibi und Marcel Franke springen zum Kopfball.

Stand: 04.09.2026 • 20:26 Uhr

Lange sah es aus, als müsste der Karlsruher SC in der 2. Liga bei Hannover 96 einer Schiedsrichterentscheidung hinterhertrauern. Kurz vor Schluss gab es beim 2:2 (2:1)-Remis dann aber doch durch Rafael Pinto Pedrosa (85. Minute) den versöhnlichen Ausgleich.


Sebastian Hochrainer

Die beinahe entscheidende Aufregerszene hatte es zuvor in der 43. Minute gegeben. Nach einem zu kurz geratenen Rückpass ging Hannover-Keeper Leo Weinkauf ins Dribbling gegen Shio Fukuda – der KSC-Stürmer berührte seinen Gegenspieler dabei zunächst leicht, stellte dann seinen Fuß vor Weinkauf, der ihm in die Hacke trat.

Statt Elfmeter und möglicherweise einer Roten Karte für den Torhüter gab es Freistoß für Hannover. Nicht unverständlich, dass Karlsruhe-Coach Maximilian Senft noch Minuten danach fassungslos war. „Ich habe mir die Szene jetzt noch einmal in Ruhe und mit weniger Emotionen angeschaut“, sagte Senft danach der Sportschau, „die Schiedsrichter-Begründung, es habe sich um eine unnatürliche Bewegung des Stürmers gehandelt, muss ich sagen: Der Stürmer schützt den Ball, wie das alle Spieler permanent machen. Daher sehr bitte, dass kein Elfmeter gegeben wird.“

Gindorf bringt Hannover wieder auf die Siegerstraße

In diesem Moment hatte Hannover in einer sehr unterhaltsamen und temporeichen Partie bereits mit 2:1 geführt. Die Gäste waren furios ins Spiel gestartet, bereits in der zweiten Minute vergab Christoph Kobald die Großchance zur Führung nach einer Ecke, Weinkauf parierte aber stark. Auf der anderen Seite machte auch Hans-Christian Bernat seine Sache richtig gut gegen Mustapha Bundu (10.) und Lars Gindorf (22.).

Lars Gindorf reagiert nach seinem Tor in der ersten Halbzeit

Letzterer eröffnete dann den Torreigen, nachdem Bernat gegen Boris Tomiak im Anschluss an einen Eckstoß erst noch parieren konnte, dann aber gegen den nachstochernden Gindorf das Nachsehen hatte (26.). Schon beim 1:0-Sieg bei Darmstadt 98 hatte der Rückkehrer von Alemannia Aachen entscheidend getroffen und jubelte mit einer Herz-Geste. Gegen den KSC brauchte es aber noch mehr als einen Gindorf-Treffer.

Tomiak patzt, Hartel trifft, Bauer entscheidet

Denn das Hannover-Herz brach schon kurz nach dem Führungstreffer, weil Tomiak einen schlimmen Fehler begann, den Fukuda nutzte und ausglich (28.). Wenig später verpasste Marcel Franke aus kurzer Distanz die Chance, für die komplette Wende zu sorgen – und das rechte sich praktisch im Gegenzug, als Kolja Oudenne seinen Gegner austanzte und Marcel Hartel das 2:1 vorbereitete (38.).

Kurz darauf gab es dann die Szene, die für einen ganz anderen Verlauf der Partie hätte sorgen können, aber aufgrund der Entscheidung von Schiedsrichter Tom Bauer zu Frust beim KSC sorgte. Eine Dreifachchance hätte den aber beinahe noch vor der Pause beseitigt, nachdem Weinkauf einen Freistoß von Marvin Wanitzek klatschen ließ, aber sowohl Franke als auch Fukuda den Torhüter im Nachfassen abschossen (45.+2).

KSC kurz vor Schluss mit dem Lucky Punch

Auch im zweiten Durchgang zeigte der KSC eine richtig gute Leistung und kontrollierte das Spiel in weiten Phasen mit seinem Kombinationsspiel über das gesamte Feld. Allein im finalen Drittel fehlte die Durchschlagskraft, Fernschuss von Wanitzek (50.) und Louey Ben Farhat (56.) kamen dem Ausgleich am nächsten, aber auch nicht besonders nah.

Das Senft-Team zeigte immer wieder sehr starke Ansätze, aber Hannover verteidigte die Angriffe auch gut, so kam nie der Moment, an dem das 2:2 wirklich in der Luft lag. Stattdessen vergab Gindorf die größte Chance des zweiten Durchgangs aus elf Metern, als er freistehend verzog (72.). Kurz danach entschärfte Weinkauf die erstmal gefährlichste Aktion der Karlsruher mit einem Flachschuss von Fukuda (73.).

Doch dann geschah doch noch das, was sich nicht angedeutet hatte. Pinto Pedrosa stürmte nach einem Doppelpass Richtung Hannover-Kasten und knallte den Ball an die Unterkante der Latte (85.) – so erlebte der KSC doch noch ein teilweises Happy End trotz des vorherigen Frusts. Auch, weil Bernat einen tollen Freistoß von Franz Roggow gerade noch an den Pfosten lenken konnte (90.+3).

„Es war ein hochintensives Spiel, wir haben in der ersten Halbzeit verpasst, das Spiel zu entscheiden. Wir haben dann unsere Umschaltaktionen nicht ausgespielt und beim Ausgleich haben wir es wirklich nicht gut verteidigt“, sagte 96-Trainer Christian Titz im Sportschau-Interview. Sein Team verpasste nach zwei Startpleiten den zweiten Sieg in Folge, beim 1. FC Nürnberg soll es am nächsten Freitag dann wieder einen Sieg geben (18.30 Uhr). Für den KSC geht es zwei Tage später gegen Energie Cottbus (13.30 Uhr) weiter.