„Die konkrete Entscheidung beim Glücksgefühle-Festival möchten wir nicht bewerten, weil wir die dortigen Absprachen zwischen Veranstalter und Künstler nicht kennen“, äußert sich Das Fest am Donnerstag, 3. September, gegenüber ka-news, „grundsätzlich ist unsere Haltung bei Das Fest: Wir glauben nicht, dass ein Festival unpolitisch wird, indem man politische Äußerungen von Künstlerinnen und Künstlern ausschließt.“

Publikum bei Nico Santos bei Das Fest 2026 am 23. Juli 2026.

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Publikum bei Nico Santos bei Das Fest 2026 am 23. Juli 2026.
Foto: Tim Carmele

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Publikum bei Nico Santos bei Das Fest 2026 am 23. Juli 2026.
Foto: Tim Carmele

Genau das ist am Mittwoch, 3. September, in Hockenheim passiert: Einen Tag vor Festival-Start streicht „Glücksgefühle“ die Band Alphaville aus ihrem Line-up. Die Begründung: „Gesellschaftlich kontrovers diskutierte Themen und politische Reden“ sollen auf der Bühne unterlassen werden – darauf habe man sich mit Alphaville nicht einigen können, so die Veranstalter in ihrem offiziellen Statement. Für Alphaville gleicht die Absage einem „Maulkorberlass“.

Festival lädt Alphaville wieder ein

Rund 24 Stunden später: Eine Entschuldigung des Veranstalters Markus Krampe, eine Wiedereinladung – und eine Absage von Alphaville. Krampe erzählt in einem Video: Er habe aus der Emotion heraus gehandelt und das tue ihm außerordentlich leid. Weiterhin stellt er klar: Sein Mitveranstalter Lukas Podolski war in die Entscheidung nicht einbezogen. Alphaville reagiert ebenfalls mit einem öffentlichen Statement am Donnerstagabend: Man werde nicht auftreten und die Gage spenden.

Das Fest: Man muss Haltung des Künstlers nicht teilen, um ihm eine Bühne zu geben

Politische Aussagen von der Bühne zu verbannen – das macht ein Festival nicht unpolitisch. „Diese Haltung ist älter als die aktuelle Debatte: Das Fest gibt es seit über 40 Jahren, und Offenheit, Toleranz, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander gehören seit jeher zum Selbstverständnis des Festivals“, so die Karlsruher Veranstalter.

Selbstredend für ein Gründungsmitglied von „Take a Stand“ – einer europäischen Festivalinitiative. Für das Karlsruher Festival spielt es zunächst keine Rolle, welche politische Haltung ein Künstler vertritt – die Grenze liegt bei strafbaren Inhalten, Diskriminierung oder menschenfeindlichen Äußerungen.

Das Fest Karlsruhe

Das Fest in Karlsruhe findet jährlich im Juli in der Günther-Klotz-Anlage statt: 2027 vom 22. bis 25. Juli. Die Veranstaltung existiert seit über 40 Jahren und bietet neben der kostenpflichtigen Hauptbühne (2026: 22,70€ für das Tagesticket) noch drei weitere kostenfreie Bühnen sowie einen Familienbereich.

Man müsse die Haltungen, Überzeugungen und Perspektiven der Künstler als Veranstalter nicht teilen, um ihnen eine Bühne geben zu können, so Das Fest gegenüber ka-news. „Für uns gehört es zur Kunstfreiheit, dass sie diese auch zum Ausdruck bringen können.“ Kunst vollständig von der politischen oder gesellschaftlichen Haltung ihrer Urheber zu trennen, halten die Karlsruher Veranstalter für unrealistisch: Musik und Popkultur hätten von jeher gesellschaftliche Debatten aufgegriffen oder angestoßen.

Blond-Auftritt auf der Hauptbühne bei Das Fest 2026.

