
AUDIO: „Bühne ohne Grenzen“: Mit VR-Brille ins Puppentheater (4 Min)
Forschungsprojekt
Stand: 05.09.2026 03:00 Uhr
Die Puppentheatersammlung im Dresdner Kraftwerk Mitte hat seit der Eröffnung 2024 für seine Jahresausstellungen mit prominenten Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet, zum Beispiel mit dem Theaterkollektiv Rimini Protokoll oder dem südafrikanischen Künstler William Kentridge. Für das aktuelle Projekt wurde nun ein Forscherteam der TU Dresden eingeladen. Gemeinsam hat man historische Marionetten per VR-Brille zum Leben erweckt.
- Mit einer VR-Brille können Besucher in der Puppentheatersammlung eine historische Aufführung erleben.
- Zu sehen sind zwei Marionetten aus dem Fundus einer Puppenspieler-Familie, die auch bewegt werden können.
- Das Forschungsprojekt ist ein Testlauf, wie man Schätze aus der Sammlung künftig präsentieren kann.

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Unter dem Titel „Bühne ohne Grenzen. Experimente im erweiterten Museum“ werden in der aktuellen Sonderausstellung der Puppentheatersammlung im Kraftwerk Mitte historische Puppen dank digitaler Technik wieder zum Leben erweckt. Dahinter steht das Forschungsprojekt ANIMA, eine Zusammenarbeit der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit einem Forscherteam der TU Dresden sowie Wissenschaftlern und Studierenden vom Immersive Experience Lab der Fakultät Informatik.
Mittels VR-Brille historische Puppen animieren
Mit einer VR-Brille können Besucherinnen und Besucher in die Welt der sächsischen Schausteller-Familie Ritscher eintauchen, konkret: in einem Kretscham (Begriff aus dem Sorbischen für Dorfgasthaus oder Dorfgericht, Anm.d.R.) von 1894, dem Gasthof von Niederoderwitz in der Oberlausitz. Virtuell tritt man ein und findet sich im großen Saal wieder, wo eine fünf mal fünf Meter große Marionetten-Bühne aufgebaut ist, auf der Roland Ritscher mit seiner Mutter die Puppen führen. Man kann Buttons drücken, digitale Texttafeln ploppen auf und erklären, was damals hinter den Kulissen vor sich ging.

Nur die Puppenspielbühne ist original, der Rest ist gescannt und virtuell erlebbar.
Neu daran ist, dass alle Besucher, die eine VR-Brille tragen, sich auch gegenseitig sehen. Das nennt sich Multi-User-Mixed-Reality-Experience, erklärt Franziska Hannß vom Lehrstuhl für Gestaltung immersiver Medien an der TU Dresden. Man wolle herausfinden, ob dieses gemeinsame Erlebnis gut funktioniert, oder ob es verwirrend ist, wenn man sieht, was auch der andere sieht.
Würde man ohne VR-Brille den Raum betreten, sähe man nur die originale Puppenspielbühne, eine mittlerweile fragile Bretterbühne. Alles andere wurde gescannt und ist mittels modernster 3D-Modellierung virtuell erlebbar – der Gasthof in Niederoderwitz, ebenso wie die Ritscher-Marionetten. Für das Projekt wurden Gräfin Cosel und der Kasper gescannt, das sind lediglich zwei von 12.000 Puppen aus der Dresdner Sammlung.

Im virtuellen Raum können Besucherinnen und Besucher selbst mit den Marionetten spielen.
Marionetten aus der Vitrine holen
Die virtuelle Technik ermöglicht, dass Besucher sich an den Puppen ausprobieren und sie bewegen können, nachdem sie beide Marionetten zuvor schon in einer Filmaufnahme vom 15. August 1959 auf der Bühne gesehen haben. Ein ganz anderes Erlebnis, als sich die Puppen nur in der Vitrine hängend anzuschauen, meint Franziska Hannß.
Die leere Bühne wird endlich durch eine Aufführung ergänzt.
Kathi Loch, Museumsdirektorin
Die eigentliche Theateraufführung könne man eben leider nicht ausstellen, da es keinen Mittschnitt einer solchen Aufführung gibt. Das sei ein grundlegendes Problem der Puppentheatersammlung, führt Museumsdirektorin Kathi Loch aus. Für das Projekt „Bühne ohne Grenzen“ habe man sich das Dokumentationsmaterial zusammen gepuzzelt und sich dabei auf „Gräfin Cosel“ konzentriert, einer der Stoffe, den die Ritschers in den 50er-Jahren genau in dem Gasthof in Niederoderwitz aufgeführt haben.
Wertvoller Fundus einer Puppenspielerfamilie
Der gesamte Theaterfundus von Roland Ritscher umfasst an die 2.000 Einzelteile. Er erzählt die Geschichte einer Puppenspielerfamilie, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts Menschen mit ihren Aufführungen unterhalten hat.

Die Familie Ritscher beim Marionetten-Spiel.
Das Projekt mit der VR-Brille ist ein Experiment, wie man derartige Schätze aus der Sammlung künftig präsentieren könnte. Man wolle herausfinden, ob das ein Zukunftsmodell ist, so Kathi Loch. Ausgehend vom analogen historischen Objekt, ergänze man Dinge, die nicht mehr existieren: „Die leere Bühne wird endlich durch eine Aufführung ergänzt“. Dabei müsse man genau überlegen, worin der Mehrwert des Digitalen liege.
Dazu werden am Ende auch die Besuchenden befragt, wenn sie nach ihrem Erlebnis-Parcours die VR-Brille wieder abgesetzt haben. Womit die Puppentheatersammlung jetzt für alle zum zweifellos faszinierenden Experimentierraum wird.
„Bühne ohne Grenzen. Experimente im erweiterten Museum“
Kraftwerk Mitte 12
01067 Dresden
Testphase von 5. September bis 17. Dezember 2026
Öffnungszeiten:
Donnerstags 14 und 16 Uhr im Rahmen einer begleitenden Evaluation
Zeit-Slots sind auf der Website der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden buchbar.
Redaktionelle Bearbeitung: jb, hro