Vincent Wagner war begeistert. „Ich habe festgestellt: Ich war in meinem Leben noch nicht oft genug im Borussia-Park. Sensationelle Choreo, sensationelle Stimmung, wirklich ein tolles Stadion. Das hat direkt Spaß gemacht“, sagte der Trainer der SV Elversberg.
Die Gladbach-Fans zogen vor dem Anpfiff eine beeindruckende Choreografie in der Nordkurve auf mit der Botschaft: „Endlich wieder in der Kurve steh’n – unsere geliebte Borussia seh’n“, stand auf einem Spruchband, das sich über die Tribüne spannte.
Die Gladbacher hingegen bekamen von dort, wo sie anfangs noch gefeiert wurden, ein üppiges Pfeifkonzert zu hören. Kapitän Tim Kleindienst stand satte 20 Minuten bei den Ultras und musste erklären, was kaum zu erklären war. „Mir fehlen die Worte“, gestand Teamkamerad Robin Hack derweil den Journalisten in der Mixedzone.
„Es ist eine große Enttäuschung. Ich glaube, das sieht man grundsätzlich an den Reaktionen aller: beim Klub, bei der Mannschaft, bei den Verantwortlichen und bei den Fans. Nach einer 3:1-Führung darfst du das Spiel nicht mehr aus der Hand geben“, sagte Sportchef Rouven Schröder.
Nach zwei Spielen haben die Gladbacher null Punkte und sieben Gegentore. „Wir hatten uns das anders vorgestellt“, gab Schröder zu. Die Alarmglocken schrillen im Borussia-Universum, der Traditionsklub ist gleich wieder im Krisenmodus.
„Die Emotionen sind einfach da. Jeder hat sich gewünscht, mit einem Dreier in die Saison zu starten. Es ist vollkommen normal, dass es brodelt, wenn man so leidenschaftlich in eine Saison startet und dann im ersten Heimspiel in die Kurve geht, während die Fans entsprechend reagieren. Trotzdem ist klar, dass wir uns zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison sehr deutlich miteinander auseinandersetzen müssen“, sagte Schröder.
Gladbach-Coach Polanski: „Das ist für mich unerklärlich“
Auch Trainer Eugen Polanski war die Enttäuschung deutlich anzumerken, zumal weil neben ihm Vincent Wagner ob des zweiten Saisonsieges enorm euphorisch war. „Wir bringen sehr viel Energie ins Spiel, wie wir zu Hause auftreten, wie wir die Tore machen, um dann sehr, sehr viele Dinge einfach falsch zu machen. Das ist für mich unerklärlich. Dementsprechend war es mit Sicherheit kein schöner Fußballnachmittag für uns“, sagte Polanski.
„Der Schock sitzt relativ tief, dass wir das Ding heute noch aus der Hand gegeben haben. Wir können über sehr, sehr viele Dinge sprechen, die sehr, sehr positiv sind – darüber, was wir verändert haben, wie wir auftreten, über Fußball und Mentalität. Aber wenn wir die Fehler machen und die Gegentore kassieren, die wir kassieren, brauchen wir über nichts anderes zu sprechen. Das ist mir schon klar“, sagte Polanski.
Schröder ist derweil klar, dass der missratene Start in die Saison auch die Trainerdebatte in Gladbach wieder befeuern wird. „Wenn du Spiele nicht gewinnst, stehst du grundsätzlich unter Druck. Aber ich möchte jetzt nicht den Trainer isoliert unter Druck setzen. Die Spieler stehen unter Druck, der Verein steht unter Druck – letztlich stehen wir alle unter Druck“, sagte Schröder.
Dabei hatte er mit seinen umfangreichen Umbaumaßnahmen im Team und um das Team herum, ein intensives Trainingslager am Tegernsee und eine Vorbereitung mit lauter Siegen die Stimmung nach der unbefriedigenden Vorsaison gedreht. Nun aber droht alles schnell wieder zu kippen.
„Die Sorge beziehungsweise die Gefahr ist natürlich da. Aber es liegt an uns, die Dinge zu drehen. Nach solchen Spielen über die Situation zu sprechen, ist immer relativ einfach – vor allem nach einer Niederlage wie heute. Es ist vollkommen normal, dass der Druck steigt. Wir wollten eine gewisse Aufbruchstimmung erzeugen. Das ist nach zwei Spielen und null Punkten zunächst nicht gelungen. Damit müssen wir umgehen“, sagte Schröder.