Nachruf
Trauer um Erni Mangold
Aktualisiert am 05.09.2026, 10:57 Uhr

Erni Mangold als „Maude“ in den Kammerspielen der Josefstadt in Wien im Jahr 2017. Die Schauspielerin ist im Alter von 99 Jahren gestorben.
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Schauspielerin Erni Mangold ist am 5. September im Alter von 99 Jahren verstorben. Wir blicken auf das Leben einer außergewöhnlichen Frau zurück.
Die gebürtige Niederösterreicherin Erni Mangold sei in der Nacht auf Samstag in einem Wiener Altersheim „eingeschlafen“, teilte Mangolds Agent Klaus Kelterborn der APA mit. Die Charakterdarstellerin wurde 99 Jahre alt.
Erni Mangold war nicht nur eine fantastische Schauspielerin, sondern auch ein ganz besonderer und einzigartiger Charakter. „A echter Typ“, würde man in Wien sagen. Unberechenbar war sie, vermutlich auch eine Unbequeme, deren Augenzwinkern, wenn sie wieder einmal lautstark grantelte, schon auch mal übersehen werden konnte. Der Regisseur und Schauspieler Rainer Werner Fassbinder soll sie einmal als „der weibliche Charles Bronson“ bezeichnet haben. Dabei zählte Fassbinder mit Sicherheit für sie nicht zu jenen „unprofessionellen Regisseuren“, über die sich Erni Mangold so maßlos aufregen konnte. „Das macht mich so krank in meinem Alter, so krank, dass ich platze. Ich hab‘ die gleich so angeplärrt. Das hat mir dann eh leid getan, dass ich so grauslich war“, bot sie einst in einem Interview mit dem „Kurier“ launige Einblicke in ihr Verhältnis zu Regisseuren, die ihr nicht behagten. „Ich kann stur sein wie ein Bock, bin aber gleichzeitig gutmütig wie ein Schaf“, charakterisierte sie sich einmal selbst.
Vom ruralen Pflänzlein zum Josefstadt-„Sexerl“
Erni Mangold kam am 26. Jänner 1927 als Ernestine Goldmann im niederösterreichischen Großweikersdorf im Wirtshaus ihrer Großeltern zur Welt. „Meine Mutter war 22 und hatte schon sieben Abtreibungen hinter sich“, konfrontierte sie die Leser in ihren 2011 erschienenen Erinnerungen „Lassen Sie mich in Ruhe“ mit harten Fakten. Abortus Nummer acht scheiterte, was der kleinen Erni das Leben schenkte. Mangold wuchs in einem Künstlerhaushalt auf. Der geliebte Vater, Schuldirektor im Brotberuf, war Maler, die Mutter Pianistin, die jedoch für die Familie auf eine mögliche Karriere verzichtete. 1938 übersiedelte die Familie nach Wien, wo Erni zunächst das Gymnasium besuchte, bald darauf aber, im zarten Alter von 15 Jahren, in der Theaterschule „Kraus“ Schauspielunterricht nahm.
Dass sie Schauspielerin wurde, „ergab sich“, ist in ihren Erinnerungen zu lesen, die sie gemeinsam mit Autorin Doris Priesching schrieb. Das Theater selbst achtete stets darauf, „hübsche Mäderln auf der Bühne zu haben“, weshalb sie in der Josefstadt rasch zum „Sexerl“ wurde. Ihr erstes Engagement erhielt Mangold am Theater in der Josefstadt, auf dessen Bühne sie von 1946 bis 1956 stand. Nach zahlreichen Engagements in Österreich und Deutschland (etwa unter Gustaf Gründgens am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg), war sie 1972 am Salzburger Mozarteum tätig, um anschließend in der Theaterschule Helmut Kraus sowie am Reinhardt-Seminar selbst zu unterrichten. Von 1984 bis 1995 war Mangold zudem Professorin an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Heinz Reincke und Erni Mangold in den 1960er Jahren.
