Stand: 09.06.2026 16:05 Uhr

Der Dokumentarfilm „Fluss“ ist eine Reise entlang der Elbe, in der es nicht um Sehenswürdigkeiten geht, sondern um Industrie, Häfen, Container, Werften und den ständigen Betrieb entlang des Flusses. Der vom NDR produzierte Film kommt am 11. Juni ins Kino.

von Thorsten Mack

Die Quelle der Elbe im tschechischen Riesengebirge ist malerisch. Aber ein idyllischer Naturfilm ist „Fluss“ nicht. „Bei der Recherche stellt man fest, dass ganze Landstriche eigentlich aus nichts weiter bestehen als Feldern, Wiesen, Buden, vielleicht noch einem Steg oder einer Fähre“, erzählt Regisseur Timo Großpietsch.

„Aber dann kommt Industrie, weil Industrie Wasser braucht – meistens für irgendwelche Kühlprozesse. Früher auch für große Transporte: Holz und Waren wurden über die Elbe verschifft. So stößt du bei der Recherche schnell auf große Produktionsstätten. Das sind irre Orte, in die du eigentlich nicht reinkommst.“

Die Elbe: Wirtschaftsort, Handelsroute und Lebensspenderin

Die Elbe ist Wirtschaftsort, Handelsroute und Lebensspenderin sowieso. Der Fluss steckt voller Geschichten. Dokumentarfilmer Großpietsch drehte über Jahre das eher Verborgene, Unbekannte: von der Elb-Quelle bis hin zu Stau- und Kraftwerken. Der Strom ist vom Menschen geformt, aber nicht immer beherrschbar, wie das Hochwasser 2002 in Dresden gezeigt hat.

Großpietsch kombiniert Archivmaterial mit Neugedrehtem. Er erzählt ohne Kommentar, wie eine Sinfonie: Mal laut, mal leise, mit eigens für den Film komponierter Musik. „Ich habe die Maschinen, die hier auf Erde und an der Elbe stehen, in den Kosmos geschickt“, beschreibt Komponist Vladyslav Sendecki den Sound.

Militärübung erinnert an die Vergangenheit

Die Elbe, das ist auch eine Grenze, voller wechselvoller Geschichte, woran im Film eine Militärübung erinnert. „Wir haben Kriege in Europa, in der Nähe, vor der Haustür“, so Filmemacher Großpietsch. „Man redet über Aufrüstung. Obwohl das Militär nur übt, um über den Fluss zu setzen, siehst du die Vergangenheit. Denn das ist nicht weit weg von Torgau, dort, wo die Alliierten und die Ost-Streitkräfte sich am Ende des Zweiten Weltkriegs die Hand gegeben haben. Und du hast hier auch das ehemalige Grenzland.“ Der Regisseur spricht von der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die damals streng bewacht und manchmal sogar tödlich war.

Ein Radfahrer fährt auf dem Elberadweg durchs Alte Land vorbei an blühenden Obstbäumen, im Hintergrund ist ein Containerschiff auf der Elbe zu sehen.

Der beliebte Radweg führt von Tschechien an die Nordsee. Der Abschnitt von Hitzacker nach Cuxhaven ist besonders reizvoll.

Dokumentarfilm zeigt vom Menschen geformte Kulturlandschaft

Die Elbe war auch ein Abflussrohr von Ost nach West, das bis nach Hamburg führte, wo der Regisseur damals die Folgen erlebte. „Man durfte nicht in ihr baden und man sollte das Wasser bloß nicht trinken, weil die ganzen Chemieunternehmen aus dem Osten so viel Quecksilber eingeleitet haben“, erinnert sich der Regisseur. „Und das kam natürlich alles in Hamburg an. Das sah aus wie in einem apokalyptischen Horrorfilm, wie in der Vorhölle.“ Zum Glück ist das Geschichte.

Der Dokumentarfilm „Fluss“ zeigt die vom Menschen geformte Kulturlandschaft mit tollen und oft überraschenden Bildern, lässt ihnen bis zur Mündung bei Cuxhaven Raum und Zeit. Denn hier ist alles im Fluss. „Vielleicht hat der Film aber auch etwas Historisches, etwas Archivierendes“, findet der Regisseur. „Das, was das Archiv hier zu mir spricht, spricht der Film vielleicht in ein paar Jahrzehnten auch zu anderen. Wie war das damals? Wie sah es damals aus?“

„Fluss“ ist ab dem 11. Juni im Kino zu sehen.

Naturpark Ranger Florian Kaduk vom WWF (rechts) erklärt Reporter Thilo Tautz die Auenwälder in der Nähe von Dessau.

Hochwasser, Kultur und viel Natur – das alles erlebt Hanseblick-Reporter Thilo Tautz auf seiner Radtour entlang der Elbe.

Das Forschungsschiff "Ludwig Prandtl" auf der Elbe.

Wie verändert sich die Umweltbelastung im Flusslauf? Auf Forschungsfahrten soll das herausgefunden werden.

Der Eingangsbau des Alte Elbtunnels in Hamburg, von der Elbe aus gesehen.

Zu Fuß oder mit Rad unter der Elbe hindurch – das geht im Alten Elbtunnel an den Landungsbrücken. 1911 wurde der Bau eingeweiht.

Kinder sitzen auf Plumsklos in einem Hamburger Hinterhof

Über Jahrhunderte war sauberes Wasser in der Hansestadt rar. Erst seit 1964 fließt ausschließlich Grundwasser durch die Trinkwasserleitungen.

Zeesboote auf dem Darßer Bodden.

Wir gehen auf Wasserreise von Ost nach West, sind unterwegs an über 20 Flüssen und Seen in Deutschland und auch im Wattenmeer.