Es ist ein absurdes System: EU-Landwirte dürfen bestimmte Pestizide beim Anbau von Zitronen nicht einsetzen, die Konkurrenz in Südafrika schon. Dennoch landen alle Früchte am Ende gleichermaßen in europäischen Supermärkten.

Kein Wunder, dass sich hiesige Erzeuger seit Langem über Wettbewerbsnachteile beklagen. Nun warnt das Forschungszentrum der EU-Kommission allerdings: Würden die europäischen Vorgaben auch für importierte Agrarerzeugnisse gelten, könnten Lebensmittel spürbar teurer und einzelne Waren sogar knapp werden.

Die EU-Kommission steht vor einer unbequemen Entscheidung. Sie kann entweder strengere Pestizidvorschriften auch für Kaffee, Zitronen und andere Waren aus Nicht-EU-Staaten durchsetzen. Oder sie setzt weiter auf möglichst niedrige Preise im Supermarkt – und nimmt in Kauf, dass eingeführte Lebensmittel Rückstände eines Pestizid-Cocktails enthalten könnten.

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Ihre Standards macht die EU schon heute in vielen Bereichen zur Voraussetzung für den Zugang zu ihrem Markt. Das sollte sie auch beim Pestizideinsatz tun, wenn Landwirte aus Drittstaaten ihre Produkte hier verkaufen wollen. Den Produzenten außerhalb Europas wird das nicht gefallen. Es sorgt aber für gesündere Lebensmittel – und dafür, dass Beschäftigte auf Plantagen weniger gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sind.

Gewiss: Das hat seinen Preis. Gigantische Steigerungen dürften dennoch ausbleiben. Europa ist ein so wichtiger Absatzmarkt, dass Landwirte ihre Methoden anpassen werden. Teurer wird es dennoch, weil alternative Pflanzenschutzmittel mehr kosten, ebenso wie eine stärkere Produktion in Europa.

Die EU-Kommission sollte nun genau prüfen, welche Pestizide sie auf die schwarze Liste setzt, ohne die Inflation im Supermarkt stark anzuheizen. Ein moderater Aufschlag ist ein geringer Preis für gute Lebensmittel und weniger Risiken.