Nach Jahrzehnten im Interior-Design wagt Frauke Meyer den Schritt ins Ungebundene und entwickelt aus Holz, Stein und Stahl eigenständige Collectibles zwischen Skulptur und Design.

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Wenn man die Jahre zusammenzählt, denkt man, sie hätte ihre Karriere begonnen, als sie noch ein Teenager war. Aber es stimmt: Ab 1998 arbeitete Frauke Meyer für Christian Liaigre, das „wohl pariserischste aller französischen Interior-Häuser“, wie es in AD einmal hieß. 2015 wurde sie Kreativdirektorin. Nun führt sie seit zwei Jahren erfolgreich ihr eigenes Studio im Marais, hat im Moment Projekte in Tokio und London. Doch eine Sache ging ihr nicht aus dem Kopf: „Nach all der Zeit hatte ich den Wunsch, einmal an etwas zu arbeiten, das nicht mit einem bestimmten Auftrag verbunden war“, sagt die gebürtige Papen­burgerin an einem ultraheißen Vormittag im Juni.

Porträt Frauke Meyer

23 Jahre bei Liaigre, seit zwei Jahren selbstständig: Frauke Meyer, in ihrem Studio im Marais. Sie spiegelt sich in dem Paravent, den sie entwarf.

Frauke Meyer ParisZurück zu den künstlerischen Anfängen

Das Gespräch findet über Zoom statt. Frauke Meyer sitzt in ihrem lichtdurchflutenden Atelier an ihrem Schreibtisch, hinter ihr an der Wand hängt ein Foto des Schaulagers in Basel, ein Freund hat es ihr zum Einzug geschenkt („Ich mag die Architektur von Herzog & de Meuron sehr.“). Dann dreht sie den Computer – und auf dem Bildschirm erscheint ein Objekt, von dem man auf Anhieb nicht so recht sagen kann, worum es sich handelt. Ein Teil davon ist verspiegelt, die Reflexionen bringen das dreidimensionale Raumkontinuum in Unordnung. Ein anderer Teil sieht aus wie Pelz oder ein Fell. „Das ist Pappel-Maser, das Holz kurz über der Wurzel am Stamm einer Pappel“, erklärt Meyer. Holz und polierter Stahl: Hätte sie nicht ihren eigenen Kopf, könnte man meinen, das ist die Liaigre-DNA. Aber irgendwie ist in ihrem Fall das eine vom anderen auch schwer zu trennen. Der Paravent gehört zu den drei Einzelstücken, die Meyer letztes Jahr entwarf. „Ich wollte zurück zu meinen künstlerischen Anfängen“, sagt sie, die in den Neunziger­jahren nach Paris ging, um an der École nationale supérieure des arts décoratifs, zu studieren.