
So sieht GPT das Thema
Russland stellt sich auf dauerhaft hohe Inflation, hohe Zinsen und schwaches Wachstum ein. Selbst die optimistischeren Szenarien der Notenbank wirken zunehmend unrealistisch.
Die russische Wirtschaftspolitik beginnt offenbar, die strukturellen Probleme des Landes stärker anzuerkennen: Hohe Inflation, zweistellige Zinsen, steigende Staatsausgaben und eine stagnierende Wirtschaft dürften nach Einschätzung von Denis Kasyanchuk von The Bell vorerst Bestand haben. Auch einst als vorübergehend bezeichnete Belastungen wie ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und Logistikzentren werden zunehmend zu dauerhaften Faktoren.
Die Zentralbank legte in dieser Woche ihre Leitlinien für die einheitliche Geldpolitik 2027 bis 2029 vor. Neben einem Basisszenario enthält das Papier drei alternative Entwicklungspfade. Besonders bemerkenswert: Das negative Szenario mit hoher Inflation könnte bereits im kommenden Jahr zum neuen Basisszenario werden.
Moskau, Russland
Im aktuellen Basisszenario geht die Zentralbank weiterhin von einem andauernden Krieg und einer wirtschaftlichen Erholung aus. Die nun vorgelegte Analyse macht allerdings deutlich, wie fragil diese Annahmen sind. Zwar sind auch optimistischere Entwicklungen vorgesehen, daneben steht jedoch ein deutlich pessimistischeres, aber noch plausibles Szenario.
Rückendeckung erhielt Notenbankchefin Elvira Nabiullina unterdessen von Wladimir Putin höchstselbst. Beim Eastern Economic Forum erklärte Putin, die Geldpolitik sei nicht zu restriktiv. Vor einer Flutung der Wirtschaft mit Geld müsse man sich hüten; die Zentralbank gehe gegen die Inflation vor. Damit stellte sich Putin zumindest öffentlich hinter Nabiullina, nachdem er im Sommer noch mehrfach niedrigere Zinsen gefordert hatte.
Die Wirtschaftsdaten liefern allerdings wenig Anlass für Entwarnung. Das Wachstum verlangsamte sich im Juli auf annualisiert 0,6%, nach 1,7% im Juni. In den ersten sieben Monaten lag das BIP lediglich 0,6% über dem Vorjahreszeitraum. Belastend wirkten unter anderem die anhaltenden Angriffe auf russische Ölraffinerien.
Russland steht damit vor einem unangenehmen Dreiklang aus hoher Inflation, hohen Zinsen und schwachem Wachstum. Dass sich diese Risiken nun auch in den offiziellen Szenarien der Wirtschaftspolitik wiederfinden, ist möglicherweise die wichtigste Nachricht.
Denis Kasyanchuk
Denis Kasyanchuk ist Autor des wöchentlichen Wirtschaftsbriefings von The Bell zur russischen Wirtschaft. The Bell ist ein unabhängiges russisches Medienprojekt mit Schwerpunkt auf Wirtschaft, Politik und gesellschaftlichen Entwicklungen.
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