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VW-Beschäftigte: „Es macht einem Angst“ (1 Min)
Stand: 04.09.2026 20:57 Uhr
Der VW-Aufsichtsrat hat sich auf einen Sparplan geeinigt. Trotzdem bleibt bis Mitte 2027 unklar, wie es um die Zukunft der Werke, darunter Emden und Hannover, steht. Kritiker sagen, die Entscheidung ist nur aufgeschoben.
Ferdinand Dudenhöffer sprach nach der gestrigen Einigung im VW-Aufsichtsrat gegenüber dem NDR Niedersachsen von einem „Zukunftsplan light“. Die Entscheidung über die vier Werke sei lediglich aufgeschoben, sagte Dudenhöffer, der das Forschungsinstitut Center Automotive Research (CAR) leitet. Bis Ende Juni 2027 soll dem VW-Konzern zufolge feststehen, wie es mit den vier bedrohten Werken weitergeht. „Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“, hieß es. Schließungen sind damit weder beschlossen noch ausgeschlossen. Die Werke Emden, Hannover, Neckarsulm (Audi) und Zwickau stehen nach wie vor auf der Kippe. Allerdings sollen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters jetzt alle europäischen Werke überprüft werden, wenn es darum geht, Überkapazitäten abzubauen.

Um knapp zehn Prozent ging es für die Aktie heute nach oben. Anfang Juli war sie auf das tiefste Niveau seit 2010 abgerutscht.
Hannovers Oberbürgermeister: „Unsicherheit wird fortgesetzt“
Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) zeigte sich am Freitagmorgen schockiert über das Ergebnis der Aufsichtsratsitzung. „Die Unsicherheit wird fortgesetzt“, sagte der Politiker. Es gebe keine klaren Perspektiven. Zwar sei eine Folgenutzung der Werke in Aussicht gestellt worden, allerdings hänge diese von den Bemühungen des Volkswagen-Vorstands ab, „der an diese Standorte eigentlich nicht mehr glaubt“, betonte Onay. „Das ist denkbar schlecht als Voraussetzung.“ Er forderte unter anderem Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) auf, sich für alternative Möglichkeiten einzusetzen – „gerade mit Blick auf Hannover, auf die Nutzfahrzeuge“, sagte Onay. Lies sitzt für das Land Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat. Onay sagte weiter: „Es ist absolut unerklärlich, dass man diesen Standort nicht weiter stärken möchte.“ Im VW-Werk in Hannover-Stöcken werden Nutzfahrzeuge produziert. Gerade das sei ein Bereich, der „nicht in Konkurrenz zu China steht, der leistungsfähig ist, der wahnsinnig viel Expertise hier vor Ort hat“, so Onay. Die IHK Hannover teilte mit, dass ein Auslaufen der Produktion im VW-Werk Hannover unter anderem einen „erheblichen Tiefschlag“ für die Industrieregion bedeuten würde.

