Zwei Jahre nach dem Umbau der Schönhauser Allee hat infraVelo die ansässigen Gewerbetreibenden befragt. Das Ergebnis fällt überwiegend positiv aus, vor allem Radweg und Lieferzonen kommen gut an. Kritik gibt es dagegen an einem Punkt: den weggefallenen Parkplätzen.
Auf 720 Metern trennen sogenannte Radborde den Radfahrstreifen vom Autoverkehr, 25 der insgesamt 720 Elemente hatten sich 2025 vorübergehend gelöst. / © Foto: infraVelo/Daniel Rudolph
© Titelbild: infraVelo/Daniel Rudolph
Zwischen der Kreuzung Eberswalder/Danziger Straße und der Kreuzung Gleimstraße/Stargarder Straße verläuft seit Juli 2024 ein geschützter Radfahrstreifen. Auf rund 720 Metern trennen Betonborde den Rad vom Autoverkehr, beidseitig und mit einer Breite von 2,20 bis 2,50 Metern. Zwei Fahrspuren bleiben dem Kfz-Verkehr und der Tram vorbehalten, gleichzeitig wuchs die Zahl der Lieferzonen von sechs auf elf. Verantwortlich für Planung und Bau war die landeseigene Gesellschaft infraVelo im Auftrag der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie des Bezirksamts Pankow.
Grundlage für den Umbau bildeten ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Pankow und das Berliner Mobilitätsgesetz, das an Hauptverkehrsstraßen Radverkehrsanlagen vorsieht. Zuvor hatte eine Jahresauswertung der Polizei die Schönhauser Allee als Straße mit hoher Unfallhäufigkeit ausgewiesen. Die Baukosten beliefen sich laut infraVelo auf rund 1,5 Millionen Euro, finanziert über das Bundesprogramm „Stadt und Land“ und Landesmittel.
Gewerbeumfrage im Prenzlauer Berg: Kleine Stichprobe mit klarer Tendenz
Zwei Jahre nach Fertigstellung ließ infraVelo die Wirkung des Umbaus erstmals bei den ansässigen Betrieben abfragen. Zwischen März und April 2026 lud die Gesellschaft rund hundert Gewerbe und Gastronomiebetriebe zu einer anonymen Onlinebefragung ein, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut INFO GmbH. Am Ende nahmen 27 Betriebe teil, was bei einer Grundgesamtheit von 113 einem Fehlerintervall von fast 19 Prozentpunkten entspricht und die Ergebnisse eher als Tendenz denn als repräsentativen Befund einordnet.
Dennoch fällt das Gesamturteil eindeutig aus. Laut infraVelo bewerten 59 Prozent der Befragten die Umgestaltung positiv oder eher positiv, nur 30 Prozent äußern sich negativ. Als häufigste Gründe für ein positives Urteil nannten die Teilnehmenden bessere und sicherere Radwege sowie mehr Platz für Fußverkehr und Außengastronomie.
Radweg und Lieferzonen auf der Schönhauser Allee: Gewerbetreibende bewerten Einzelmaßnahmen positiv
Mehr als 5.000 Radfahrende nutzen den Streifen an Spitzentagen pro Richtung, in der Gewerbeumfrage bewerteten 59 Prozent der Betriebe ihn als gut bis sehr gut. / © Foto: infraVelo/Daniel Rudolph
Besonders positiv schneiden in der Umfrage einzelne Elemente des Umbaus ab. Die erweiterten Gehweg und Aufenthaltsflächen bewerten 74 Prozent der Befragten als gut oder sehr gut, ähnlich hoch fällt die Zustimmung zu Verfügbarkeit und Lage der neuen Lieferzonen aus. Auch der neue Radfahrstreifen selbst erhält von 59 Prozent gute bis sehr gute Noten.
Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden nimmt zudem weniger Konflikte zwischen Rad und Fußverkehr wahr als vor dem Umbau. Bei der Kundschaft beobachten 30 Prozent der Gewerbetreibenden positive Reaktionen, während 19 Prozent eher negative Rückmeldungen erhalten.
Parksituation auf der belebten Straße: Wegfall der Stellplätze bleibt Kritikpunkt
Deutlich kritischer fällt die Bewertung der Parksituation aus. Nur 26 Prozent der Befragten empfinden die verbliebenen Parkmöglichkeiten als ausreichend, für viele ist das der Hauptgrund für eine negative Gesamteinschätzung. Auch andauernde Baustellen Dritter im Straßenraum trüben laut Umfrage bei einem Teil der Betriebe den Eindruck.
Insgesamt zeigt die Befragung damit ein gemischtes, aber überwiegend positives Bild. Für den Herbst 2026 kündigte infraVelo bereits eine vergleichbare Befragung zum Umbau der Grunewaldstraße in Tempelhof-Schöneberg an.
Quellen: infraVelo, INFO GmbH Markt- und Meinungsforschung, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Pankow, Bezirksverordnetenversammlung Pankow

