Amara Conde ballt die Faust nach dem Siegtreffer durch Maurice Krattenmacher

Stand: 05.09.2026 • 19:59 Uhr

Die SV Elversberg hat in der Fußball-Bundesliga ein kurioses Spiel bei Borussia Mönchengladbach nach einem Zwei-Tore-Rückstand noch gewonnen und bleibt ungeschlagen. Dabei musste sie eine krasse Fehlentscheidung verdauen.


Christian Hornung

Beim 3:4 (2:1) hatte Hugo Bolin (11. Minute) das 1:0 für die Gastgeber erzielt, David Mokwa (29.) glich aus, ehe erneut Bolin (44.) den VfL in Führung brachte. Nach dem 3:2 durch Joe Scally schien die Entscheidung gefallen, doch die SVE kam eindrucksvolll zurück: Maurice Krattenmacher (66.), Felix Keidel (80.) und noch einmal Krattenmacher (90.+2) belohnten den Aufsteiger für eine herausragende kämpferische Leistung.

„Ich bin stolz auf die Mannschaft“, lobte Vincent Wagner, der Elversberger Trainer. Sein Gladbacher Pendant Eugen Polanski teilte dieses Gefühl nicht: „Es gibt viele positive Dinge über die man sprechen könnte, aber das möchte ich nicht. Ich möchte, dass wir über die sprechen, die wir ändern müssen, um Bundesligaspiele zu gewinnen.“

Bei den Elversbergern hatte Wagner exakt auf die Startelf gesetzt, die am vergangenen Wochenende bei der Bundesliga-Premiere der Saarländer sensationell Bayer Leverkusen mit 3:2 besiegt hatte. Gladbachs Trainer Eugen Polanski rotierte gleich dreimal gegenüber dem 0:3 in Leipzig, unter anderem bekam der erste 18-jährige Mathieu Nguefack anstelle von Kevin Stöger eine Chance im zentral-defensiven Mittelfeld.

Licht und Schatten bei Gladbachs Nguefack

Und Nguefack stand schnell mehrfach im Mittelpunkt des Geschehens. Elversberg hatte extrem mutig begonnen, lief die Gladbacher hoch an und machte enormen Druck über die Flügel. Doch im Gegensatz zum Leipzig-Spiel, nach dem VfL-Kapitän Tim Kleindienst sich über den „Kindergarten-Fußball“ der Borussen aufgeregt hatte, unterband der Gastgeber diesmal die vielversprechenden Angriffe mit Fouls. Schon früh hatten Franck Honorat und Ko Itakura Glück, dass sie dafür nicht verwarnt wurden, doch die Taktik hatte Wirkung. Die SVE war zwar überlegen, hatte aber keine Torchancen.

Das machten die Borussen besser. Schon in der 7. Minute verfehlte Kleindienst nach Bolins Balleroberung die Flanke von Scally nur knapp. Fünf Minuten später hatte Nguefack seinen ersten großen Auftritt, als er einen von SVE-Keeper Nicolas Kristof zu kurz abgewehrten Ball per Vollspann auf den zweiten Pfosten hämmerte. Da stand Bolin, setzte sich stark im Kopfballduell durch und traf zur Führung.

Elversbergs Onyeka schiert am Pfosten

Nguefack hatte damit beim Startelf-Debüt gleich seinen ersten Assist gesammelt. 60 Sekunden später lernte er aber direkt die andere Seite kennen. Extrem leichtfertig vertändelte er zentral vor dem eigegen Strafraum den Ball an Francis Onyeka, der freie Schussbahn hatte – aber am linken Pfosten scheiterte.

In der Folge befreite sich Gladbach zunehmend, hatte im Mittelfeld ein Übergewicht, blieb aber anfällig für die Konter der Gäste. Die nutzten ihre Schnelligkeitsvorteile nach einer knappen halben Stunde gnadenlos aus: Itakura verlor an der Mittellinie das Laufduell gegen Mokwa, auch Kevin Diks kam bei seinem Rettungsversuch zu spät, und der frei durchgestartete Mittelstürmer der SVE ließ VfL-Keeper Moritz Nicolas keine Chance.