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Blond-Auftritt auf der Hauptbühne bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

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Blond-Auftritt auf der Hauptbühne bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

„Man muss auch Widerspruch aushalten“

Die Karlsruher Veranstaltung stand selbst schon in der Kritik – allerdings nicht wegen Absagen, sondern wegen Zusagen. Zuletzt 2026 beim Auftritt des Hamburger Rappers Disarstarmit dessen Auftritt die lokale CDU im Vorfeld als auch im Nachgang nicht einverstanden war. Man versuchte Einfluss zu nehmen. Gleiche Forderungen gab es schon 2017 beim Auftritt der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ -damals von der AfD.

Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

„Ein Festival kann dabei ein Ort sein, an dem unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen – und an dem man auch Widerspruch aushalten muss“, lautet die klare Kante von Das Fest. Dementsprechend werden auch die Künstlerinnen und Künstler für 2027 ausgewählt – „für unser Booking 2027 bedeutet die aktuelle Debatte deshalb keine Änderung.“

Publikum bei Das Fest 2026 in Karlsruhe.

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Publikum bei Das Fest 2026 in Karlsruhe.
Foto: Paul Needham

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Publikum bei Das Fest 2026 in Karlsruhe.
Foto: Paul Needham

Man setze sich auch weiterhin intensiv mit den Acts und Inhalten auseinander. „Die Frage ist für uns aber nicht, ob jemand politisch ist oder welche Haltung er vertritt. Entscheidend ist, ob ein Künstler zu Das Fest passt und ob wir mit einem Auftritt in unserem Rahmen verantwortungsvoll umgehen können.“

Das gesamte Statement

„Das Fest“ am 3. September 2026

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„Die konkrete Entscheidung beim Glücksgefühle-Festival möchten wir nicht bewerten, weil wir die dortigen Absprachen zwischen Veranstalter und Künstler nicht kennen. 

Grundsätzlich ist unsere Haltung bei DAS FEST: Wir glauben nicht, dass ein Festival unpolitisch wird, indem man politische Äußerungen von Künstlerinnen und Künstlern ausschließt. 

Diese Haltung ist älter als die aktuelle Debatte: DAS FEST gibt es seit über 40 Jahren, und Offenheit, Toleranz, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander gehören seit jeher zum Selbstverständnis des Festivals. Dazu gehört für uns auch unser Engagement als Gründungsmitglied von „Take A Stand“, dem europäischen Zusammenschluss von Festivals, die sich für Toleranz, Menschlichkeit, kulturellen Austausch und gesellschaftlichen Dialog einsetzen.

Dabei geht es für uns nicht darum, welche politische Haltung ein Künstler vertritt. Haltung ist für uns zunächst einmal Haltung. Künstlerinnen und Künstler sind Menschen mit eigenen Überzeugungen und eigenen Perspektiven. Für uns gehört es zur Kunstfreiheit, dass sie diese auch zum Ausdruck bringen können. Wir müssen diese Haltungen und Aussagen nicht teilen, um ihnen eine Bühne geben zu können. Entscheidend ist die klare Unterscheidung zwischen der Haltung eines Künstlers und der Haltung des Veranstalters.

Kunst vollständig von der politischen oder gesellschaftlichen Haltung ihrer Urheber zu trennen, halten wir deshalb für unrealistisch. Gerade Musik und Popkultur haben immer wieder gesellschaftliche Debatten aufgegriffen und angestoßen. Ein Festival kann dabei ein Ort sein, an dem unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen – und an dem man auch Widerspruch aushalten muss.

Natürlich gibt es für uns Grenzen. Wo es um strafbare Inhalte, Diskriminierung oder menschenfeindliche Äußerungen geht, ist eine andere Bewertung notwendig. Eine Haltung allein darf aber nie Ausschlusskriterium sein.

Für unser Booking 2027 bedeutet die aktuelle Debatte deshalb keine Änderung. Wir setzen uns selbstverständlich intensiv mit Künstlerinnen und Künstlern und ihren Inhalten auseinander. Die Frage ist für uns aber nicht, ob jemand politisch ist oder welche Haltung er vertritt. Entscheidend ist, ob ein Künstler zu DAS FEST passt und ob wir mit einem Auftritt in unserem Rahmen verantwortungsvoll umgehen können.“