Das ostfriesische VW-Werk steht weiter auf der Kippe. Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff will um den Standort kämpfen.
Emdens Oberbürgermeister: „Akzeptieren keine Placebos“
Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sagte, dass die Lage für die Beschäftigten bei VW weiterhin unsicher bleibe und die kommenden Wochen vermutlich schwierig würden. Positiv sei aber, dass in der Aufsichtsratsitzung keine Werksschließung beschlossen wurde. „Die konkreten Perspektiven für die Standorte müssen jetzt erarbeitet und verhandelt werden“, sagte er. Weiter betonte Kruithoff, dass Emden ein Automobilstandort sei. „Wir bauen Autos – und wir wollen auch in Zukunft Autos bauen“, sagte er. Er sei nicht an „irgendeiner Ersatzbeschäftigung“ für das Werk interessiert und akzeptiere keine „Placebos“. Ende August hatte der Oberbürgermeister dem VW-Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume eine Resolution des Rats der Stadt zum Erhalt des Werks in Emden überreicht.
Wolfsburgs OB Weilmann: „Transformation gelingt nur über Perspektiven“
Für Wolfsburgs Oberbürgermeister Dennis Weilmann (CDU) ist es entscheidend, dass Wirtschaftlichkeit, Zukunftsfähigkeit und Beschäftigung nicht gegeneinander ausgespielt werden. Transformation könne nur gelingen, wenn es eine verlässliche Perspektive für den weiteren Weg gebe, „auch wenn die damit verbundenen Entscheidungen schmerzhaft sein werden“, heißt es in einer Stellungnahme des CDU-Politikers. Der Weg müsse gemeinsam mit den Beschäftigten gestaltet werden. Insbesondere müssten für das Stammwerk Wolfsburg „tragfähige Zukunftsperspektiven entwickelt“ wird, so Weilmann am Freitag.
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VW-Kompromiss: Reaktionen auf die Sparpläne beim Autokonzern (5 Min)
Lechner: „Es fehlt an Perspektiven“
Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Niedersächsischen Landtag, Sebastian Lechner, sieht es positiv, dass die „Eskalation des auf offener Bühne ausgetragenen Streites im letzten Moment noch vermieden“ wurde. Das sei aber auch die einzige gute Nachricht, teilte der Politiker am Freitag mit. „Die Entscheidungen über die Werke wurden vertagt“. Unklar sei zudem, wie der Abbau von Zehntausenden Arbeitsplätzen ablaufen soll, sagte Lechner. „Die VW-Beschäftigten sind heute genauso verunsichert wie gestern vor der Sitzung des Aufsichtsrates.“ Es fehle weiter an Perspektiven und die „hätten in den vergangenen zwei Jahren längst erarbeitet werden müssen“, so der Landtagsabgeordnete.
Automobilexperte Reindl: An Werksschließungen führt kein Weg vorbei
Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen (Baden-Württemberg) hält Werksschließungen bei VW für unvermeidbar. „Ich glaube, dass man tatsächlich nicht um diese Schließung der vier Werke herumkommen wird“, sagte er NDR Info am Freitag. Der Konzern sei auf die Produktion von deutlich mehr Fahrzeugen ausgerichtet, als er aktuell auf dem Markt verkaufe. Gleichzeitig seien die deutschen Werke die teuersten, betonte Reindl.
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Bratzel: Zwei Werksschließungen könnten genügen
Automobilexperte Stefan Bratzel bezweifelt ebenfalls, dass die Sanierung bei VW ohne Werksschließungen gelingt. „Mit entsprechenden Effizienzverbesserungen könnten auch die Reduzierungen von zwei Werken in Deutschland genügen“, sagte er dem NDR Niedersachsen. Die diskutierte Schließung von gleich vier Werken hält er für übertrieben. Sicher sei aber, dass Kapazitäten erheblich reduziert werden müssten, um auf eine andere Kostenbasis zu kommen, betonte er. Der Experte hält es auch für unvermeidbar, dass die Lohnkosten pro Mitarbeiter geprüft werden müssten. Aus seiner Sicht müsste „für das gleiche Geld mehr gearbeitet werden“. Außerdem solle VW mehr in neue Wachstumsfelder wie künstliche Intelligenz investieren, so der Experte.

Der VW-Vorstand müsse aufhören, gegen die Menschen zu arbeiten, sagt Daniel Friedrich, Bezirksleiter Küste bei der Gewerkschaft IG Metall.
Finanzexperte: Sanierungsplan war unausweichlich
Moritz Kronenberger, Fondsmanager bei Union Investment, bezeichnete den VW-Sanierungsplan als unausweichlich. „Unterausgelastete Werke würden Volkswagen in den kommenden Jahren in eine finanziell verheerende Situation führen, die die Marge ins Negative drehen könnte“, sagte der Finanzexperte dem NDR Niedersachsen. Er sprach insgesamt von einem guten Zeichen für Volkswagen und den Kapitalmarkt – auch wenn dies mit „herben Einschnitten“ innerhalb der Belegschaft verbunden sei.
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Sanierungsplan: So will VW sparen (1 Min)

Konzern-Umbau
Abbau von Zehntausenden Stellen, vier Werke auf der Kippe – und das ist noch nicht alles. VW hat ein gigantisches Sparprogramm auf den Weg gebracht. Was der Konzern plant – und was Experten dazu sagen. Ein Überblick.

VW-Aufsichtsrat
Einen Tag früher als geplant hat der VW-Aufsichtsrat einem Sparplan zugestimmt: 50.000 Jobs sollen wegfallen, und vier Werke stehen vor dem Aus, wenn keine alternative Verwendung für sie gefunden wird.

Der Staat solle bei kriselnden Autobauern wie VW aktiv werden, meinen 62 Prozent der Befragten. Auch Zölle finden Unterstützung.

Vor Jahrzehnten sind Fans des Fußballbundesligisten Schalke 04 nach Wolfsburg gekommen. Kommt für sie jetzt nach dem Kohle-Aus das VW-Aus?