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Erni Mangolds Karriere führte sie bis nach Hollywood
Parallel zu ihrer Laufbahn am Theater, in der sie in Rollen wie die „Marthe Schwerdtlein“ in Goethes „Urfaust“, „Lady Macbeth“ oder die „Frau Muskat“ im „Liliom“ brillierte, reüssierte Mangold auch in Film und Fernsehen. So spielte sie etwa in Karl Hartls „Der Engel mit der Posaune“ (1948), in „Hanussen“ (1955) an der Seite von O. W. Fischer, in Peter Patzaks „Kassbach“ (1978) oder in Franz Antels „Der Bockerer“ (1981). In über 60 Filmen und über 20 TV-Produktionen war sie zu sehen; und mit „Before Sunrise – Zwischenstopp in Wien“ (mit Ethan Hawke und Julie Delpy) mischte sie 1995 sogar in einem Hollywoodstreifen mit. Von 1958 bis 1978 war Ernie Mangold mit dem deutschen Schauspieler Heinz Reincke verheiratet; eigene Kinder waren ihr nicht vergönnt.
Enge Freundschaft mit Helmut Qualtinger
Eng verbunden war sie auch mit Helmut Qualtinger. „Wir waren uns halt in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich“, eröffnete sie dem Verfasser dieses Nachrufs im Jahr 2016 im Rahmen eines telefonischen Interviews. Mit dem „Quasi“ und ein paar anderen Unbequemen habe sie damals „eine Art Wohngemeinschaft“ im „Café Gutruf“ im 1. Wiener Gemeindebezirk gehabt, „wo wir gemeinsam böse, zynisch und betrunken waren“, erzählte sie mir. Davor und danach grantelte sie mich mehrfach an – mit der alleinigen Absicht, mich zum Lachen zu bringen. Fünf Minuten nach Ende des Gesprächs klingelte mein Telefon. Sie habe sich bei einer Jahreszahl geirrt, was sie mit einem „Ich bin so ein irrsinniger Trottel“ kommentierte. Ein Traum. Mein lautes Auflachen freute sie sehr, ich bin mir sicher.
Prominente Mangold-Verehrer: Fischer, Karajan und Kreisky
Ein Traum blieb die Mangold auch für zahlreiche Männer, die einst bei ihr Schlange standen, darunter auch O.W. Fischer, Herbert von Karajan und Bruno Kreisky. Mangold gegenüber dem „ORF Niederösterreich“ im Jahr 2016: „Der Karajan hat mir als Künstler irrsinnig gefallen, aber als Mann hat er mir nicht zugesagt, was soll ich machen. Und Bruno Kreisky hatte schon seine Freundin. Wir haben uns sehr gemocht, ich hätte mich aber nie mit ihm eingelassen, obwohl ich ihn sehr erotisch fand. Und O. W. Fischer war bekannt für solche Sachen, und ich habe diese Männer damals ganz schrecklich gefunden. Ich fand ihn auch nicht hübsch, er hat mich nicht interessiert.“ Erstaunlich, wie gut man sie beim Lesen dieser Zeilen auch hören kann.

Erni Mangold wurde im April 2022 mit der Platin-Romy ausgezeichnet (mit Tobias Moretti).
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Rückzug vom Theater im Herbst 2016
„Ich bin immer noch geil darauf, Erfolg zu haben“, meinte sie im Herbst 2016 noch gegenüber dem „Kurier“. Und doch zog sie sich bald darauf von der Bühne zurück, weil es ihr schlichtweg zu anstrengend wurde. „Ich hab‘ jetzt wirklich die Nase voll“ meinte sie damals. Das Einstudieren eines Werks koste schließlich immer auch viel Energie und damit ein Stück des Lebens. „Mein Gott, so wichtig ist das Theater auch nicht.“
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Das Waldviertel wurde ihre Heimat
Seit dem Jahr 1984 lebte Erni Mangold im Waldviertel, in einem idyllischen Häuschen in St. Leonhard am Hornerwald. „Ich liebe die Abgeschiedenheit, ich brauche die Entspannung und die Ruhe“, so Mangold im „ORF Niederösterreich“. Ab einem gewissen Alter wurde es ihr in Wien einfach zu eng, und offenkundig vermisste sie dort auch ein wenig den Tiefgang. „Ich mag viele Leute nicht, die ich in den ‚Seitenblicken‘ sehe oder bei Partys treffe, denn die Oberflächlichkeit ist schon sehr groß. Das Interesse auf ein Thema wirklich einzugehen, gibt es nicht. Da ist nur viel Blablabla“, eröffnete sie dem ORF.
Wir werden Erni Mangold sehr vermissen. Ihre Fähigkeiten vor der Kamera, ihre wunderbar direkte Art, ihren Grant und ganz besonders ihren sensationellen Schmäh, dem auch das hohe Alter nie etwas anhaben konnte.