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„Ein besonderer Tag für den Standort und den Sport in Offenbach“: An der Grundsteinlegung am Waldschwimmbad beteiligten sich (von links) Berit Janotta vom Sportkreis Offenbach, Architekt Matthias Marhöfer, OB Felix Schwenke, best OF swim-Geschäftsführer Matthias Wörner, SFO-Geschäftsführer Andreas Herzog, Andreja und Peter Ortwein vom WSV. © Schade
Ende für Umkleiden und Sanitäranlagen aus den 1950er Jahren: Am Waldschwimmbad Rosenhöhe wurde der Grundstein für das neue Infrastrukturgebäude gelegt. Zur Vorfreude mischt sich auch ein bisschen Wehmut.
Offenbach – Wenn es ums Thema Schwimmbad geht, wird es in Offenbach schnell emotional. Das ist Oberbürgermeister und Sportdezernent Felix Schwenke bewusst: „Schließlich wurden in Offenbach Anfang der 90er-Jahre drei von vier Schwimmbädern geschlossen, darunter beide Hallenbäder.“ Viele Bürger wünschten ein neues Schwimmbad – und sie hätten recht damit. „Aber wenn das Geld nicht reicht, muss man in der Politik ehrlich bleiben.“ Zumindest ein kleiner Trost: Das letzte und einzige Offenbacher Bad, das Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe, wird deutlich aufgewertet. Am Donnerstag wurde der Grundstein für das neue Infrastrukturgebäude gelegt.
Kosten auf 9 Millionen gestiegen
Der Neubau des Infrastrukturgebäudes ist eines von mehreren Teilprojekten des Großprojektes „Runderneuerung Schwimmbad Rosenhöhe“. Die Kosten für das Gebäude betragen rund 9 Millionen Euro und damit um etwa 1,5 Millionen Euro mehr als die ursprüngliche Kostenschätzung des Grundsatzbeschlusses von 2022, die rund 7,5 Millionen Euro netto taxiert hatte. Gründe für die Steigerung sind der Aufwand bei der Errichtung der Interims-Containeranlage, zusätzlich erforderliche Schülerumkleiden, höhere Kosten für die Entsorgung von Schadstoffen sowie die Errichtung des Kiosk-Gebäudes. Überdies erfordern der hohe Baumbestand und der Schwimmbadbetrieb, der während der Baumaßnahmen parallel weiterläuft, eine aufwändigere Logistik. Seit dem Haushaltsjahr 2023 steht Geld im Investitionsprogramm bereit.
Annehmbare Duschen und Umkleiden sollen damit geschaffen werden, zudem werden dort Personal- und Technikräume untergebracht. „Nichts mit goldenen Wasserhähnen, aber alles in anständiger Qualität“, sagt Schwenke. Die aus den frühen 1950er-Jahren stammenden Sanitäranlagen und Umkleiden seien komplett abgewirtschaftet gewesen. „Glücklich, wer eine blaue Umkleide für sich hatte.“ Angesichts der Bedeutung des Bads für Offenbach sei ein solcher Zustand nicht länger tragbar gewesen. „Es dient unseren Schülern zum Schwimmenlernen, unseren Vereinen für Breiten- und Leistungssport, den aktiven Senioren, Kindern und Familien“, so der OB.
Der Neubau ist ein Teilprojekt bei der Gesamtsanierung und -modernisierung des Waldschwimmbads. Eine neue Traglufthalle für das 50-Meter-Becken wurde bereits beschafft. Für die Zukunft ist die Erneuerung der Badewassertechnik sowie der Umbau des 25-Meter-Beckens zum Lehrschwimmbecken mit Traglufthalle geplant. Bauherrin ist die Sport- und Freizeit-GmbH Offenbach. Die Kosten für das Bauprojekt liegen bei rund 9 Millionen Euro (dazu Kasten). Das Land Hessen bezuschusst den Bau des neuen Infrastrukturgebäudes mit 1 Million Euro aus dem SWIM-Programm. Neben betrieblichen, technischen und hygienischen Vorgaben soll es wirtschaftliche, energetische und nachhaltige Aspekte erfüllen.
140.000 Besucher im Jahr
Geplant ist ein ebenerdiges, barrierefreies Gebäude mit einer Länge von 76 Metern und einer Breite von 17 Metern. Architekt Matthias Marhöfer (BZM Architekten) möchte das Schwimmbad damit in die Moderne führen. „Es ist ein innovatives Gebäude, das sich mit seiner Holzfassade gut in die baumreiche Umgebung einfügt.“ Mit rund 140.000 Besuchern pro Jahr müsse es eine beachtliche Menschenmenge bewältigen. Ein Schwimmbad zu bauen, sei darum eine demokratische Aufgabe mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung. Auch Berit Janotta, frisch gebackene Leitung des Sportkreises Offenbach, betont das Verbindende am Schwimmen: „Im Wasser begegnen wir uns ganz anders, verschwinden die Unterschiede.“
Der Erste Offenbacher Schwimmclub (EOSC) und der Wassersportverein Offenbach (WSV) wurden an den Planungen beteiligt und werden im Neubau ihre eigenen, kleinen Räume bekommen. Für den EOSC-Vorsitzenden Matthias Wörner, der zugleich Geschäftsführer der badbetreibenden best OF swim GmbH ist, ist die Grundsteinlegung mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden: „Ich bin seit 1967 Mitglied und habe mein ganzes Vereinsleben im alten Gebäude verbracht. Da hängen viele Erinnerungen dran.“ Nicht nur bei ihm – so manches langjährige Mitglied hätte am liebsten die alten Kabinentüren mitgenommen. Der Altbau bleibt für viele immer mit der EOSC-Legende Michael Groß verbunden. Aber auch das neue Gebäude ändert nichts an der Ausrichtung des Waldschwimmbads als reines Trainings- und Familienbad.
Dass die Traglufthalle über dem 50-Meter-Becken in diesem Sommer wegen der Baustelle stehen bleiben musste, beeinträchtigte zwar das Freibaderlebnis. Doch weil die Bäder in Heusenstamm und Mühlheim geschlossen waren, blieben laut Wörner die Besucherzahlen trotzdem stabil. „Das Bad bleibt immer schwimmfähig“, betont er im Hinblick auf die kommenden Bauarbeiten. Dies sei man den rund 70.000 Schülern, Besuchern und den Vereinen schuldig. Im kommenden Sommer soll die Traglufthalle abgebaut werden – wenn die Baustellensicherheit und der Fortschritt der Arbeiten es zulassen. Fertig sein soll der Neubau im Herbst 2027.