
AUDIO: Berühmte Drehorte in Lüneburg und der Lüneburger Heide (4 Min)
Stand: 05.09.2026 05:00 Uhr
Fast unbemerkt dreht John Lennon im September 1966 einen Anti-Kriegsfilm in der Lüneburger Heide. Seiner Rolle als Gefreiter Gripweed verdankt der Beatle den Abschied vom Pilzkopf sowie seine legendäre Nickelbrille.
Die Beatles befinden sich 1966 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ihr Album „Revolver“ erscheint, zudem touren die Pilzköpfe um die ganze Welt: USA, Japan, die Philippinen, Deutschland. Im Rahmen der Bravo-Beatles-Blitztournee spielen die vier Liverpooler im Juni in München, Essen und Hamburg. Doch dort erleben die Konzertbesucherinnen und -besucher eine neue Eskalationsstufe: Wegen des lauten Gekreisches der Fans ist von der Musik kaum etwas zu hören. Ein Phänomen, dass sich weltweit zeigt und den Beatles zunehmend die Freude an Live-Auftritten nimmt.
Zudem sieht sich die Band in den USA Anfeindungen wegen einer Aussage von John Lennon ausgesetzt. Ohne den dazugehörigen Kontext wird John mit dem Satz zitiert: „More popular than Jesus“ („Die Beatles sind größer als Jesus.“) Menschen protestieren, US-Radiosender im sogenannten Bible Belt boykottieren Beatles-Songs. Es gibt Drohungen gegen die Band-Mitglieder. So kommt es, dass das Konzert am 29. August in San Francisco das letzte der legendären Band wird.

1966 ist das Horrorjahr der Beatles – verbrannte Platten, Proteste, Skandale. Aber auch ein musikalisches Meisterwerk.
Einen weiteren Grund für die folgende Konzentration auf die Studioarbeit erklärt NDR Redakteur und Beatles-Experte Ocke Bandixen im Podcast „Being the Beatles“: Die Musik der Liverpooler sei immer komplexer geworden und damit auf der Bühne nur noch schwer zu realisieren.
„Help!“-Regisseur Richard Lester engagiert John Lennon

„Wie ich den Krieg gewann“ bleibt der einzige Film, in dem John Lennon eine (kleine) Sprechrolle einnimmt.
Die vier Musiker brauchen etwas Abstand – vom Star-Rummel und womöglich auch voneinander. Da kommt John Lennon einen Anfrage von Richard Lester gerade recht: Der Produzent fragt ihn, ob er in einem Anti-Kriegsfilm einen britischen Soldaten spielen möchte. Mit Lester haben die Beatles bereits „A Hard Day’s Night“ (1964) und „Help!“ (1965) gedreht. Lennon sagt zu – und verbringt während der Dreharbeiten für „Wie ich den Krieg gewann“https://www.ndr.de/“How I Won The War“ ab dem 5. September 1966 einige Wochen in Norddeutschland.
In der schwarzen Anti-Kriegssatire geht es um eine tollpatschige britische Truppe im Zweiten Weltkrieg. Unter Lieutenant Goodbody (Michael Crawford) soll sie hinter den feindlichen Linien in Nordafrika ein Cricketfeld errichten. Auf satirisch-tragikomische Weise will Regisseur Richard Lester mit seinem Film die Absurdität des Krieges darstellen.
Dreharbeiten im „Heide-Hollywood“ und in der Lüneburger Heide

Das Filmmuseum Bendestorf widmet den Dreharbeiten zu „Wie ich den Krieg gewann“ einen eigenen Ausstellungsraum. Auch Vorführungen des Films fanden hier schon statt.
Der Hauptteil der Dreharbeiten findet im Herbst 1966 im spanischen Almeria statt. Doch die ersten Drehtage verbringt die Filmcrew an Orten in der Lüneburger Heide. An der Produktion des Films ist auch das Studio Bendestorf beteiligt, wo zunächst einige Probeaufnahmen stattfinden. Das „Heide-Hollywood“ bringt sich mit Aufnahmetechnik und Kulissenbauten ein.
Die Aufnahmen in Norddeutschland finden bereits im September 1966 statt. Rund 14 Tage verbringt die Filmcrew in Niedersachsen – in Bendestorf, Verden an der Aller, in Celle und Ostenholz. Übernachtet wird unter anderem im Gasthof „Onkel Nickel“ in Ostenholz (Heidekreis). Zahlreiche Szenen dreht Lester auf dem NATO-Truppenübungsplatz Bergen-Hohne, aber auch in Verden/Aller und in Achim entstehen Aufnahmen für die Kriegs-Parodie.
Der Pilzkopf muss weichen

Mit der Pilzkopf-Frisur sind die Beatles um John Lennon berühmt geworden.
Seine Rolle als Gefreiter Gripweed läutet das Ende der Pilzkopf-Ära ein: Ein Frisör verpasst Lennon im Heidehotel Kröpcke in Ostenholz eine soldatische Kurzhaarfrisur – die dieser im Anschluss beibehält. Ein weiteres Requisit – eine kleine runde Nickelbrille, die John im Film trägt – nimmt der Beatle mit ins wahre Leben. Sie wird fortan zu seinem Kennzeichen.
Bravo verlost Lennon-Locke
Lennons Haare hingegen nehmen einen ganz eigenen Weg. Die berühmt-berüchtigte Haarpracht des Briten einfach im Müll verschwinden lassen? Der Hamburger Fotograf Günter Zint, der bei den Dreharbeiten fotografieren darf, packt die Locken ein und kauft zudem dem Frisör die Schere ab. Seine haarige Trophäe verkauft Zint an die „Bravo“ – und die startet eine heiß umkämpfte Verlosung.

