Doha, den 05. September /QNA/ Qatar National Bank (QNB) geht davon aus, dass die “Bank of England” eine vorsichtige, datenbasierte Haltung beibehalten wird, indem sie die Geldpolitik ausreichend restriktiv hält, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen, ohne die fragile Erholung unnötig abzuwürgen. Die britische Regierung stehe vor der Herausforderung, Wirtschaftswachstum und Inflationsbekämpfung in Einklang zu bringen.
In ihrem Wochenbericht führte die QNB aus, dass die bevorstehenden Entscheidungen der britischen Regierung im September genau beobachtet werden, um zu sehen, wie sie diese miteinander verbundenen Risiken ausbalanciert. Die Eindämmung des Stagflationsdrucks werde nicht nur von den Entscheidungen der Bank of England abhängen, sondern auch von der Kohärenz des breiteren Politikrahmens, den Premierminister Andy Burnham und Finanzminister John Healey verfolgen werden. Die Fähigkeit der neuen Regierung, die Märkte von ihrer fiskalischen Disziplin zu überzeugen, während sie gleichzeitig ihre Wachstumsambitionen und ihr neues Wirtschaftsmodell verfolgt, werde entscheidend sein.
Der Bericht wies auf die schwierige Lage hin, in der sich Andy Burnham, der seit Juli im Amt ist, angesichts einer angespannten wirtschaftlichen Situation befindet. Das Vereinigte Königreich habe in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 weiterhin mit einer komplexen Mischung aus schwachem Wachstum und über dem Ziel liegender Inflation zu kämpfen – Merkmale, die ein Stagflationsumfeld kennzeichnen. Der Premierminister und der Finanzminister hätten sich verpflichtet, ein „neues Wirtschaftsmodell“ mit Fokus auf Investitionen und industrielle Erneuerung zu verfolgen.
Der Bericht thematisierte den Inflations- und Wachstumsdruck, dem der neue Premierminister und sein Finanzminister gegenüberstehen, sowie die Frage, ob das Zusammenspiel von Geld- und Finanzpolitik die Stagflationsrisiken eindämmen könne. Gestützt werde dies auf mehrere Faktoren: Die britische Wirtschaft weise klare Stagflationsrisiken auf – das Wirtschaftswachstum bewege sich kaum im positiven Bereich, wohingegen die Verbraucherpreisinflation weiterhin über dem Ziel von 2 % der Bank of England liege.
Der britischen Wirtschaft falle es schwer, an Dynamik zu gewinnen; sie sei in den letzten beiden Jahren jeweils um etwa 1 % gewachsen, und für 2026 werde ein ähnliches oder schwächeres Tempo erwartet. Diese Verlangsamung sei auf eine durch höhere Steuern und die Einfrierung von Steuerfreibeträgen gedämpfte Konsumnachfrage, steigende globale Energiekosten, schwache Unternehmensinvestitionen und die anhaltenden Nachwirkungen früherer Zinserhöhungen zurückzuführen.
QNB stellte fest, dass die Arbeitsmarktindikatoren an Dynamik verlören, da die Einstellungsbereitschaft zunehmend vorsichtiger werde. Die Gesamtinflation habe zwar zu Beginn des Jahres ihren Höhepunkt erreicht, als der globale Energiepreisschock die Kosten in die Höhe trieb, doch selbst mit rückläufigem Energiedruck bleibe die Kerninflation hartnäckig. Das Statistikamt deute auf anhaltende Risiken durch inländische Lohnentwicklungen und Preissetzungsstrategien der Unternehmen hin, die sich an frühere Kostensteigerungen anpassten.
Der Bericht befasste sich auch mit der Geldpolitik im Vereinigten Königreich, die unabhängig von der Regierung geführt werde. Die Bank of England habe ein Mandat zur Gewährleistung von Preisstabilität bei gleichzeitiger Unterstützung der Gesamtwirtschaft. Sie sehe sich derzeit in einem potenziellen Stagflationsdilemma: Ein zu schneller Zinssenkung könne den Preisdruck und die Inflation neu entfachen, wobei ein zu langes Festhalten an hohen Zinsen die Rezession vertiefen und die Wirtschaft möglicherweise in eine Kontraktion treiben könne.
Der Bericht wies auf den „graduellen und vorsichtigen“ Ansatz der Bank of England hin, die ihre Geldpolitik bei 3,75 % moderat restriktiv halte und die miteinander verbundenen Risiken von Preisen und Wirtschaftstätigkeit abwäge. Sie werde nur dann handeln, wenn die Beweislage zur Kerninflation klarer werde – was erkläre, warum der geldpolitische Ausschuss sich gegen Forderungen nach Zinssenkungen sträube und warum eine hawkische Minderheit seiner Mitglieder für weitere Straffung plädiere, aus Angst vor einer Verfestigung der Inflationserwartungen durch vorzeitige Lockerung.
Die QNB vertrat in ihrem Wochenbericht die Ansicht, dass der fiskalpolitische Spielraum durch die hohe Staatsverschuldung und gesetzliche Fiskalregeln begrenzt bleiben werde. Die Kreditkosten der britischen Regierung gehörten zu den höchsten unter den fortgeschrittenen Volkswirtschaften; die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen lägen bei etwa 5 %, wohingegen die Staatsverschuldung sich 100 % des BIP nähere.
Die Schuldendienstkosten verschlängen nun einen erheblichen Teil der Staatseinnahmen, was kaum Raum für Fehler lasse. Die Finanzmärkte hätten sensibel auf erste Signale reagiert, dass die neue Regierung möglicherweise mehr Flexibilität innerhalb ihrer Fiskalregeln anstrebe – die langfristigen Anleiherenditen seien gestiegen, ein Zeichen für wachsendes Unbehagen der Märkte.
Der Bericht rief die neue Regierung dazu auf, in ihren bevorstehenden Finanzplänen Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft zu zeigen, um die Kreditkosten zu stabilisieren und Raum für wachstumsfördernde Maßnahmen zu schaffen.