Einwurf falsch – aber Gladbachs Tor zählt trotzdem

Kurz vor der Pause wurde es dann kurios. Kleindienst hatte im Zweikampf einen Ball ins Seitenaus gespitzelt, den Einwurf dann aber gleich selbst ausgeführt. Schiedsrichter Martin Petersen ließ die Partie fälschlicherweise weiterlaufen, und durch den schnellen Konter über Franck Honorat kam Bolin zum Abschluss und schob die Kugel flach ins rechte Eck.

Elversberg war zu Recht außer sich, Coach Wagner reklamierte wild, nachdem er die Szene auf einem Laptop an der Seitenlinie gesehen hatte – und sah Gelb. Ein Fall für den VAR? Neuerdings nicht mehr. Die falsche Spielfortsetzung durfte Videoassistent Daniel Siebert laut Regelwerk nicht antasten, er hätte nur dann eingreifen dürfen, wenn nach dem Einwurf ein weiterer Regelverstoß vorgelegen hätte – das war aber nicht der Fall.

SVE-Coach Wagner fliegt auf die Tribüne

Auf dem Weg in die Kabine betrat Wagner dann noch das Spielfeld, um erneut zu reklamieren – das durfte er aber nicht und sah die Gelb-Rote Karte. Die zweite Hälfte verfolgte der Bundesliga-Neuling dann von der Gladbacher Ehrentribüne aus und sah, wie das Spiel weiter hin und her wogte.

Nach dem Spiel betonte der Trainer, er habe nicht gemeckert. „Ich kam ja noch nichtmal zum Reden.“ Dementsprechend hoffe er, dass der DFB seine Sperre zurücknimmt.

Schiedsrichter Martin Petersen gab seinen Fehler nach dem Spiel zu: „Ich hatte einen ungünstigen Winkel zu der Szene.“ Außerdem bestätigte Petersen Wagners Aussage dass der Trainer gar nicht gemeckert habe. Die zweite gelbe Karte habe er deshalb gegeben, weil schon Wagners Versuch, die Szene auf dem Weg in die Kabine zu besprechen, eine Unsportlichkeit gewesen sei.

Scally erhöht für Gladbach

Die SVE blieb mutig, doch Lasse Günther scheiterte fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff an Nicolas.

Auf der Gegenseite war Gladbach konsequenter. Scally eroberte den Ball im Mittelfeld, über Philipp Sander und Honorat kam der US-Amerikaner zum 3:1. Dabei stand er in diesem Transferfenster schon kurz davor, die Borussen zu verlassen.

Elversbergs Krattenmacher und Keidel gleichen aus

Es sah nach Vorentscheidung aus, doch Elversberg blieb zäh und stabil. Nach einer Parade von Nicolas schaltete Krattenmacher am schnellsten und grätschte die Kugel im Fallen über die Linie. Die SVE war wieder dran und stellte Gladbach weiter vor Riesenprobleme. Ein Ballverlust von Youngster Nguefack verursachte einen Freistoß, den die Borussen folgenschwer unterschätzten: Nicolas stellte nur eine Drei-Mann-Mauer, die dann beim Kracher von Keidel auch noch auseinanderbrach, der durchaus nicht unhaltbare Ball schlug im linken Eck ein.

Damit nicht genug. Als Gladbach alles auf Sieg setzte, war plötzlich die Abwehr komplett offen. Das nutzte der überragende Krattenmacher in der Nachspielzeit zum Siegtor.

Gladbach in Freiburg, Elversberg gegen die Bayern

Gladbach rangiert damit nach zwei Partien mit null Punkten im Tabellenkeller und steht am Samstagnachmittag beim SC Freiburg (15.30 Uhr) bereits unter großem Druck. Elversberg kann sich freuen: Mit sechs Punkten darf die SVE die Partie am Sonntagabend gegen den FC Bayern (17.30 Uhr) als wunderbares Bonusspiel betrachten.