Im niedersächsischen Verden erinnert heute ein Denkmal an die Dreharbeiten mit John Lennon.
Obwohl Lennon 1966 nur wenige Stunden in Verden verbringt und sein Auftritt streng geheim gehalten wird, bekommen einige Fans Wind von der Anwesenheit ihres Idols. Annegret Landwehr erinnert sich 2024 im „Weser-Kurier“ an den Tag: Mit einigen Freunden schwänzt sie die Schule, um ein Autogramm zu ergattern. Seit 2008 gibt es am einstigen Drehort in Verden in der Nähe der Aller sogar ein Denkmal. Abgebildet ist der Sänger auf einer Bronzeplatte – mit Nickelbrille, Friedenstaube und Filmrolle.
Lennon mit Wollunterhosen und Brille
Andere Auftritte des Beatles bleiben unbemerkt – wie die kurze Pressekonferenz von Richard Lester und John Lennon am 6. September in Celle. Auch die Dreharbeiten selbst finden weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einige wenige Zeitungsreporter dürfen ans Set. So berichtet Dagmar Mundt am 7. September im „Hamburger Abendblatt“ von waghalsigen Sprüngen des Musikers in seiner Rolle als Gefreiter Gripweed – und wollenen Unterhosen, die unter seiner zerrissenen Hose sichtbar werden.
Zudem schnappt sich „Abendblatt“-Reporterin Mundt in einem unbemerkten Moment Johns Nickelbrille. Dabei stellt sie fest, dass diese dicke geschliffene Gläser hat: Der Beatle-Star ist also tatsächlich Brillenträger! Doch viel mehr dringt von den Dreharbeiten auf dem Truppenübungsplatz in Bergen-Hohne nicht an die Öffentlichkeit. In seiner kleinen Nebenrolle hat Lennon 42 kurze Szenen, in denen er höchstens mal einen Satz sagen muss.

„We grew up in Hamburg“, hat John Lennon gesagt. Was ist da also auf dem Hamburger Kiez zwischen 1960 und 1962 passiert? Der Doku-Podcast begibt sich auf Spurensuche.
Dreharbeiten als langweiliger Zeitvertreib

Auch bei der Londoner Premiere von „How I Won the War“ trägt John Lennon (links Ehefrau Cynthia) die Nickelbrille, die er in seiner Filmrolle tragen musste.
Für Lennon sollen die Filmarbeiten ein Zeitvertreib sein. Doch Erfüllung findet er darin nicht, wie Interview-Aufnahmen im Podcast „Being the Beatles“ zeigen: „Ich bin nach Spanien (zu Dreharbeiten in Almeria, Anm. d. Red.) gefahren, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte. Was machst du, wenn du nicht tourst? Was machst du den ganzen Tag? Ich habe sechs Wochen lang den Film gedreht, was fürchterlich langweilig war. Ich hatte Angst, einfach wegzugehen. Das hat sich schon irgendwie wie das Ende angefühlt.“ Doch die Beatles überstehen diese schwierige Phase und machen weiter. Erst 1970 löst sich die Band auf.
„Wie ich den Krieg gewann“ feiert im November 1967 Deutschland-Premiere in Hamburg. Richard Lester und auch Lennon selbst reisen aus diesem Anlass in die Hansestadt. Der Film floppt, gilt aber heute als Mutter aller Anti-Kriegsfilme. Es soll John Lennons einzige Sprechrolle in einem Film bleiben.

Vier Jungs aus Liverpool sprengen die Grenzen der Popmusik. Mehrmals. „Being The Beatles“ erzählt ihre Geschichte.

Der Beatle wirkte 1966 beim Antikriegsfilm „Wie ich den Krieg gewann“ mit. Die Dreharbeiten fanden in Norddeutschland statt.

Am 26. Juni 1966 gaben die Beatles zwei Blitzkonzerte in Hamburg. In der Stadt war bei den letzten Auftritten der „Pilzköpfe“ die Hölle los.

1960 stehen die Beatles erstmals auf einer Hamburger Bühne, kurz darauf sind sie weltberühmt. Fotograf Günter Zint hat sie oft begleitet.

Am 17. August 1960 stehen die Beatles erstmals auf einer Hamburger Bühne – im Indra. Die Liverpooler entwickeln sich auf dem Kiez zu Weltstars.

In Lüneburg führt ein Stadtplan an Drehorte der „Roten Rosen“. Auch andere Orte in Niedersachsen sind durch Filme und Serien bekannt geworden.